Bedrückendes Fazit für das Hochschulwesen

Ausgabe Nr. 2462
 

Befragung zur Korruption an Hochschulen in den EU-Mitgliedstaaten veröffentlicht

 

Der 9. Dezember war der Welttag gegen Korruption. Ein geeigneter Zeitpunkt also, einen Blick auf dieses Thema zu richten und zu prüfen, welche Schäden Korruption verursacht und wie diese vermieden werden können. In Rumänien verdeutlichen die Reaktionen auf das Unglück im Club Colectiv auch die enorme gesellschaftliche Relevanz, die große Hoffnung, die in den Kampf gegen Korruption gelegt wird. Der kontroverse Slogan „Korruption tötet!“ bringt diesen Sachverhalt zugespitzt auf den Punkt.

 Im Bildungsbereich förderte eine jüngst veröffentlichte YouGov-Umfrage vor diesem Hintergrund nun ein beunruhigendes Resultat zu Tage: Die akademische Korruption an europäischen Universitäten liege häufig auf einem ausgesprochen hohen Level. Vor den Schlusslichtern Spanien und Italien belegen die Hochschulen in Rumänien den drittletzten Platz des Rankings. Doch was zeichnet Korruption an Hochschulen konkret aus? Die Studie nutzt einen weiten Korruptionsbegriff, der nicht nur auf Universitätszulassungen und Notenvergaben, sondern auch auf wissenschaftliche Arbeiten sowie die Rekrutierung von wissenschaftlichem Personal gemünzt ist. Befragte wurden gebeten, die Häufigkeit anzugeben, in der sie mit einem der genannten Fälle in Berührung gekommen sind.

Im Ergebnis werden deutliche Unterschiede zwischen den untersuchten EU-Mitgliedstaaten sichtbar. Hochschulen in Großbritannien und Schweden sind demnach am wenigsten von Korruption durchsetzt, gefolgt von Frankreich, Polen und Ungarn. Zur augenscheinlichen Überraschung bundesdeutscher Medien rangiert Deutschland darauffolgend im Mittelfeld, abgeschlagen. Dass „selbst in Polen und Ungarn“, wie die FAZ schreibt, „weniger Fälle von Tricksereien an Unis“ auszumachen waren als in Deutschland, scheint die Autorin zu verwundern. In der Tat bestätigt die Studie, dass ein vermeintliches Ost-West-Gefälle, ein eindeutiges Muster, nicht besteht.

Es ist wichtig, auf die Folgen dieser Facette der Korruption hinzuweisen: Eine akademische Ausbildung erhöht die Chancen, in der Berufswelt eine Führungsposition zu übernehmen. Der Gesellschaft eines Landes sollte viel daran gelegen sein, diese Stellen durch die geeignetsten Personen zu besetzen. Durch Betrug und Korruption werden die tatsächlichen Fähigkeiten jedoch formal beschönigt und die Aussagekraft des Universitätsabschlusses, der Promotion verzerrt. Wie soll so sichergestellt werden, dass diejenigen eine Stelle erhalten, die diese am besten ausfüllen können?

Zu Recht verweist Auftraggeber und Finanzier der Studie, Dr. Paul Milata, darauf, dass Unternehmen vor dem Hintergrund hoher Korruption im akademischen Bereich intensivere Überprüfungen ihrer Bewerber durchführen müssen. Nur so könne deren Eignung zweifelsfrei festgestellt werden. Für den aus Her-
mannstadt stammenden Geschäftsführer der Beratungsfirma
Milata KG sind dies wichtige Erkenntnisse. Das Unternehmen hat sich auf Bewerberprüfungen, insbesondere in Mittel- und Osteuropa, fokussiert. Die nun nachgewiesene zunehmende Notwendigkeit dieser „Background Checks“ spielt dem Unternehmen in die Hände.

Die Pressemeldung zur genannten Studie kommt jedoch zu einem Schluss, der aus den vorliegenden Daten nicht ablesbar ist: Die Korruption an Hochschulen der EU-Mitgliedstaaten erreiche ein „alarmierendes Niveau“. Tatsächlich liegt die Stärke der Studie aber in den relativen Aussagen, die sie trifft: Rumänien befindet sich im europäischen Vergleich vor Italien und Spanien, aber im unteren Drittel der untersuchten Ländergruppe. Eine absolute Aussage, anhand derer solche Ergebnisse als „alarmierend“ bezeichnet werden könnten, liefert sie jedoch nicht. Vielmehr prüft sie, in welchen Ländern wie viele Personen mit Korruption in Berührung gekommen sind und setzt diese Zahlen in Beziehung. Die Frage bleibt offen: Ab welcher Anzahl sind diese Zahlen hoch, wann „alarmierend“? Auch eine vergleichsweise geringe Korruption sollte Anlass zur Sorge geben, auch in Großbritannien, auch in Schweden.

Zweifelsohne bedeutet dieses Ergebnis für Rumänien aber, dass auch der Bereich der akademischen Bildung nicht vor Betrug und Veruntreuung gefeit ist. Aufschlussreich sind bei der Untersuchung der Korruption an rumänischen Universitäten die Erhebungen von Transparency International aus dem Jahr 2013. Zum einen zeigen diese Studien, dass häufig die Vergabe von Wohnheimplätzen durch Geschenke oder Zahlungen beeinflusst wurden. Zum anderen lobt die Organisation die öffentlich sichtbaren Rankings der Hochschulverwaltungen, die sich die Universitäten freiwillig auferlegt haben. Auch die Zivilgesellschaft, zunehmend in der jüngeren Vergangenheit, etabliert informelle Kontrollmechanismen: Exemplarisch sei auf die Plattform piatadespaga.ro verwiesen, die Fälle von Korruption auf Landkarten dokumentiert. Interessante Zusatzleistung: Die Website hält auch die Höhe der gezahlten Beträge und die Zufriedenheit mit den erkauften Leistungen fest. Ein auf diese Weise entstehender Preisdruck sowie ein höheres Maß an Transparenz sind im Sinne der Homepagebetreiber.

Solche Nachrichten stimmen positiv, auch wenn tatsächliche Probleme weiterhin bestehen. Ein Anfang ist dennoch gemacht: Hoffentlich finden solche Entwicklungen bald nicht nur in Rankings, sondern auch in der steigenden Chancengleichheit der Hochschulabsolventen Ausdruck.              Jonas BORNEMANN

 

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