„Hier geht es sichtbar aufwärts“

Hessischer Ministerpräsident bei der Eröffnung der neuen DWS-Geschäftsstelle
Ausgabe Nr. 2484
 
 

gruppe-bouffier

Vergangenen Freitag wurde der neue Sitz des Deutschen Wirtschaftsclubs Siebenbürgen (DWS) in der Fleischergasse/Mitropoliei 28 eröffnet, im Beisein von prominenten Gästen wie der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier, der hessische Landtagspräsident Norbert Kartmann, Hermannstadts Bürgermeisterin Astrid Fodor, der DFDR-Abgeordnete Ovidiu Ganț oder Judith Urban, Konsulin der Bundesrepublik Deutschland in Hermannstadt und DWS-Ehrenvorsitzende. Die Gäste begrüßte Jürgen Schmidt, Vorsitzender des Deutschen Wirtschaftsclubs. Einen Gruß aus Izmir sandte übrigens auch Thomas Gerlach, ehemaliger Generalkonsul in Hermannstadt und ehemaliger gewählter Vorsitzender des Wirtschaftsclubs.

 „Ich bin sehr froh, dass es gelungen ist, dass diese Reise durchgeführt werden konnte. Wir sind nach Rumänien gekommen, nach Bukarest, aber auch ganz besonders hierher, nach Siebenbürgen, nach Hermannstadt und nach Heltau“, sagte Bouffier im Rahmen der Eröffnung des neuen DWS-Sitzes. Hermannstadt sei ein Ort, der sehr bekannt in Deutschland sei, wegen der Tradition, wegen der Jahrhunderte alten Geschichte, der Tatsache, dass hier Deutsche waren und in jüngerer Zeit durch die Kulturhauptstadt Europas und durch Staatspräsident Klaus Johannis, der in Deutschland sehr populär sei. „Wir haben in Bukarest den Staatspräsidenten und fast alle Regierungsmitglieder getroffen, wir hatten gute Gespräche und hier besuchen wir die Bürgermeisterin, den Präfekten, die Vertreter der Wirtschaft. Wir haben also viel Gelegenheit gehabt, Erfahrungen und Informationen zu sammeln und auch die Atmosphäre aufzunehmen und wir sind sehr beeindruckt. Man sieht, was hier geschaffen wurde. Hier geht es sichtbar aufwärts“.

In Deuschland sei Rumänien wahrgenommen worden als brutale Diktatur, irgendwo weit weg, dann später, in Verbindung mit Armut, Korruption und abenteuerlichen politischen Verhältnissen. Er habe auch jetzt Mitglieder in der Delegation dabei, die zum ersten Mal in Rumänien waren. Diese haben die gleiche Erfahrung gemacht, wie er damals vor sechs Jahren auch, als er zum ersten Mal da war. Mancher ist erstaunt, was es hier gibt, gerade wenn man eine Stadt wie Hermannstadt sieht. Die Athmosphäre sei schön und man habe eine moderne Industrie und Vieles von dem, was mancher mit Rumänien nicht verbunden hat. Vieles habe zu tun mit dem Staatspräsidenten. „Mit Klaus Johannis hat Rumänien ein anderes Symbol, einen Leuchtturm”, sagte Bouffier. „Wir haben uns mit vielen Wirtschaftsleuten unterhalten, die nach Hermannstadt gekommen sind, weil sie ihm damals als Bürgermeister, vertraut haben, und dasselbe gilt natürlich auch für Rumänien. Die jetzige Technokratenregierung hat viel Vertrauen in Deutschland und Europa gewonnen.”

Die Brukenthalschüler machten beim Besuch der Schule auch einen guten Eindruck auf die hessische Delegation. Dazu Bouffier: „Sie waren sehr offen und sie sind die Zukunft dieses Landes und ich hatte schon den Eindruck, dass sie sich auch überlegen, wie ihre Zukunft ausschauen wird. Ich hoffe, wenn sie zum Beispiel nach Deutschland studieren gehen, das sie dann auch zurück kommen, weil das Land diese jungen Menschen braucht”, sagte Volker Bouffier vor allem auch im Hinblick darauf, dass gut ausgebildete junge Menschen Rumänien verlassen. Der hessische Ministerpräsident versicherte beim Besuch, dass er Schüler mit Stipendien beim Studium in Deutschland unterstützen werde.

