Zum Mitsingen ermuntert

Ausgabe Nr. 2474
 

Karfreitag-Konzert in der evangelischen Stadtpfarrkirche

Musikalischer Karfreitag in der evangelischen Stadtpfarrkirche: die von Georg Philipp Telemann komponierten und von Musikwart und Chordirigent Jürg Leutert in einem Pasticcio „versammelten" Lukas-Passionen wurden von dem Hermannstädter Bachchor interpretiert. In Zusammenarbeit mit dem Kirchenchor Mediasch, begleitet von acht StreicherInnen der Hermannstädter Philharmonie, und mit den herausragenden Stimmen der drei anwesenden Solisten, hat der Chor eine bemerkenswerte Leistung erbracht.

 „Ein Lamm geht hin und trägt die Schuld der Welt und ihrer Kinder; es geht und trägt in Geduld die Sünden aller Sünder; es geht dahin, wird matt und krank, ergibt sich auf die Würgebank, entsaget aller Freuden, es nimmt auf sich Schmach, Hohn und Spott, Angst, Wunden, Striemen, Kreuz und Tod und spricht: 'Ich will’s gern leiden'", heißt es in dem Lukas-

evangelium.

Die Leidensgeschichte Jesu von Nazareth wurde von Dirigent Jürgen Leutert aus vier der fünf bekanntesten Lukas-Passionen Telemanns, inszeniert. Sein am Karfreitag aufgeführtes Pasticcio, eine Zusammenstellung mehrerer Kompositionen zu einem neuen Instrumentalstück, war ein großer Erfolg.

Kein Wunder, denn zum einen haben der rhythmische Gesang des Chors und dessen gelungener Kanon für Stimmung gesorgt, und zum anderen die kraftvollen und zugleich feinfühligen Darbietungen der Solisten die Kirche gleichzeitig mit Leid und Freude, ganz im Zeichen des Osterfestes, erfüllt. Die in der Lukaspassion auftretende Evangelistin wurde von Sopranistin Melinda Samson dargeboten, die Arien übernahm Alt Elisa Gunesch, während Bass Wilhelm Schmidts Jesus interpretierte. Das Kammerorchester setzte sich aus Geigen, Bratschen, Cello, Kontrabass und Orgel zusammen und umrahmte diesen einmaligen Gottesdienst.

Den Besuchern wurde ebenfalls die Möglichkeit gegeben, Teil der sich abspielenden Passion zu werden, indem sie zum Mitsingen ermuntert wurden, was zur Folge hatte, dass hier und da zwischen den Bänken, sanfte und weniger sanfte Stimmen zu hören waren. Jedoch alles in einer besonnenen Atmosphäre.

Wer Karfreitag um sechs in der Stadtpfarrerkirche saß, hat die Augen geschlossen, den Stimmen gelauscht und die letzten Stunden Christi hautnah miterlebt, was ganz den Worten der Schlussworte der Einladung zum Konzert entspricht, nämlich „mit dem Gefühl nach Hause gehen können, Zeugen dieser ergreifenden Geschichte gewesen zu sein, die von Telemann durch die Musik noch verstärkt und vertieft wurde“.

Lara CEROSKY

 

Lukaspassion in der Stadtpfarrkirche: Am Karfreitag brachte der Bachchor in der Stadtpfarrkirche in Zusammenarbeit mit dem Mediascher Kirchenchor, Mitgliedern des Orchesters der Hermannstädter Staatsphilharmonie und drei Solisten ein von Musikwart und Bachchor-Dirigent Jürg Leutert erstelltes Pasticcio aus vier der fünf bekannten Lukaspassionen von Georg Philipp Telemann (1681-1767) zu Gehör.

Foto: Fred NUSS

 

 

 

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