Etwas sehr Besonderes

Ausgabe Nr. 2453
 

Richtfest in der Kirchenburg Großau

 

Der Tisch des Pfarrhauses in Großau ist an diesem Tag reich gedeckt. Aus gutem Grund, denn es wird gefeiert. Scherben und Wein haben zuvor nach altem Brauch das Richtfest zur Fertigstellung eines Dachstuhlkomplexes des Wehrgangs der hiesigen Kirchenburg eröffnet. Für zehn Auszubildende der Theodor-Frey-Schule in Eberbach bedeutet diese Tradition neben dem erfolgreichen Abschluss ihres Arbeitsauftrages in Siebenbürgen vor allem eins: Feierabend.

 Die Wehranlage, die im 15. Jahrhundert errichtet wurde, diente dem Schutz der Einwohner und der Kirche des Ortes. Große Teile der Galerie, die den Verteidigungsring zierte, sind jedoch im Laufe der Zeit verfallen.

Vor zwei Jahren haben die Zimmerer der Theodor-Frey-Schule diesen Verfall zum Anlass genommen, ihr Handwerk in Siebenbürgen auf besondere Weise zu perfektionieren: Durch die Unterstützung des Erasmus+ Bildungsprogramms für lebenslanges Lernen sowie die Zusammenarbeit mit dem Bezirkskonsistorium Hermannstadt der Evangelischen Kirche A. B. in Rumänien konnten insgesamt 25 Auszubildende ihre Fertigkeiten an den Kirchenburgen in Birthälm, Pretai, Dobring und Großau schulen und anwenden.

Neben der Rekonstruktion des Wehrgangs erbauten die Auszubildenden auch einen überdachten Aufgang zum Schulturm. Auf diese Weise wurde die Kirchenburg in Großau zum Laboratorium der jungen Zimmerer, alte Techniken anzuwenden, die – so berichten die Teilnehmer – in Deutschland kaum Anwendung finden können.

Für die Auszubildenden war im Besonderen die Verbindung von Altem und Neuem reizvoll: Neben anderen Kirchenburgen und alten Scheunen dienten die Bauten des ASTRA-Freilichtmuseums im Jungen Wald als Inspiration und Vorbild für die Konstruktionen in Großau. Einige Teilnehmer nahmen bereits das zweite Mal im Rahmen dieses Projektes teil. Es sei etwas sehr Besonderes, in Rumänien an einer Kirchenburg arbeiten zu können. Das Land, die Herzlichkeit der Gastgeber und das historische Ambiente finde man in Deutschland kaum.

Auch die Projektleiter Professor Manfred Gerner und Fabian Fahr waren mit den Ergebnissen der Arbeit zufrieden. Sie werden sich in der kommenden Zeit um eine Verlängerung des Projektes bemühen, so dass weiteren Auszubildenden die Chance zuteil wird, traditionelle Bauweisen in ihre Berufsausbildung zu integrieren. Der Abschluss eines erfolgreichen Projektes soll, so ist es ebenfalls Brauch, ein zünftiges Abschlussfest sein. Hochachtung für die geleistete Arbeit und Stolz, das Werk übergeben zu können, lassen die Feier positiv in Erinnerung bleiben.

Jonas BORNEMANN

 

Auszubildende beim Gruppenfoto (v. l. n. r.): Eric Friedrich, Luca Westermann, Nina Schäfer, Julian Baum, Felix Dellinger, Benjamin Bies, Manuel Kunz und Jan Hermes.                                               

Foto: Fabian FAHR

 

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