„Spannend und tiefsinnig“

Ausgabe Nr. 2435
 

Elena Dumitrescu-Nentwig las im Erasmus-Büchercafé

 

„Zum Blättern"/„De răsfoit". Unter diesem Titel hat Elena Dumitrescu-Nentwig das zweite Buch ihrer spät aber erfolgreich begonnenen Schriftstellerkarriere im Klausenburger Limes-Verlag veröffentlicht, in zwei Sprachen: Rumänisch und Deutsch. Die Anmerkung „Schriftstellerkarriere“ ist wichtig, da die Autorin mit ihrem ersten Karriereweg auch äußerst erfolgreich wurde. Nämlich als Opernsängerin.

 

Geboren in Brăila, erhält die Künstlerin  nach ihrem Studium an dem Bukarester Konservatorium und sechs Jahren an der Jassyer Oper Anfang der siebziger Jahre einen Auftrag in der Bundesrepublik Deutschland: 1971 tritt sie am Badischen Staatstheater Karlsruhe in der Rolle der Nachtigall in Braunfels’ wohlbekannter Oper „Die Vögel" erstmals vor dem deutschen Publikum auf. Die Chance, die die Sopranistin voller Freude annimmt, ist für sie zukunftsbestimmend, da sich ab dem Zeitpunkt für sie die Tore der großen Opernwelt eröffnen und es werden die Weichen gestellt für eine Laufbahn, der es an großen Rollen nicht mangelte. 1971 trifft Elena Dumitrescu-Nentwig ihren zukünftigen Ehemann, den prominenten Bariton Franz Ferdinand Nentwig, mit dem sie auch heute abwechselnd in Lissabon und Hannover lebt.

2014 stellte die Autorin ihren ersten Roman vor, der an die Zeit des Kommunismus in ihrer Heimatstadt erinnert.Der Titel lautet sinnigerweise „Naufragiații din Brăila (Die Schiffbrüchigen aus Brăila). Knapp ein Jahr später wird es Zeit für ein sehr humorvolles Märchen- und Erzählungsbuch für Kinder.

Die ganz moderne Annäherung an die Themen des Buches führen sowohl jung als auch alt in die Welt der magischen Kindheit, in der sich Hühner zum Thema Schönheit streiten, die weiße Plüschkuh von Florian schwarze Flecken hat und auch noch fliegen kann, die Oma fleißig Fußball spielen lernt, damit es ihr gelingt, wie Neuer das Tor „sauber zu halten”. Dazu besuchen griechische Götter Sophie, Nucu, der Junge aus Rumänien fragt Gott, wo sich alle Engel aufhalten, der Bär verliert seinen Schwanz und löst deswegen die Freundschaft mit dem Fuchs auf, und die Zwillinge Blondlocke und Rosamunde besiegen die Hexe Schwefelbrandundfluch. Eine ganze Clique Freunde versammeln sich in Elena Dumitrescu-Nentwigs Büchlein, verlassen die Zeilen und erobern den Leser, um ihn in die verschiedensten Welten zu entführen.

Am Montag, dem 8. Juni, stellte Elena Dumitrescu-Nentwig ihr neuestes Buch, herausgegeben beim Limes Verlag im Erasmus-Büchercafé in Hermannstadt vor und las auch zwei Geschichten daraus. Die Veranstaltung moderierte die HZ-Chefredakteurin Beatrice Ungar, von der die Autorin schwärmte, sie versprühe eine „Energie, mit der ich mich auf den ersten Blick identifiziert habe“.

Beatrice Ungar stellte das Buch als Lektüre „mit überraschender Frische“ vor und stellte fest: „Jede Geschichte ist einzigartig und nach jeder Geschichte ist man gespannt auf die nächste“.

Ioan Hollender, der beliebte  internationale Opernsänger und -direktor, ebenfalls rumänischer Herkunft, empfiehlt den Erzählungsband jedem, der „spannende, tiefsinnige und wunderbar märchenhafte Geschichte liebt“, „sehr herzlich“.

Die Illustrationen der Märchensammlung gestaltete die,  wie die Autorin aus Brăila stammende Architektin Raluca Pascu. Sie stellt die Fantasiegestalten absichtlich in einer einfachen, farbenfrohen, reinen Art und Weise dar.

Elena Dumitrescu-Nentwig beweist nicht nur durch ihre Texte, dass sie in einem tiefen Sinn noch das Kind ist, das sich diese Geschichten vorstellen würde, sondern auch im Alltag. Die Autorin verbreitet einfach Freude und positive Energie und regt dazu an, immer die kindliche Perspektive auf das Leben zu bewahren und den Erwachsenen, in den wir uns alle unweigerlich verwandeln, möglichst geheim zu halten!

Etwas verriet die ehemalige Opernsängerin noch: Sie arbeite derzeit an einem Buch über das Schicksal eines berühmten Roma-Geigers…

Monika TOMPOS

 

Elena Dumitrescu-Nentwig (sitzend) und HZ-Chefredakteurin Beatrice Ungar bei der Buchvorstellung.                                         

Foto: Fred NUSS

 

 

 

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