„…was mit Hilfe des Computers zu lösen ist…“

Ausgabe Nr. 2464
 

Gespräch mit Dr. Radu Creţulescu, Leiter des ZfL Mediasch

 

In seinem beruflichen Werdegang war Radu Creţulescu erst in der Grundschule tätig, dann Mathematiklehrer am Gymnasium und im Lyzeum. Zurzeit unterrichtet er Web-Technologien an der Hermannstädter Lucian-Blaga-Universität.

Mit Radu Creţulescu sprachen: Monica Degan (Klausenburg), Adriana Dimitriu (Kronstadt), Cristina Drescan (Sächsisch-Regen), Alma Egri (Hermannstadt), Diana-Sanda Făieran und Mihaela Andra Filip (Deva) und Monika Farkas (Ungarn), koordiniert von Teodora Gălbinuşi (Hermannstadt).

   Als Lehrer fragen wir: Weshalb sind Sie denn Lehrer geworden?

Ich bin ausgebildeter Grundschullehrer, Pädaabsolvent Jahrgang 1986. Ich wollte gar nicht Lehrer werden, aber meine Eltern sagten: „Geh zum Päda! Dann hast du einen Beruf.“ Der Achtklässler hat folgen müssen… Nach dem Päda hat es mir immer mehr Spaß gemacht. Mittlerweile denke ich, dass es der richtige Beruf für mich ist… Zusätzlich habe ich Mathematik und Informatik studiert und jetzt arbeite ich an der Uni, wo alles anders läuft – trotzdem unterrichte ich gerne.

Welche Zielsetzungen hatten Sie, als Sie die Leitung des Zentrums für Lehrerfortbildung in deutscher Sprache (ZfL) übernommen haben?

Das hat vor knapp zehn Jahren begonnen: Es ging mir darum, dass das Zentrum in angemessenen Räumen untergebracht ist und über eine entsprechende Ausstattung verfügt. Der Anfang war nicht leicht, aber wir haben es letzten Endes geschafft und haben seit etwa sieben Jahren, auch wenn wir nicht über eigene Räume verfügen, sehr gute Arbeitsbedingungen. 2006 sind wir zum Beispiel noch zum deutschen Fachberater gepilgert und haben um Kopierpapier und Toner gebettelt. Heute steht uns vom Bildungsministerium ein Budget zu, das wir verantwortungsvoll und gewinnbringend verwalten.

Ein weiteres Ziel ist für mich die Weiterentwicklung des Fortbildungsangebotes, das laufend hinterfragt und aktualisiert wird. Die Prioritäten des ZfL-Teams wurden im Rahmen eines begleiteten Organisationsentwicklungsprozesses der Jahre 2007-2009 formuliert und in einem Leitbild festgehalten. Ich würde gerne einen kurzen Abschnitt daraus vorlesen: „Das Ziel des ZfL ist es, die Qualität des deutschsprachigen Unterrichts durch Fortbildung zu fördern. Dabei verfolgen wir zwei Richtungen: die Unterstützung und Begleitung einer zeitgemäßen pädagogischen Arbeit in deutschsprachigen Kindergärten und Schulen auf der Grundlage des rumänischen Unterrichtsgesetzes und der bestehenden Lehrpläne einerseits und die Pflege der deutschen Sprache und Kultur andererseits.

Wir legen besonderen Wert auf: eine qualitativ gute Fortbildungsarbeit, die sich an moderner Unterrichtsgestaltung orientiert. Dazu gehört für die Mitarbeiter des ZfL unter anderem die eigene regelmäßige Fortbildung; eine lebendige Begegnung mit der deutschen Sprache und Kultur durch ein vielfältiges Fortbildungsangebot mit Referenten aus dem In- und Ausland; einen Umgang miteinander, der von Achtung und Toleranz bestimmt ist. Wir vertrauen auf die Bildungsinteressen und die Entwicklungspotentiale, die Menschen mitbringen. Dabei sollen insbesondere das Selbstvertrauen, der Mut zur Veränderung und die Bereitschaft zur Eigenverantwortung gestärkt werden.“

Welche Fortbildungen sind am besten besucht?

