Neugierig und wissbegierig

Ausgabe Nr. 2430
 

Neues Buch von Hedwig Brenner erschienen

 

Auf  Menschen zugehen zu können ist eine Gabe, mit ihnen zu sprechen, von ihnen zu erfahren, eine Bereicherung des Lebens. Sich Jahrzehnte später an diese Begegnungen zu erinnern, eine Gnade! Hedwig Brenner, die Autorin des Buches „Begegnungen mit Menschen und Städten. 1919-2014", das vor kurzem im Hartung-Gorre Verlag Konstanz erschienen ist, durchstreifte Städte vor unendlich vielen Jahren, begegnete zufällig in Parks und auf Plätzen alten Bekannten oder Unbekannten, die zu Freunden wurden.

Die Schilderungen in diesem Buch sind nicht erfunden, erlebt und aufgeschrieben wurden sie von einer kommunikativen weltoffenen sechsundneunzigjährigen Dame, einer Czernowitzerin, eben Hedwig Brenner, wie bereits erwähnt. Geboren wurde die Schriftstellerin 1918 in der Bukowina, im deutschsprachigen Buchenland, das einst bis zum Ende des Ersten Weltkrieges zur Donaumonarchie gehörte, dann zum Königreich Rumänien kam, 1945 gar zur Sowjetunion und dessen nördlicher Teil mit Czernowitz seit 1990 zur Ukraine gehört.

In einer liberalen jüdischen Familie wuchs Hedwig Brenner auf, ließ sich von der Vielfalt der Kulturen in ihrer Heimatstadt inspirieren. Auch sie erlebte die Diskriminierung und Verfolgung der jüdischen Bevölkerung in der Nazizeit, kam ins Getto in Czernowitz, überlebte die Gräuel, verließ die Heimat und nahm die Erinnerungen mit. Erst vor dreißig Jahren ist sie in der dritten Heimat, im Heiligen Land Israel, angekommen.

Neugierig und wissbegierig ist Hedwig Brenner seit der Kindheit, wie sie selbst zugibt, beobachtet mit Verve. Diese Beobachtungen und Begegnungen erzählt sie uns in ihrem neunten Buch. Reisen war, nein, ist ihre Leidenschaft. Erst vor einigen Monaten besuchte sie Berlin, hatte Lesungen, traf auch hier wiederum Menschen, die irgendwann ihren Weg kreuzten  und neue kamen hinzu. So z. B. die HZ-Chefredakteurin Beatrice Ungar, die das Vorwort zu dem vorliegenden Buch verfasste.

Seinerzeit in Ploiești im rumänischen Erdölgebiet in den Jahren 1945 bis 1982 erlebte Hedwig Brenner so manches während der Ceaușescu-Diktatur. Reisen ins westliche Ausland, in „kapitalistische“ Länder, waren untersagt und somit eine Seltenheit. Hedwig Brenner eroberte das Herz des einen oder anderen, bekam einen Pass mit Stempel und reiste mit vier Dollar Taschengeld ins „feindliche“ Ausland zu Freunden und Verwandten nach London, Brüssel, Düsseldorf und anderswohin. Nur alleine durfte sie reisen, Ehemann und Söhne blieben als Pfand zuhause. Die kommunistische Regierung kontrollierte und reglementierte das Leben ihrer Bürger. Erst später, von Israel aus, besuchte das Ehepaar Brenner gemeinsam Land und Leute in Europa und Nordamerika. 

Bis ins Detail sind Hedwig Brenner diese Städte mit ihren Sehenswürdigkeiten und Schönheiten  gedanklich geblieben, die Namen der Menschen, der alten und neuen Freunde kramte sie aus der Gedankenschublade und schrieb sie in Haifa in Neve Sha’nan nieder.

Nehmen Sie teil an den vergangenen Erlebnissen und Begegnungen dieser alten Dame, lassen Sie sich verführen an Orte und durchstreifen sie mit ihr Städte, die heute anders aussehen als damals, seien Sie zu Gast bei Menschen, die Hedwig Brenner in ihren Erinnerungen schildert. Fantasie ist auch eine Gnade und eine Gabe!

Christel WOLLMANN-FIEDLER

 

Hedwig Brenner: Begegnungen mit Menschen und Städten. 1919-2014. Herausgegeben von Erhard Roy Wiehn, Hartung-Gorre Verlag Konstanz 2015, 158 Seiten, ISBN: 978-3-86628-524-8.

 

 

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