„Ein Sprungbrett, kein Ruhekissen“

12. Begegnung auf dem Huetplatz stand unter dem Motto Tradition im Wandel“
Ausgabe Nr. 2483
 
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„Tradition soll ein Sprungbrett sein, aber kein Ruhekissen.“ Dieses berühmte Zitat des britischen Politikers und Verlegers Harold Macmillan (1894-1986) stellte Dagmar Zink, die Vorsitzende der Heimatgemeinschaft der Deutschen aus Hermannstadt (HDH), in den Mittelpunkt ihres Grußwortes bei der feierlichen Eröffnung der 12. „Begegnung auf dem Huetplatz“ am Freitag Abend.

Die zwölfte „Begegnung auf dem Huetplatz“, wie das Treffen der Hermannstädter von nah und fern genannt wird, stand nämlich unter dem Motto „Tradition im Wandel“. An dieses Motto knüpften alle Redner des Abends an, allen voran der Vorsitzende des Demokratischen Forums der Deutschen Hermannstadt (DFDH), Hans Klein, der allen von weither angereisten Anwesenden – es waren gebürtige Hermannstädter aus Deutschland, der Schweiz und sogar aus Australien dabei – wünschte: „Fühlt euch wie Zuhause.“ Schließlich habe sich das Fest, das seit 1994 jedes zweite Jahr von der HDH und dem DFDH gemeinsam organisiert wird, schon zu einer Tradition entwickelt. Dem pflichtete die Vizebürgermeisterin ad interim Corina Bokor bei, die feststellte: „Traditionen zu bewahren und zu pflegen ist heutzutage nicht leicht. Jedoch ist dies eine große Herausforderung und eine Aufgabe, der wir uns stellen müssen.“ Zwei Beispiele von „Tradition im Wandel“ nannte im Anschluss die Deutsche Konsulin Judith Urban: zunächst die mit Frauen besetzten Spitzenpositionen, die traditionell Männern vorbehalten waren; Urban nannte Herta Daniel, Bundesvorsitzende des Verbands der Siebenbürger Sachsen in Deutschland,  Dagmar Zink, HDH-Vorsitzende, Corina Bokor und Astrid Fodor, Hermannstadts Bürgermeisterin ad interim unter dem Stichwort „Frauenpower“.  Als zweiten Punkt wies sie auf die deutsche Sprache als Identifikationselement der deutschen Minderheit hierzulande hin, deren Basis das deutsche Unterrichtswesen in Rumänien sei, das heutzutage mehrheitlich von rumänischen Kindern wahrgenommen wird.

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Grüße von den Siebenbürger Sachsen von überall überbrachte Herta Daniel, Bundesvorsitzende des Verbands der Siebenbürger Sachsen in Deutschland, die das Hermannstädter Treffen als Gelegenheit betrachtet, „einfach mal wieder Hermannstadt zu genießen und Plätze und Straßen neu zu entdecken“. Die HDH-Vorsitzende Dagmar Zink stellte u. a. fest: „Hermannstadt ist für uns, die wir nicht unmittelbar hier leben, zur Bühne geworden, auf der wir immer wieder gerne alte und neue Traditionen aufleben lassen in Form von Begegnungen, Klassentreffen, silbernen und goldenen Hochzeiten, Geburtstagen oder der im zweijährigen Turnus stattfindenden Begegnung auf dem Huetplatz.“

Stadtpfarrer Kilian Dörr fand es schön, dass die Angereisten „ein wenig Sonnenschein im Gepäck mitgebracht haben“ und wünschte allen „es möge vom Land des Segens wieder etwas spürbar werden“. In seiner Predigt am Sonntag im Festgottesdienst stellte er das Staunen in den Mittelpunkt, als den „schönsten Weg zu Gott“. Im Anschluss daran dankte Stadtpfarrer Dörr der HDH für den aktiven Einsatz in Sachen Friedhof, der in der Erstellung einer Foto-Dokumentation gipfelte. Diese Foto-Dokumentation überreichten Jürgen Schuster und Marianne Hügel im Rahmen des Gottesdienstes dem Friedhofsbeauftragten Pfarrer Hans-Georg Junesch. Jürgen Schuster sagte, der Friedhof sei ein äußerst wichtiges Dokument und deshalb habe er gemeinsam mit Marianne Hügel, die schon seit 22 Jahren die Beiträge für die Friedhofspflege einsammelt, 2009 die rund 6.000 Gräber fotografiert.

Im Anschluss an den Gottesdienst fand dann bei strahlendem Sonnenschein zwischen Stadtpfarrkirche und Bruken-
thalschule die „Begegnung auf dem Huetplatz“ statt. Zu den Klängen der Formusica-Blaskapelle unter der Leitung von Viorel Petru Mailat marschierten die Tanzgruppen der Brukenthalschule und des Hermannstädter Jugendforums auf und boten einen Einblick in die Welt der siebenbürgisch-sächsischen Volkstänze. Für die in Hermannstadt lebenden Hermannstädter war das der Ausklang des Treffens, die von weither Angereisten begaben sich anschließend auf eine Busreise durch das Hermannstädter Umland.            Beatrice UNGAR

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