Ein Dach über dem Kopf

Ausgabe Nr. 2458
 

Containerdorf in Kleinblasendorf eingeweiht

Unrühmliche Bekanntheit hat die Gemeinde Kleinblasendorf/Blăjel in der Nähe von Mediasch erlangt: In improvisierten Holzverschlägen und Erdlöchern hausten Menschen fernab des Dorfes. Das Jugendrotkreuz (JRK) Burgenland hat nun eine Containersiedlung eröffnet, die gegen die Kälte des Winters aber auch vor Verwahrlosung schützen soll.

 Die Verschläge, in denen die Familien lebten, boten kaum Schutz vor Wind und Wetter, Kälte und Nässe. Sie waren vielmehr Sinnbild einer erschütternden Armut der dort lebenden Roma-Familien.

Für Erwin Deutsch, Landesschulinspektor und Leiter des Jugendrotkreuzes (JRK) im Burgenland war dies ein erschütternder Zustand. „Eine solche Armut habe ich in der EU für unmöglich gehalten“, sagte er mit Hinblick auf die improvisierten Unterkünfte aus Ästen und Planen.

Das JRK setzt sich im Rahmen des Projektes „Ein Bett für Kinder“ für die Verbesserung der Wohnverhältnisse in Rumänien ein. Vor gut einem Jahr erfuhren die JRK-Mitarbeiter von den Zuständen in Kleinblasendorf und entschieden, den Familien zumindest eine rudimentäre aber warme Unterkunft für den Winter zu ermöglichen. Nachdem ein Arial zu diesem Zweck bestimmt und begradigt wurde, stellten die Unterstützer acht Container zur Verfügung, die als semimobile Wohnungen ausgebaut wurden. Mehrere Familien finden in diesen Unterbringungen Platz, die durch Holzöfen insbesondere in den Wintermonaten entsprechend beheizbar sind.

Seitens der Gemeinde ließ Bürgermeister Toader Roman mitteilen, er sei für die Unterstützung sehr dankbar, denn die Kommunalverwaltung habe nicht vermocht, ihren Bürgern entsprechende Einrichtungen zur Verfügung zu stellen. Bis vor kurzem waren die dort lebenden Personen nicht registriert. Mit der Initiative des burgenländischen JRK hat sich das geändert: Die Gemeinde schaut stolz auf die Containersiedlung und sucht nun den Kontakt zu den dort lebenden Bürgern.

Das JRK hat den Bau der Siedlung zugleich an eine zentrale Bedingung geknüpft: Die Kinder der Familien werden aufgefordert, die Schuleinrichtungen im Dorf zu besuchen. „Bildung“, so Erwin Deutsch, „ist der Schlüssel, um aus dem Teufelskreis auszubrechen.“ Ein Mindestmaß an Geborgenheit und Wärme vor und nach dem Schulunterricht ist dafür eine notwendige Voraussetzung. Die neue Siedlung liegt zwar nach wie vor etwa zwanzig Fußminuten von der Schule des Dorfes entfernt, die Kinder erhalten hier jedoch eine intensive Betreuung, dies ebenfalls in neuerrichteten Containern.

Das nachhaltige Gelingen des Projektes wird sich am Erfolg der Bildungsarbeit mit den Kindern messen lassen müssen: Die Unterbringung in einem lebenswürdigen Umfeld ist daher der erste Schritt. Die feste Versorgung mit Wasser- und Sanitäreinrichtung wird folgen, auch die Betreuung der Siedlung durch Sozialarbeiter ist von entscheidender Bedeutung. Die entschlossene und schnelle Unterstützung durch das burgenländische JRK legte hier den Grundstein. Auch das Unternehmen Energie Burgenland AG hat durch die Bereitstellung von Transportkapazitäten zum erfolgreichen Abschluss der ersten Phase des Projektes beigetragen. Ein Dank gilt allen Unterstützern, vor Ort aber auch im Burgenland, die nun gespannt die weitere Entwicklung der Menschen begleiten werden, denen die Container eine winterfeste Unterkunft bietet.          

Jonas BORNEMANN

 

Erwin Deutsch (2. v. r.) beim Durchschneiden der Schleife.

Foto: der Verfasser

In diesen Erdbehausungen haben die Roma bisher gelebt.

Foto: adevărul.ro

 

 

 

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