Erinnerungen an Georg Hoprich

Ausgabe Nr. 2353
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Veranstaltungsreihe „Hermann’s literarisches Stadtcafé“ wird fortgestezt

Die Evangelische Akademie Siebenbürgen (EAS) hat die erste Veranstaltung der Reihe „Hermann’s literarisches Stadtcafé“ dieses Jahr dem Thalheimer Dichter Georg Hoprich gewidmet. Anlässlich der 75 Jahre seit seiner Geburt wurde an der Evangelischen Kirche Thalheim/Daia am Samstag eine Gedenktafel enthüllt.

Anreiz für eine solche Gedenktafel gab einst der Rostocker Pfarrer Jens Langer, der seit langem ein Liebhaber von Hoprichs Dichtung ist. Sein Brief „Frische Erinnerung an einen Sohn des Dorfes“ wurde während der Gedenkfeier von Inge Wittstock verlesen. Bei der Umsetzung seiner Idee wurde Langer tatkräftig von Joachim Wittstock unterstützt – ohne ihn sowie einige andere wäre das Vorhaben nicht zu verwirklichen gewesen. In der kurzen Andacht und den folgenden persönlichen Ansprachen wurde näher darauf eingegangen, wer Georg Hoprich eigentlich war. Er stammte aus recht bescheidenen Verhältnissen; wuchs als Sohn einer Bauernfamilie in Thalheim auf. Nach dem Abitur, das er in Hermannstadt absolvierte, trieb es ihn nach Bukarest, um dort Germanistik zu studieren. Kurz vor dem Abschluss seines Studiums wurde Hoprich jedoch verhaftet, angeblich wegen seiner politischen Einstellung, und zu fünf Jahren Haft verurteilt. Nach einer vorzeitigen Entlassung konnte er dann sein Staatsexamen noch nachholen. Jedoch durfte er nie als Lehrer arbeiten, so wie es sein großer Wunsch gewesen wäre.

Vieles mag den sensiblen Menschen Georg Hoprich bewegt und beschäftigt haben, worüber er mit niemandem sprechen konnte, dessen ist sich sein jüngerer Bruder sicher.

Hans Hoprich war tief bewegt von der großen Anteilnahme am tragischen Schicksal seines Bruders und dem anhaltenden Interesse an seiner Person sowie seinen Werken. Die oft empfundene Melancholie und die Schwermut klingen in vielen seiner Gedichte mit.

Andererseits war er aber auch ein fröhlicher Mensch, mit dem man lachen und Spaß haben konnte. Vor allem aber war er ein stolzer und liebender Vater, so beschreibt ihn Prof. Gerhard Konnerth in seiner sehr persönlichen Ansprache, der oft beobachtete, wie er seinen Sohn mit zur Arbeit brachte. Die Jahre als politischer Häftling hatten Hoprich jedoch psychisch schon schwer gezeichnet, sodass er dann den schlimmen Schicksalsschlag als sein kleiner Sohn starb nicht mehr verkraften konnte. Georg Hoprich beging am 9. April 1969 in Heltau Selbstmord.

Seit Samstag kann man nun also unweit seiner Grabstätte auf dem Friedhof der Evangelischen Kirche Thalheim die Gedenktafel besichtigen, die an ihn erinnert. Eventuell trifft man bei einem Besuch auf die Burghüterin Mariana Dan, die meist ein paar Exemplare von Georg Hoprichs Gedichtband „Bäuchlings legt sich der Himmel“ zum Verkauf bei sich hat und so dazu beiträgt, dass der Dichter auch in Zukunft nicht in Vergessenheit gerät.         

Yasmin SEDLER

Hans Hoprich (rechts) und Pfarrer Dietrich Galter (links) bei der Enthüllung der Tafel in Thalheim. Foto: Cristian SENCOVICI

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