Ein Wochenende im Zeichen des Jazz

Ausgabe Nr. 2457
 

Zweite Auflage des Mozaic Jazz Festivals in Hermannstadt

 

Ein kleines aber feines Festival für alle Jazzliebhaber – das war das Mozaic Jazz Festival, das am vergangenen Wochenende Menschen jeden Alters nach Hermannstadt zog. Mit fünf Musikgruppen an drei Abenden war das Festival recht überschaubar. Umso mehr Raum bot sich den einzelnen Musikern, ihre Virtuosität unter Beweis zu stellen.

 Dem Ambrose Akinmusire Quartett gelang es, diesen Freiraum auf eindrucksvolle Weise zu nutzen: Ambrose Akinmusire, der kalifornische Musiker und Namensgeber der Gruppe, überzeugte auf ganzer Linie durch die aufsehenerregende Vielseitigkeit seiner Stücke. Von infernaler Lautstärke bis zum fast kläglichen Jammern erzeugte der junge Trompeter Faszination und Erstaunen im Publikum. Die Musik des Quartetts zeichnete sich vor allem durch aufregende Tempo- und Taktwechsel aus, die von Schlagzeuger Justin Brown viel abverlangten. Das Quartett bewies zugleich jedoch auch ein großes Talent für ruhige, kontemplative Stücke, die mit vielen klanglichen Raffinessen und im Zusammenspiel mit den solistischen Trompetenläufen eine einmalige Stimmung erzeugten.

Ein weiterer Höhepunkt, ein weiteres Element des Mosaiks, war der Auftritt des prominenten Kontrabassisten Miroslav Vitouš. Der vielfach ausgezeichnete Tscheche wurde durch Emil Viklicky am Piano begleitet. Die Musik des Duos griff wiederholt harmonische Läufe auf, die es im Anschluss verfremdete und umdeutete. Auf diese Weise konnten die Zuschauer Zeugen einer musikalischen Transformation werden: Einprägsame und anmutende Melodien nahmen in den Improvisationen des Duos neue Gestalt an, waren gespickt mit offenen Harmonien der Jazzmusik. Beide Musiker ließen sich die Möglichkeit zudem nicht nehmen, solistisch zu brillieren. Emil Viklicky, der neben den Einflüssen des Jazz auch auf Klänge der mährischen Volksmusik zurückgriff, überzeugte zum einen durch die spannende Verbindung dieser unterschiedlichen Stile, zum anderen durch seinen Einfallsreichtum in der Improvisation. Dem gegenüber bewies Miroslav Vitouš, dass er vor allem in technischer Hinsicht am Kontrabass ein Musiker von europäischem Rang ist.

Während das Konzert des Tigran Hamasyan Trios am Samstag aufgrund der Terroranschläge in Paris ausfallen musste, begeisterte vor allem die niederländische Band The Ploctones am Sonntag das Publikum. Die Stücke der vier Musiker entluden eine unbändige Energie, die keiner Genreunterscheidung standzuhalten vermochte: Einflüsse der Jazzmusik, eingebettet in Rockklänge und Blues. Einige Stücke klingen fast nach Funk oder Punk – jede musikalische Idee wird in ein Stück gegossen. Das Ergebnis ist in jedem Fall ein Experiment, für Musiker und Zuhörer gleichermaßen spannend. Die treibende Kraft hinter The Ploctones, der bekannte Gitarrist und Komponist Anton Goudsmit, erzeugte mit seinem oft rocknahen Gitarrenklang eine moderne Einfärbung des Jazz, die in Hermannstadt auf große Begeisterung stieß.

Die Veranstalter des Mozaic Jazz Festival sprachen ihren Dank auch den vielen Helfern und Unterstützern aus, die bei dem kurzfristigen Veranstaltungsortswechsel geholfen hatten. Der ursprüngliche Saal im Haus der Kultur der Gewerkschaft war kurzfristig aufgrund unzureichender Brandschutzmaßnahmen geschlossen worden.

Selbst unter diesem Vorzeichen zeigt sich einmal mehr, dass Hermannstadt als Treffpunkt für Jazzmusik über die Grenzen Rumäniens hinaus einen ausgezeichneten Ruf genießt. Veranstaltungen wie das Mosaic Jazz Festival tragen zu diesem Image bei und machen Lust auf weitere Wochenenden voll erstklassiger Musik.

Jonas BORNEMANN

 

Foto 1: Der junge kalifornische Trompeter Ambrose Akinmusire faszinierte und überzeugte das Publikum.                                                                

Foto 2: Das krönende Abschlusskonzert bot am Sonntag Abend das niederländische Quartett The Ploctones: (v. l. n. r.) Martijn Vink (Schlagzeug), Efraim Trujillo (Saxophon), Jeroen Vierdag (Bass) und Anton Goudsmit (Gitarre).                            

Fotos: Fred NUSS

 

 

 

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