„Wir leiden darunter“

Gespräch mit dem Theologen Alexandru Ioniță
Ausgabe Nr. 2478
 
 

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Auch in diesem Jahr feiern die christlichen Kirchen in Rumänien an verschiedenen Tagen das Osterfest. Die römisch-katholischen, evangelischen, reformierten und unitarischen Christen feierten am 27. und 28. März, die orthodoxen und die griechisch-katholischen begehen am kommenden Sonntag und Montag das Auferstehungsfest. Aus diesem Anlass befragte die Hermannstädter Zeitung den orthodoxen Theologen Alexandru Ioniță vom Verein Dia.Logos, der auch am Institut für ökumenische Forschung in Hermannstadt tätig ist, zu den Hintergünden dieser Unterschiede.

 

Warum feiern die Orthodoxen nicht immer zur gleichen Zeit mit den anderen christlichen Kirchen Ostern?

Im Jahr 325 hatte man beim Konzil festgelegt, Ostern am ersten Sonntag nach Vollmond nach dem 23. März (Frühlingsbeginn) zu feiern. Das ist die Regel. Heuer feiern alle mit Ausnahme der Orthodoxen. Und das kommt daher, dass die Slawen nach dem alten Kalender rechnen. Das heißt 13 Tage danach, also in diesem Jahr ist der Stichtag der 3. April, einen Monat später in diesem Jahr.

Die Rumänen leiden darunter, wir sind irgendwie dazwischen. Wir feiern alles nach dem neuen Kalender, so z. B. Weihnachten am 25. Dezember. Aber Ostern müssen wir mit den anderen orthodoxen Christen feiern, denn Ostern ist das größte Fest. Vielleicht muss noch ein wenig Zeit vergehen, weil z. B. die Russen die Änderung des Kalenders nicht anerkannt haben. Hierzulande war das in der Zeit der Gegenreformation so, dass sich die Orthodoxen gegen jede Art von Änderungen gewehrt haben, vor allem, da diese aus dem Westen also vom katholischen Papst kamen.

Dafür braucht es eine neue Revolution, sagte der frühere Bischofsvikar Visarion…

Es gibt wenig Sensibilität für eine Änderung. Ich glaube nicht, dass das ein Thema des Konzils im Sommer sein wird. Papst Franziskus und Patriarch Kyrill haben sich ja getroffen, haben aber auch nicht darüber gesprochen.

Die Griechisch-Katholischen feiern ja gemeinsam mit den Orthodoxen, das finde ich auch irgendwie seltsam…

Ich habe das bis jetzt nicht gewusst und finde es komisch. Denn sie anerkennen ja den Papst als Oberhaupt der Kirche. Für den Außenstehenden sind eigentlich auch wenig Unterschiede erkennbar zwischen Orthodoxen und Griechisch-Katholischen. Als ich in München war – als Stipendiat des Diakonischen Werks der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD) – gab es sogar drei rumänisch-orthodoxe Gemeinden. Nach einem Jahr habe ich eine griechisch-katholische Kirchengemeinde kennen gelernt und viele Menschen, die diese Gemeinde frequentierten, wussten gar nicht, dass es sich um eine griechisch-katholische handelt, weil es vom Ritus her kaum Unterschiede zu einer rumänisch-orthodoxen gab. Der Priester sagte den Gläubigen auch nie, dass diese Kirche keine Kommunion mit der orthodoxen Kirche hat. Das ist die Situation in München zur Zeit. Natürlich erhält diese Gemeinde Unterstützung von der katholischen Kirche, sie hat ein neues Gemeindezentrum, Möglichkeiten, die den Orthodoxen nicht zur Verfügung stehen. Sie machen Veranstaltungen, laden zu gemeinsamen Mahlzeiten ein. Darüber ärgern sich die orthodoxen Priester in München.

Aber anstatt sich zu ärgern sollten sie die Leute besser informieren oder das Angebot erweitern, oder?

