„Immer nur lächeln, niemals betrübt“

Ausgabe Nr. 2428
 

Streiflichter von den 25. Deutschen Literaturtagen in Reschitza

Immer nur lächeln, niemals betrübt!" Der Titel des Buches der rührigen Temeswarer Autorin Edith Guip-Cobilanschi, klingt wie eine Durchhalteparole für die Deutschen Literaturtage in Reschitza, die vom 17. bis 20. April d. J. zum 25. Mal stattgefunden haben, und bei denen u. a. auch dieses Buch vorgestellt worden ist. Aber was Erwin Josef Țigla, der Initiator, Organisator kurzum das Herz und die Seele der Veranstaltung hier geleistet hat und leistet, braucht wohl mehr als nur eine einfache Durchhalteparole. Ehrlich gesagt, kann sich meines Erachtens nur die/der eine Meinung von dieser Veranstaltung bilden, die/der zumindest einmal dabei gewesen ist. Keinesfalls unter dem bekannten Motto „Dabei sein ist alles". Schließlich geht es hier nicht um einen Wettkampf sondern um ein großzügiges Angebot an deutschsprachige Autorinnen und Autoren aus Rumänien und von überall, Begegnung und Austausch zu pflegen.

Ob sie dieses Angebot annehmen und wie sie Begegnung und Austausch gestalten, das überlässt der Gastgeber den Autorinnen und Autoren in gekonnter Weise. Er schafft die Bedingungen, lädt Publikum ein, bietet verschiedene Austragungsorte, sorgt für eine entspannte Atmosphäre. Was will man denn mehr?

In seiner Ansprache zur Begrüßung aller Teilnehmenden am Freitag, dem 17. April, im „Frédéric Ozanam"-Sozialzentrum Reschitza, sagte Erwin Josef Țigla u. a. : „Als im Juni 1991 die erste Auflage der 'Deutschen Literaturtage in Reschitza' organisiert wurde, dachte sich kaum jemand, dass wir gemeinsam die 25. Auflage erleben werden. Damals befand sich Reschitza nicht auf der literarischen Landkarte Rumäniens, obwohl einige hier geborene Autoren wie Anton Breitenhofer, Josef Puwak, Alexander Tietz oder Rolf Bossert bekannt waren. Heutzutage ist die Veranstaltung aus der Literaturlandschaft der Rumäniendeutschen kaum wegzudenken." Țigla stellte auch den philatelistischen Sonderbriefumschlag sowie den Sonderstempel, die anlässlich der 25. Auflage herausgegeben worden waren, vor, sowie die Sonderbeilage Nr. 91 der Reschitzaer Monatsschrift „Echo der Vortragsreihe“ und den Sonderkatalog „Bücher der Rumäniendeutschen – Rumäniendeutsche Bücher, 1990 – 2015“, der in diesem Jahr wieder mit direkter finanzieller Unterstützung des Demokratischen Forums der Deutschen in Rumänien, in vollem Umfang von 422 Seiten, mit 2.157 Buchtiteln erschienen ist. Im Vergleich zur Ausgabe 2014 sind in diesem Jahr neue 186 Titel hinzugekommen.

Zu den treuesten Teilnehmern gehören laut Țigla die eingangs erwähnte Temeswarerin Edith Guip-Cobilanschi, die  bei 22 Auflagen dabei war, Prof. Carol König vom Kulturministerium (18),  die Temeswarer Autorin Dr. Annemarie Podlipny-Hehn und der Hermannstädter Schriftsteller und Literaturwissenschaftler Joachim Wittstock (beide 17), die Kronstädter Schriftstellerin Dr. Carmen Elisabeth Puchianu (16).

Zum Auftakt der Veranstaltung gab es zwei Vernissagen. In der Galerie der Kulturdirektion Karasch-Severin zeigte Dorel T. Usvad (Temeswar/Wien) die Ausstellung „Eminescu in Wien" und im Ozanam-Sozialzentrum der Temeswarer Künstler Dumitru Popescu Gemälde. Die Ausstellungen stellte die aus Hermannstadt stammende Kunst- und Literaturkritikerin Dr. Ada Cruceanu-Chisăliţă vor, die seit mehr als 30 Jahren in Reschitza lebt.

Wie es sich für eine „Grande Dame" der rumänischen Literatur gehört, eröffnete Nora Iuga den Reigen der Lesungen mit ihrem autobiografischen Text „Ich hatte ein schönes Leben", der 2007 als Nachbemerkung zum Auswahlband aus ihrem poetischen Lebenswerk „Gefährliche Launen" (Aus dem Rumänischen von Ernest Wichner. Klett-Cotta, Stuttgart) erschienen ist. Nora Iuga weist in ihrem launischen Text u. a. darauf hin, dass ihre ethnische Herkunft nicht genau bestimmbar sei – sie habe einen ungarischen bzw. einen deutschen Großvater sowie eine serbische bzw. griechische Großmutter – und dass man in ihrem Elternhaus „auf Schritt und Tritt über Geigen und Ballettschuhe" gestolpert sei. Anschließend las der Hermannstädter Autor Benjamin Józsá aus dem Manuskript seines Romans „Der Graphiker, das Schwein. Momente und Originale", den er als „Destillat der Provinz" bezeichnete.  Er schildere darin die „Geschichte einer ganz  normalen Hermannstädter Handwerkerfamilie".

Gedanken zur Zeit liegen den Texten der Temeswarer Autorin und Leiterin des Literaturkreises „Die Stafette", Henriette Brădiceanu-Persem zu Grunde, die ebenfalls am Freitag las.

Zum Abschluss des ersten Tages hielt Carmen Elisabeth Puchianu in gewohnt kritischer und selbstkritischer Weise unter dem Titel „Quo vadis, deutsche Literaturtrage" Rückschau und Ausblick: „Wenn ich an die Anfänge meiner Reschitzaer Aufenthalte  zurückdenke, muss ich zugeben, dass mir die Tage am liebsten waren, während derer wir gemeinsam durch den nahen Wald und die darin verborgenen Schrebergärten hinauf zu den Lichtungen außerhalb der Stadt streifen konnten, woher Letztere als friedlich schlafendes Tier im Frühjahrsdunst auszumachen ist. (…) Mitte der 90-er Jahre drang noch das erschreckende Grollen und Rumoren der Geschosse über die serbische Grenze zu uns in den Wald. Man ließ sich auf allerhand Streitgespräche ein damals über Sinn und Zweck des Schreibens in deutscher Sprache im Rumänien der unmittelbaren Nach-Wende-Zeit, die hier Verbliebenen verteidigten ihre Bodenständigkeit mit größter Vehemenz gegenüber den apokalyptischen Weissagungen der ausgewanderten Literaten und Kritiker. (…) Auch später blieb man dem Thema treu, obschon sich langsam Akzente zu verschieben begonnen hatten und sich Räume öffneten im Zuge der Globalisierung, der europäischen Vielfalt, und heute könnte man wieder von vorne anfangen, sogar die Ahnung von Kanonengrollen liegt greifbar in der Luft…"

Mehr zu den 25. Literaturtagen ist bald in der 92. Sonderbeilage der Monattsschrift „Echo der Vortragsreihe" zu lesen.                     

Beatrice UNGAR

 

Foto 1: Carmen Elisabeth Puchianu (stehend) bei ihrem anschaulichen Vortrag (links von ihr Gastgeber Erwin Josef Tigla) am Freitag.

Foto 2: Nora Iuga und ihre beiden Dichterkollegen Robert Gabriel Elekes und Balthasar Waitz (v. l. n. r.).

 

Fotos: die Verfasserin

 

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