„Das Wichtigste für eine Diaspora-Kirchengemeinde”

Projekt zur Gründung einer deutschen Privatschule in Hermannstadt vorgestellt
Ausgabe Nr. 2477
 
 

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Am vergangenen Mittwoch stellte im Rahmen des Mitgliedertreffens des Deutschen Wirtschaftsclubs Siebenbürgen (DWS) Jens Kielhorn, Geschäftsführer der Büchercafé SRL, DWS-Mitglied und Mitglied der evangelischen Kirchengemeinde Hermannstadt, das Projekt zur Gründung einer deutschen evangelischen Privatschule in Hermannstadt vor, die den Namen Charlotte Dietrich tragen soll. „Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Wir haben alle Unterlagen beisammen und sind sehr optimistisch, dass die entsprechenden Genehmigungen erteilt werden und gehen davon aus, dass es im September los geht”, sagte Kielhorn.

In einer ersten Phase soll die Schule in dem Schulgebäude in der Hammersdorfer Kirchenburg untergebracht werden und später, wenn ein geeignetes Gebäude gefunden ist, ins Stadtzentrum ziehen.

„Wir brauchen aus der Sicht der evangelischen Gemeinde dringend neue Impulse für unser Gemeindeleben”, sagte Kielhorn. „Wir müssen in die Zukunft denken und überlegen, wie können wir unsere evangelische Kirchengemeinde weiterentwickeln. Wie können wir es sicherstellen, dass wir auch in 50 Jahren noch eine evangelische Gemeinde hier in Hermannstadt haben, die das Kulturerbe wie z. B. die Kirche, das Wahrzeichen Hermannstadts, auch betreiben können. Dazu braucht es eben auch Leute. Von der Kirchengemeinde in Kopenhagen, zu der wir auch freundschaftliche Beziehungen pflegen, haben wir gelernt, dass das wichtigste für uns als Diaspora-Kirchengemeinde die Schule ist. Das ist die Einrichtung die am meisten für unsere Zukunft bringt.” In Kopenhagen soll es eine der ältesten deutschen Privatschulen geben und diesem Beispiel wolle man nacheifern.

Zum staatlichen Schulsystem solle nun eine Alternative durch bessere Finanzierung geschaffen werden, durch angemessen bezahlte Lehrer mit zeitgemäßen pädagogischen Ansichten. Die nötigen Lehrkräfte sollen dabei nicht von staatlichen Schulen abgeworben, sondern auf dem freien Arbeitsmarkt angeworben werden.

Eines der Probleme, das genannt wurde, war die Prüfung am Ende der 8. Klasse, die u. a. dazu führt, dass auch viele Vertreter der deutschen Minderheit die Brukenthalschule verlassen müssen, eine Tatsache, die es an der Privatschule nicht geben soll. Erwähnt wurde auch die „Nachhilfestunden-Industrie“, die in den letzten Jahren entstanden ist und ohne die es der normale Schüler nicht mehr schafft, mit seinen Kollegen Schritt zu halten. Außerdem soll natürlich die langjährige Schultradition der evangelischen Kirche A. B. in Siebenbürgen wiederaufgenommen werden.

Zielgruppe seien in erster Reihe die deutschsprachigen Kinder, die es in Hermannstadt sowieso gibt, insbesondere die Kinder aus der evangelischen Gemeinde. Weitere Zielgruppen seien Kinder anderer Konfession oder Nationalität, die Deutsch sprechen sowie Kinder von Expats, die keine Vorkenntnis der rumänischen Sprache haben und für die es im Moment in Hermannstadt überhaupt keine geeigneten Angebote gäbe. Das wichtigste Zulassungskriterium ist das ausreichende Beherrschen der deutschen Sprache.

Im Grundschulbereich soll es eine Schulgebühr von 4.200 Euro geben, die dann ab der 5. Klasse etwas ansteigen kann. Vorgesehen sind auch Stipendien, für die auch weiterhin Sponsoren gesucht werden. Die Sanierungsarbeiten am Schulgebäude in Hammersdorf haben begonnen und der erste Klassenraum soll bereits im Mai fertiggestellt werden. Im Mai soll ein Tag der offenen Türen für interessierte Eltern veranstaltet werden.

Die Herrichtung der Räumlichkeiten und Erstausstattung findet auf Kosten der Gemeinde und von weiteren Sponsoren statt. Das Schulgebäude in Hammersdorf darf übrigens 5 Jahre mietfrei genutzt werden. Außerdem wird als Anschubfinanzierung die laufenden Kosten von der Kirchengemeinde als zinsloser Kredit getragen.

Eine Klasse soll 15 Schüler nicht überschreiten, um eine individuelle Betreuung zu ermöglichen. Die Anerkennung vom Staat erfolgt dabei durch die Eintragung in das Spezialregister des Bildungsministeriums (ARACIP) für die Schulen, die in Rumänien nach ausländischem Lehrplan arbeiten.

Gearbeitet werden soll nach dem Lehrplan des Landes Baden-Württemberg. Die Friedrich Wilhelm Raiffeisen-Schule in Deutschland, die auf Partnerschaften zum Aufbau von Deutschen Schulen im Ausland spezialisiert ist, soll dabei helfen. Das deutsche Auslandsschulgesetz biete die Möglichkeit, nach drei Jahren eine Anerkennung in Deutschland zu beantragen und damit Lehrkräfte aus Deutschland, die vom deutschen Staat bezahlt werden, zu bekommen.

Träger der Schule soll die „Dietrich von Hermannsthal“-Stiftung werden. Charlotte-Dietrich von Hermannsthal (1834-1916) war Vorsitzende des Allgemeinen Evangelischen Frauenvereins. Die zu ihrem Gedächtnis gegründete Stiftung wurde im Kommunismus aufgelöst und 1999 von der evangelischen Kirchengemeinde A. B. Hermannstadt für soziale und Bildungszwecke wiedergegründet. Die Initiative, die Schule nach dieser Persönlichkeit zu benennen, sei, so Kielhorn, von Stadtpfarrer Kilian Dörr ausgegangen, der zugleich Stiftungspräsident ist.                                   Werner FINK

 

Jens Kielhorn bei der Präsentation.                                

Foto: der Verfasser

 

 

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