„Sie muss sich einmischen”

Ausgabe Nr. 2422
 

Die deutsche Autorin Gisa Pauly las im Deutschen Kulturzentrum Hermannstadt

Im Roman „Strandläufer” schlägt die italienische Schwiegermutter eines deutschen Hauptkommissars wieder zu, denn Mamma Carlotta bekocht nicht nur fantastisch ihre Familie, sondern steckt auch mitten in den Ermittlungen des Schwiegersohns. Aus dem achten Roman der Sylt-Reihe las die deutsche Autorin Gisa Pauly Anfang März im Deutschen Kulturzentrum Hermannstadt und wollte auch die Meinung ihrer Leser hören. Nach der Lesung gab es auch einige Leckerbissen, denn die Organisatoren vom Kulturzentrum hatten diesmal eine kulinarische Lesung versprochen.

 

„Ich komme aus Münster, aus Westfalen, aus dem nördlichen Teil Deutschlands, bin seit 20 Jahren freie Schriftstellerin, vorher war ich Lehrerin”, stellte sich die Autorin kurz vor. „Ich schreibe hauptsächlich Krimis, aber ich schreibe auch heitere Sommerromane, historische Romane… Am erfolgreichsten ist aber meine Sylt-Krimireihe, die jetzt aus acht Bänden besteht, demnächst aus neun und der zehnte ist in Arbeit.”

Aus dem achten Roman der Serie, „Strandläufer”, las Gisa Pauly im Kulturzentrum. Hauptfigur ist auch diesmal Mamma Carlotta: „Die Schwiegermutter von Hauptkommissar Erik Wolf, der auf Sylt lebt. Er war mit einer Italienerin verheiratet, die leider ums Leben gekommen ist. Er lebt als alleinerziehender Vater seiner zwei Kinder und wird gelegentlich von der Schwiegermutter besucht, die ihm hilft, im Haushalt,  und bei der Versorgung der Kinder, die gerne kocht… sehr gerne kocht, und die aber auch sehr interessiert ist am Beruf des Schwiegersohns, und ihre Neugier ist so groß, dass sie sich auch einmischen muss.”

Tatsächlich mischt Mamma Carlotta sich auch in diesem Roman ein, und wer mehr darüber erfahren will, kann in der Bibliothek des Kulturzentrums natürlich einige ihrer Bücher ausleihen. Dabei hat dieser Roman auch eine neue Figur, die Geliebte des Hauptkomissars, doch ist es nicht sicher, ob ihre Tage in der Serie gezählt sind oder nicht. Das war auch eine der Fragen, die die Autorin an ihr Publikum stellte, wobei man allerdings auf ihre Entscheidung erst im zehnten Roman der Reihe warten muss, denn der neunte, „Sonnendeck”, soll demnächst erscheinen, und da hat die Liebesgeschichte noch einen offenen Schluss.

Dabei sind die Gestalten reine Erfindungen, die nicht an reellen Personen orientiert sind: „Inspiration bekomme ich eigentlich im täglichen Leben. Wenn man die Augen offen hält, wird man permanent inspiriert. Dass ich die Mamma Carlotta erfunden habe, lag daran, dass ich die Idee hatte, zwei Temperamente aufeinander prallen zu lassen, und eines davon war das italienische Temperament. Da war noch die Konstellation Schwiegermutter-Schwiegersohn, da gibt es lustige Situationen, aber auch viel Konfliktpotential, das hat mich sehr interessiert.”

Wie schon erwähnt, sind Mamma Carlotta und Co. nicht die einzigen Gestalten der Autorin: „Es hat sich so ergeben, dass ich meine Romane in den letzten Jahren im Wechsel geschrieben habe, zwei Romane pro Jahr. Ein Buch war immer ein Sylt-Krimi und dazu ein anderes. Im letzten Jahr ist etwas ganz anderes entstanden, ein heiterer Toscana-Roman, der aber nichts mit Mamma Carlotta zu tun hat”, erklärte die Autorin, die zum ersten Mal in Rumänien und auch auf das Publikum gespannt war: „Ich liebe es, den Kontakt zu meinen Lesern zu haben, der Verlag erwartet auch, dass der Autor Werbung macht, und ich denke, für die Leser ist es auch schön, den Autor kennen zu lernen, ihm Fragen zu stellen. Ich bin sehr gespannt auf die rumänischen Leser, denn in Deutschland kennen die meisten die Bücher und kommen deswegen.”

Bis zu den Lesungen müsse man allerdings Bücher schreiben, und dazu brauche man Ideen – sowohl für die Gestalten, als auch für die Handlungen, die passen müssen. „Im Laufe der Zeit schießen mir immer wieder Ideen durch den Kopf, dann notiere ich sie sofort und da habe ich eine große Kiste, wo die Ideen rein kommen. Wenn ein neues Buch ansteht, gehe ich in die Kiste rein und suche, welche  Idee sich eignet”, erklärt Gisa Pauly, und das klingt einfacher als es bestimmt ist. Die Idee reiche allerdings nicht aus: „Das Leben eines Schriftstellers sollte ein sehr diszipliniertes Leben sein, das heißt jeden Tag schreiben! Ich stehe meist sehr früh auf, während des Frühstücks lese ich das, was ich am Vortag geschrieben habe, korrigiere es, gehe ins Büro, übernehme die Korrekturen, lasse alles nochmals ausdrucken und schreibe bis mindestens Mittag weiter.”

Hat man alles im Griff, könne man vom Schriftstellerberuf auch leben, wenn allerdings genug Bücher verkauft werden, wie die Autorin bei der Lesung erklärte.   

Ruxandra STĂNESCU

Die Autorin Gisa Pauly liest im Deutschen Kulturzentrum Hermannstadt aus dem Buch „Strandläufer”.                        

Foto: die Verfasserin

 

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