Humor wird groß geschrieben

Ausgabe Nr. 2474
 

Zeitgenössische rumänische Erzählungen und Lyrik in einem Sammelband

 

 

Eine unkonventionelle „Einladung nach Rumänien“ hat die Freiburger Rumänistin Elsa Lüder zu Jahresbeginn bei Frank & Timme Berlin herausgebracht. Junge, weniger bekannte Stimmen der rumänischen Literaturszene malen ein nuancenreiches Bild der rumänischen Gegenwartsliteratur, überraschenderweise anders. Eine Literatur, die so manches Vorurteil weichen lässt. Moderne Texte vermischen sich mit klassischen Erzählungen. Der Humor, das wesentliche Element der rumänischen Literatur, wird groß geschrieben.

  Bekannte Namen wie Ion Luca Caragiale und Alexandru Macedonschi tauchen im Inhaltsverzeichnis neben weniger bekannten Autoren wie Mariana Codruț, Silviu Dancu, Daniela Gherghina oder Cella Serghi auf. Ebenfalls aus dem Inhaltverzeichnis des Sammelbandes herauszulesen ist der die für Rumänien so spezifische Plurikulturalität. Luminița Mihai-Cioabă, Michael Astner und Varujan Vosganian sind drei Autoren, die davon zeugen.

In der Kürze liegt die Würze. Genauso auch bei den Erzählungen und bei der Lyrik, die im Sammelband zu lesen sind. Einen Streifzug durch das Bukarester Nachtleben, die Bars und Clubs in der Lipscani-Straße beschreibt Gabriel H. Decuble in seiner Erzählung „Bukarest, eine nasse Romanze“: „Links und rechts laufen kleine Holzstege, die den nicht vorhandenen Gehsteig ersetzen sollen. Du denkst nicht mehr daran, wie es im Krieg ausgesehen haben mag, obwohl du weißt, dass die Stadt heftig von den Amerikanern bombardiert wurde. Im Moment musst du aufpassen, wohin du trittst, damit du dir nicht selbst den Hals brichst. (…) Das historische Zentrum ist gleichbedeutend mit Ausgelassenheit und ausschweifendem Leben, ist zu einer Insel der Glücklichen geworden.“

Nicolae Manolescu schildert Erinnerungen aus seiner Kindheit in der Fleischergasse/Mitropoliei in Hermannstadt und wie er sich durch ein Geschenk des Bischofs Respekt bei seinen Mitschülern verschaffte.

Wie ein Tagebucheintrag aus einem rumänischen Gefängnis liest sich „Rückzugsort Stille“ von Lena Constante.

Insgesamt 28 Autorinnen und Autoren sind in der Sammlung vertreten. Die Herausgeberin des Sammelbandes, Elsa Lüder ist eine Freiburger Rumänistin, die 1977 mit einer umfassenden Arbeit über die Stellung des Rumänischen innerhalb der Romania  (der Gesamtheit romanischer Sprachen) promovierte und die rumänische Sprache erforscht. Die Übersetzung moderner rumänischer Literatur wurde zu ihrem interkulturellen Anliegen.

Der Sammelband „Einladung nach Rumänien“ ist zurzeit online unter www.amazon.de für 19,80 Euro bestellbar.

Cynthia PINTER

 

Elsa Lüder (Hg.): Einladung nach Rumänien. Edition Noack &Block in der Frank & Timme GmbH Berlin, 2016. 355 Seiten. ISBN 978-3-86813-032-4

 

 

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