Im Schuljahr 2014-2015 gab es die meisten Teilnehmer (481) im Deutschbereich, wo wir mit zwei Referentinnen des ZfL und in Zusammenarbeit mit den Fachberatungen in Temeswar, Hermannstadt und Bukarest die meisten Angebote haben. Auch die Seminare für Kindergarten und Grundschule sind sehr gut besucht. Im Schuljahr 2014/2015 hatten wir insgesamt 1169 Teilnehmer an Fortbildungen. Es lohnt sich, einen Blick auf unsere Statistik zu werfen (www.zfl.ro).

Welche Aufgaben übernehmen Sie als Leiter in der konkreten Vorbereitung der Fortbildungen?

Die Inhalte der Fortbildungen bestimmen unsere Referenten jedes Jahr bis Mitte April für das kommende Schuljahr, da bis Ende März die Fragebögen mit den Wünschen der Lehrer betreffend Thematik der Seminare ausgewertet werden. Gerne berücksichtigen wir auch Wünsche bezüglich schulinterner Fortbildungen. Als Leiter ist dabei meine Aufgabe, die Ressourcen für ein optimales Funktionieren des ZfL zu sichern und die Fähigkeiten der Team-Mitglieder zu kennen und bestmöglich einzusetzen. Vor allem ist aber das, was mit Hilfe des Computers zu lösen ist, mein Aufgabenbereich: in erster Linie die Wartung unserer Webseite, die Grundlage für die seminargebundene Kommunikation mit den Lehrern und für unsere Fortbildungsdatenbank ist. Ebenso das Erstellen und Drucken des Programmheftes und das Drucken unserer Zeitschrift.

Wie wird sich die Politik des ZfL in Zukunft ändern, wenn die finanzielle Unterstützung der Lehrkräfte von der Teilnahme an Fortbildungen bedingt wird?

Unser Jahresprogramm besteht aus fast 100 Angeboten, was den Bedarf an Fortbildungen deckt. Wir denken jedoch darüber nach, wie wir vermehrt kürzere Veranstaltungen anbieten könnten, damit Lehrer öfter an Fortbildungen teilnehmen und auch diejenigen, die familiär gebunden sind, eine Option haben.

Den nötigen Spielraum dazu haben wir, denn mit den finanziellen Mitteln, die uns als staatliche Einrichtung vom Bildungsministerium zur Verfügung stehen, können wir die Kosten für Fortbildungsreisen unserer Referenten decken. Für regionale und zentrale Veranstaltungen beantragen wir über unseren 2014 gegründeten Verein, Asociaţia CFCLG/ZFL, Projektmittel vom Institut für Auslandsbeziehungen Stuttgart und von der Donauschwäbischen Kulturstiftung des Landes Baden-Württemberg. Wir haben auch weitere Partner, die unsere Arbeit unterstützen.

Mit einer letzten Frage zurück zur Grundschule: Welches ist Ihre Meinung über den Einsatz von digitalen Lehrbüchern?

Obwohl ich Web-Technologien unterrichte und selber absoluter Computer-Fan bin, finde ich den Einsatz von digitalen Lehrbüchern in diesem Alter wenig sinnvoll. Ein Vorteil dieser Lehrbücher wäre, dass man Inhalte leicht ändern kann und dass man dadurch viele Wälder retten würde.

Ich bevorzuge es dennoch, ein Buch in der Hand zu halten, ich lese es leichter, als einen Text auf einem Tablet… Ich denke, nicht alle Eltern leisten sich die notwendige Technik, um digitale Bücher verwenden zu können. Außerdem hat ein Tablet nur eine Lebensdauer von ungefähr 3 Jahren. Die Kinder sollten erstmal lernen, mit Büchern umzugehen.

Wir danken für das Gespräch.

 

Cristina Drescan, Alma Egri, Mihaela Andra Filip, Diana-Sanda Faieran, Monika Farkas, Adriana Dimitriu und Monica Degan im Gespräch mit Radu Crețulescu (v. l. n. r.).                                 

Foto: Teodora GĂLBINUȘI

 

 

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