„Ich bin sehr glücklich, dass ich hier lebe!“

Ausgabe Nr. 2467
 

Gespräch mit Dr. Hans Klein, Vorsitzender des DFDH

 

Dr. Hans Klein, Vorsitzender des Demokratischen Forums der Deutschen in Hermannstadt (DFDH) entstammt einer Lehrerfamilie und feiert demnächst seinen 75. Geburtstag. Er ist in Dobring im Unterwald zur Schule gegangen und weil es dort keine deutschen Klassen gab, hatte er drei Jahre lang Unterricht in rumänischer Sprache. Danach hat Hans Klein in Petersdorf gewohnt und ist anschließend in Mühlbach aufs Lyzeum gegangen. Das Abitur folgte dann an der Brukenthalschule. Weil sein Vater meinte, man müsse auch ein Handwerk beherrschen, war er ein Jahr lang Tischlerlehrling. Es folgte das Theologiestudium, 1972 promovierte Hans Klein in Biblischer Theologie und begann schon im gleichen Jahr seine Lehrtätigkeit als Dozent und dann Professor an der Evangelischen Theologischen Fakultät in Hermannstadt. Erwähnt werden muss auch der Einsatz als Stadtpfarrer (1993-1998) und die Mitgliedschaft im Stadtrat (1992 bis 2011) als Vertreter des DFDH.

Mit Hans Klein sprachen Dana Forsea (Reps), Rosina Găiescu und Rodica Ghiţoc (Kronstadt) sowie Hugo-Alexander Frohn (Hermannstadt–Deutschland), koordiniert von Bianke Grecu (Hermannstadt).

 

2015 haben wir den 25. Siebenbürgischen Lehrertag begangen, den Sie gleich nach der Wende wieder ins Leben gerufen haben und…

Weiß man, dass es meine Initiative war?

Wir haben es erfahren. Welches waren damals Ihre konkreten Erwartungen?

Die waren nicht sehr groß: Ich habe gemeint, dass man miteinander sprechen muss, dass man sich austauschen soll, was für alle eine Bereicherung ist.

Kam es anders?

Nein: Man regt sich gegenseitig an.

Gab es damals einen konkreten Anlass für den Neubeginn?

Natürlich! Es gab den Kirchentag, der jedes oder zumindest jedes zweite Jahr stattfand, der dann aber eingeschlafen ist. Der Lehrertag wird aber weiter leben, weil die Lehrer dahinter stehen. Wie man so sagt: Es fallen viele Eicheln vom Baum, bis eine aufgeht. Der Lehrertag ist so eine Eichel, die aufgegangen ist.

Die Förderung der deutschen Sprache ist ein Dauerthema – kann sich das Demokratische Forum der Deutschen in Hermannstadt da implizieren?

Wir sind sehr dankbar, dass die Schulen diese Aufgabe übernehmen und wir es ihnen überlassen können. Sie sind ein erwachsenes Kind mit großer Tradition. In den Schulen weiß man, wie man mit Kindern umgehen muss und wie man Sprachförderung betreibt. Das kann man nicht mehr wie vor vielen hundert Jahren machen: Im Jahr 1593 stand zum Beispiel im Schulrecht von Deutsch-Kreuz, man solle den Schülern das Deutschreden verbieten, d.h. sie mussten auch in der Pause Latein sprechen. Das könnte man heute nicht mehr durchsetzen! Ich möchte noch diesbezüglich erwähnen, dass das DFDH bewusst auf Sprachkurse verzichtet hat, weil das Deutsche Kulturzentrum diesen Bereich übernommen hat.

Andererseits sind wir sehr dankbar, dass sich vor allem Herr Martin Bottesch dafür eingesetzt hat, dass deutschsprachige Lehrer aus Deutschland finanziell unterstützt werden. Das DFDH hat es auch in einem Jahr versucht, aber wegen Gesetzesänderungen ist es leider nicht mehr möglich.

Gibt es eine Zusammenarbeit zwischen dem Hermannstädter Forum und den deutschen Schulen?

Erstmal möchte ich erwähnen, dass der Schulleiter der Brukenthalschule, Herr Gerold Hermann, im Vorstand des Forums ist. Dass wir das Thema „Schule“ zum Ausgangspunkt des Treffens am Huet-Platz gemacht haben, ist sicher auch als Signal zu verstehen. Wenn jemand von einer deutschen Schule zu uns kommt und Hilfe braucht, dann haben wir für ihn immer ein offenes Ohr. Das Maifest ist auch ein gutes Beispiel für Kooperation, daran haben in diesem Jahr rund 700 Schülerinnen und Schüler teilgenommen.

Ich hoffe, dass bei den Wahlen 2016 wieder mehrere Lehrer in den Stadtrat gewählt werden.

Warum gerade aus dem Lehramt?

Weil Lehrer die größten Idealisten sind, die ich kenne. Wer in der Arbeit mit Kindern nicht idealistisch ist, kommt nicht an. Wer es nur für Geld macht, kann Kinder nicht erziehen, das ist nicht möglich. Ich bewundere die Lehrer sehr.

Für die Roma-Minderheit gibt es seit einigen Jahren Sonderplätze bei der Aufnahme in die 9. Klasse und an die Universität. Setzt sich das DFDH dementsprechend auch für die Angehörigen der deutschen Minderheit ein?