Christopher Moss, Vorsitzender des Freundeskreises Marburg-Hermannstadt und Ehrensenator der Lucian Blaga-Universität, die mit der Philipps-Universität in Marburg zusammenarbeitet, will sich für den schulischen Bereich auch stärker engagieren. Im kommenden Jahr ist eine Reise der Mitglieder des Freundeskreises nach Rumänien geplant. Es werde unter anderem daran gedacht, die Zusammenarbeit zwischen Hermannstadt und Marburg über die Stadtgrenzen hinaus auf die Kreise auszuweiten. Möglicherweise werde da ein Projekt auf die Beine gestellt für die Lehrer, die in Rumänien unterrichten.

Bouffier beglückwünschte auch die Vertreter des Deutschen Forums. Zumindest in Europa kenne er keine Situation, wo eine politische Vertretung einer kleinen Minderheit im Stadtrat die absolute Mehrheit habe, und das schon lange. Das Deutsche Forum müsse ein sehr hohes Vertrauen genießen. Beeindruckt habe ihn vor allem die Tatsache, dass die Vertreter nicht nur im Interesse der eigenen Volksgruppe wirken sondern für die „gemeinsame Zukunft”, was Bouffier als Schlüssel für den Erfolg wertete. „Man kann es ja sehen, es ist eine sehr erfolgreiche Entwicklung. Wo gibt es eine Region in Süd- oder Osteuropa, wo alle Menschen Arbeit haben? Man spürt, hier gibt es eine dynamische Entwicklung und deshalb ist das Deutsche Forum eine Einrichtung, die unseren großen Respekt verdient, aber auch unsere Anerkennung“.

Beim Besuch im Bischofspalais gratulierte der hessische Ministerpräsident Bischof Reinhart Guib, dass es gelungen ist, in der Diaspora-Kirche überhaupt zu überleben. Während der Diktatur und nach der Wende, als ja fast alle Deutschen ausgewandert sind, sei die Evangelische Kirche A. B. in Rumänien von der Zahl der Mitglieder und auch der Pfarrer kleiner geworden, habe aber nach wie vor eine große Bedeutung. „Wir können die Finanzierung dieses Bistums nicht lösen, aber wir werden uns engagieren und auch mithelfen bei bestimmten Projekten, die hier gemacht werden, so dass man vorankommt. Ich bin sehr beeindruckt gewesen, was die Kirche alles macht von diakonischen Einrichtungen bis zu Hospizen und das wollen wir auch unterstützen”, unterstrich Bouffier.

„Ich muss sagen, es ist ein alter Wunsch der Mitglieder des DWS, dass wir einen eigenen Sitz haben, einen Sitz wo unsere Regelmäßigen Veranstaltungen stattfinden können”, sagte DWS-Geschäftsführer Wiegand Fleischer. Zu den neuen Räumlichkeiten gehört ein Sitzungsraum, der sich für regelmäßige DWS-Treffen eignet. Dabei dürfen die Räumlichkeiten von den DWS-Mitgliedern auch für andere Veranstaltungen genutzt werden. Die DWS-Assistentin ist bereits vor einiger Zeit umgezogen und kann hier angesprochen werden. Die neue Geschäftsstelle ist zentral gelegen, so dass ein Besuch beim DWS jederzeit mit einer Stadtbesichtigung verbunden werden kann. Identifiziert wurden die neuen Räumlichkeiten mit Hilfe der evangelischen Kirche mit der es nun einen günstigen Mietvertrag gibt, von dem beide Seiten profitieren.

Begleitet wurde die hessische Delegation u. a. auch von Ingwelde Juchum, Vorsitzende der Landesgruppe Hessen des Verbands der Siebenbürger Sachsen in Deutschland.

Werner FINK

 

Christopher Moss, Benjamin Jozsa, Paul-Jürgen Porr, Judith Urban, Volker Bouffier, Ingwelde Juchum, Ovidiu Ganț, Norbert Kartmann und Martin Bottesch im Sitz des Hermannstädter Deutschen Forums.          

Foto: der Verfasser

 

 

 

Posted in Aktuelle Ausgabe, Politik.