Die Meinung der traditionellen Kirchen ist, man macht einfach keine aggressive Mission. Wenn die Rumänen in der Diaspora mehr zusammenhalten würden… Erst 1885 wurde die rumänisch-orthodoxe Kirche autokephal, also durfte einen eigenen Patriarchen wählen. Eine lineare Entwicklung war dann auch nicht lange möglich, zwei Weltkriege, die faschistische und die kommunistische Diktatur haben die Entwicklung eher gehemmt.

Sie als orthodoxer Theologe, beherrschen die deutsche Sprache so gut, dass Sie auch in dieser Sprache etwas über die Orthodoxie erzählen können.

Musik ist die beste Sprache, finde ich und so haben wir vom Verein Dia.Logos die Herausgabe einer CD mit byzantinisch-orthodoxer Musik in deutscher Sprache angeregt. In der Hermannstädter Zeitung vom 25. März d. J. haben Sie diese CD ausführlich vorgestellt. Ich habe auch vor, in Hermannstadt einen orthodoxen Religionslehrer zu suchen, der Deutsch spricht. Auch möchte ich viel mehr in Sachen Jugendarbeit unternehmen. Hier stecken wir noch in den Kinderschuhen… Langsam lerne ich Jugendliche kennen und lerne auch, wie sie „ticken”. So organisierte ich vor kurzem einen Gottesdienst am Sonntag in der einen Holzkirche im Astra-Freilichtmuseum im Jungen Wald, mit anschließendem gemeinsamem Essen, Spielen usw. Das war sehr schön.

Sie haben den Verein Dia.Logos gegründet. Was darf man sich darunter vorstellen?

Ich habe 2012 ein Stipendium in Deutschland wahrgenommen und am Ende hat man uns gefragt, was wir nach dieser Erfahrung vorhaben. Für mich war diese Zeit und auch der Sprachkurs davor eine sehr große Bereicherung. Ich habe gesagt, ich würde gerne einen Verein aller Stipendiaten der EKD in Hermannstadt gründen, weil in Hermannstadt jährlich dieser Sprachkurs stattfindet. Da werden orthodoxe Theologen erstmals mit der deutschen Sprache konfrontiert und mit dem deutschen Hochschulwesen. Wir könnten die zukünftigen Stipendiaten unterstützen bei der Suche nach der geeigneten Universität, bei den Formalitäten. Desgleichen wollen wir aufgrund unserer Erfahrung in Deutschland etwas von dem, was wir gelernt haben, übertragen in unser Leben hier in Rumänien. Z. B. haben wir dort Pünktlichkeit gelernt. Dies ist mir seit meiner Münchner Zeit ein großes Anliegen. Auch konnte ich vielen Kollegen erklären, was Orthodoxie bedeutet. Jemand der Deutsch kann, ist gefragt. Ich habe damals den Chor der rumänisch-orthodoxen Kirchengemeinde in München dazu ermutigt, die traditionellen Lieder in deutscher Sprache zu singen. Das war der Anfang und zum Abschluss kam meine Arbeit, als hier 2015 das Projekt Ökumene-Semester, eine Initiative des Instituts für Ökumenische Forschung, weilten. Ich bin auf jeden Fall glücklich, dass die beiden Bischöfe mitmachten und dass endlich solche Musik auf Deutsch erklingt. Diese CD ist eine Visitenkarte, eine Vermittlerin für einen Deutschen, der nichts von der orthodoxen Kirche weiß. Wir wollen den Dialog pflegen innerhalb der Kirche und vor allem mit der evangelischen Kirche A. B. in Rumänien. Ich schätze sehr den direkten Kontakt, den Dialog, die Offenheit aber auch durch Christus (Logos) Wort. Der Punkt dazwischen Dia.Logos steht für die noch vorhandenen Stolpersteine.

Danke für das Gespräch.

Beatrice UNGAR

 

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