Ich denke nicht, dass es solche Plätze geben sollte. Eine Minderheit ist deswegen eine Kraft, weil sie als Minderheit ihre geistigen Eigenheiten fördert. Die Situation der Roma ist nicht vergleichbar, man hat sie nie an der Verantwortung teilhaben lassen, was sie geprägt hat. Wir haben jahrhundertelang ein gutes Schulsystem gehabt. Unsere Kinder haben gelernt, Verantwortung zu übernehmen. Ich glaube nicht, dass man sie auf Grund von Sonderregelungen in eine bestimmte Schule einschreiben sollte.

Das DFDH verwaltet einen eigenen Kindergarten. Gibt es dort eine bevorzugte Behandlung für die Kinder der deutschen Minderheit?

Ja, Kinder der deutschen Minderheit werden prioritär aufgenommen und Kinder der Forumsmitglieder zahlen nur die Hälfte des Beitrages. Insgesamt haben wir Plätze für 54 Kinder, von denen 6-8 aus deutschsprachigen Familien stammen.

Die evangelische Kirche A.B. in Rumänien hat 2015 zum „Jahr der Bildung“ erklärt. Als Theologe und Dozent an der Lucian-Blaga-Universität: Wie sehen Sie die Zusammenarbeit zwischen den deutschen Schulen und der Kirche?

Sie könnte besser sein. Es fängt damit an, dass unsere Pfarrer nicht sehr gern Religionsunterricht geben. Viele Pfarrer sind nach der Wende eingesprungen, aber inzwischen sind fast alle weg aus der Schule. Das hängt auch damit zusammen, dass die Pfarrer sehr viel mit der Administration ihrer Gemeinden zu tun haben. Wenn man eine Gemeinde zu betreuen hat, dann bleibt nicht mehr viel Kraft für den Lehrbetrieb.

Es gibt Eltern, die absichtlich auf den Religionsunterricht für ihre Kinder verzichten. Was denken Sie darüber?

Wenn man den Religionsunterricht besuchen soll, dann sollte man das nicht ungern tun. Es hat etwas mit dem Herzen zu tun. Wenn das Herz nicht dabei ist und wenn man immer nur auf das Ende der Stunde wartet, kommt nicht viel dabei heraus. Ich glaube, dass man sich etwas mehr anstrengen könnte, vielleicht auch etwas besseren Religionsunterricht geben. Dann kämen die Kinder vielleicht lieber. Ich halte das für möglich.

Wie beurteilen Sie die Tatsache, dass orthodoxe Schüler den evangelischen Religionsunterricht wählen?

Normalerweise ist in der Grundschule nur die Liebe zu Jesus ein Thema, was für alle Kinder gleich gut ist. Ich denke, dass es nicht schlecht ist, wenn Schüler höherer Klassen merken, dass die Art, wie wir unser Gottesverhältnis verstehen, ein wenig zeitgemäßer ist.

Sie sind derjenige, der Herrn Klaus Johannis im Jahr 2000 als Kandidaten für die Bürgermeisterwahlen vorgeschlagen hat. Wie wir alle wissen, ist Herr Johannis nun Präsident. Sind Sie der Meinung, dass Herr Johannis etwas bewegen kann, um unser Schulsystem von Grund auf zu verändern?

Ich habe nicht direkt ihn vorgeschlagen. Es wird so erzählt, aber ich habe nur gesagt: „Wir müssen einen Kandidaten für das Bürgermeisteramt aufstellen.“

Nicht alles, was Herr Johannis macht, wird an die große Glocke gehängt. Nicht, weil er etwas im Geheimen tut, sondern weil nicht alles in die Medien gehört, wo man die Sache schnell zerredet. Herr Johannis hat zwei große Prioritäten: das Schulwesen und den Gesundheitsbereich.

Herr Johannis hat einmal erklärt, dass die Perspektiven des Schulsystems sehr gut seien. Man darf nicht vergessen, dass er ausschließlich im Schulbereich tätig war, bevor er Bürgermeister wurde.

Wie sehen Sie die Zukunft des deutschsprachigen Schulwesens in Rumänien?

Wenn wir die Krise überstehen, die sich augenblicklich ankündigt, weil keine Lehrer nachkommen, dann hat es eine große Zukunft. Es gibt immer mehr Leute, die Deutsch lernen wollen, mehr als wir aufnehmen können. Das Interesse an der deutschen Sprache ist groß. Wenn es uns gelingt, neue Kräfte für die Schulen zu gewinnen, dann sehe ich kein Problem. Wenn die Gehälter steigen, dann überlegt sich dieser oder jener vielleicht doch noch, Lehrer zu werden. Ein weiteres Problem ist allerdings, dass die Eltern im Hinblick auf die Lehrer immer anspruchsvoller werden und dass der Lehrerberuf manchen Neueinsteigern dadurch vergällt wird.

Wir danken für das Gespräch.

 

Die Lehrerinnen Bianke Grecu, Dana Forsea, Rosina Găiescu und Rodica Ghiţoc mit ihrem Gesprächspartner Hans Klein im Sitzungsraum des DFDH (v. l. n. r.).

Foto: Hugo-Alexander FROHN

 

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