Und die Kinder lesen doch!

Ausgabe Nr. 2406
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Drei Abteilungen hat das zehnjährige Deutsche Kulturzentrum Hermannstadt

 

Eine Kultureinrichtung kann in Rumänien, oder zumindest in Hermannstadt ganz gut überleben, das beweist schon seit vielen Jahren das Deutsche Kulturzentrum Hermannstadt. Die öffentlich-private Kultureinrichtung hat dieses Jahr ganz besondere Programme durchgeführt, um ihr zehnjähriges Bestehen zu feiern. So gab es zehn kostenlose Deutschkurse, zehn Bastelnachmittage und jede Menge andere Veranstaltungen, mit denen das Jubiläum gefeiert wurde. Bis zum Ausklingen dieses Jahres bereiten sich die drei Mitarbeiterinnen des Zentrums für einen Filmemarathon, mehrere Kinderprogramme und die Deutschkurse vor. Was das Stichwort Mitarbeiter betrifft: Es wird Verstärkung gesucht.

   Ganz entspannt ist die Atmosphäre im Deutschen Kulturzentrum Hermannstadt, im größten und hellsten Raum am Ende des Flures befindet sich die Bibliothek mit über 4.000 Titeln, und die Chefin des Zentrums, Ada Tănase, erzählt gerne über ihren Job: „Ich kann immer neue Sachen lernen und wir haben immer neue Herausforderungen. Seit 2008 leite ich das Kulturzentrum und kann sagen, dass man als Mitarbeiter hier die Möglichkeit hat, sich sowohl  beruflich als auch persönlich ständig weiter zu entwickeln.”

Drei Abteilungen hat das Kulturzentrum – Bibliothek, Kultur und Sprache -, jede hat ein eigenes Programm, allerdings wird da zusammen gearbeitet.

Die Deutschkurse sind sehr wichtig, denn das ist die Haupteinnahmequelle des Kulturzentrums. Ada Tănase: „Die Anzahl der Deutschkurse, die wir anbieten, ist seit der Gründung des Zentrums kontinuierlich gestiegen, dieses Jahr haben wir etwa 70 organisiert. Das kommt auch davon, dass die Qualität sehr hoch ist – seit dem Vorjahr sind wir auch akkreditierte Partner des Goethe-Instituts – aber auch weil wir uns an die Anfragen anpassen, wie zum Beispiel bieten wir gezielte Deutschkurse für Ärzte an.”

Auch wenn die Deutschkurse nicht so spannend sind, wie z. B. die Programme der Kulturabteilung, sorgen sie dafür, dass die meisten Kosten aus eigenen Mitteln gedeckt werden können. Alexandra Muntean ist für die Kulturprogramme zuständig, von Workshops bis Bastelnachmittagen und Ausstellungen. Die Konzerte sollte man auch nicht vergessen, das letzte mit der Cobody-Band hat vergangene Woche stattgefunden. Wochenlang hat sie diesem Konzert entgegengefiebert, und zwar nicht nur als Organisatorin, sondern auch als Fan (mit Herzklopfen, feuchten Handflächen und allem, was zu einem echten Fan gehört), so dass der Erfolg des Abends doppelt so groß war.

Auch Roxana Stoenescu darf sich auf Treffen freuen, und zwar auf solche mit Autoren, aus Deutschland, die regelmäßig nach Hermannstadt eingeladen werden, denn zuständig ist sie für die Bibliothek und deren Programme. Ob Autoren von Kinderbüchern oder Erwachsenenliteratur, die Lesungen sind jedes Mal sehr spannend und über ihrem Büro häufen sich die Bilder mit den Autogrammen der Schriftsteller.

Natürlich wird jedes Treffen vom ganzen Team besprochen und alle machen auch sehr gerne mit, denn mindestens eine „Krankheit” wird hier geteilt: Sie sind begeisterte Leserinnen und reißen sich die Neuerscheinungen aus den Händen. Dabei bleibt allerdings Roxana streng: Erst die Abonnenten und nur danach die Mitarbeiter, also helfen hier Beziehungen weniger als ein Jahresabo, das für Schüler 20 Lei und für Erwachsene 30 Lei kostet.

Toll an dieser Bibliothek ist, dass mehrmals jährlich Bücher angekauft werden – etwa 70 Exemplare sollen in den nächsten Tagen ankommen -, und zwar Neuerscheinungen und Bücher, die von den Lesern verlangt werden. Und Leser hat das Zentrum recht viele, insbesondere Kinder und Jugendliche, trotz des allgemeinen Vorurteils, dass „Kinder heutzutage nicht mehr lesen”. Dabei hat das Team wiederholt festgestellt, dass die Jugendlichen lesen, wenn das Thema sie anspricht. Und nein, nicht nur „dünne” Bücher werden gesucht, sondern auch zur Zeit tausendseitige Trilogien.

Ada Tănase: „Die Lesungen, Konzerte und Ausstellungen, sind fantastische Möglichkeiten, mit zeitgenössischen Künstler in Kontakt zu kommen. Wir sind bemüht, ein aktuelles Deutschlandbild zu vermitteln und sind der festen Überzeugung, dass wir es auch schaffen.”

Sehr stolz auf die eigenen Leistungen ist das ganze Team, auch wenn sie es nicht immer an die große Glocke hängen, denn sie beweisen jedes Jahr von Neuem, dass Kultur gesucht und gebraucht wird.

Ruxandra STĂNESCU

 

Bei einem der beliebten Bastelnachmittage für Kinder in der Bibliothek des Kulturzentrums.                                                    

Foto: Beatrice UNGAR

 

 

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