Zuschauer als Teil einer Collage

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Ausgabe Nr. 2349
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Aufführung des Deutschen Jugendforums Kronstadt im Gong-Theater

Die Theatergruppe „ImPuls“ des Deutschen Jugendforums Kronstadt gastierte am Samstag, dem 7. September, im Gong-Theater für Kinder und Jugendliche in Hermannstadt. Diese Zusammenarbeit wurde insbesondere durch die Bemühungen von Paul Binder, dem Vorsitzenden des Jugendforums Kronstadt, und Winfried Ziegler, dem Kulturreferenten des Zentrumsforums Hermannstadt ermöglicht.

Die jungen LaienschauspielerInnen aus Kronstadt boten eine szenische Collage mit dem Titel „Zwischen Traum und Stadtgefühl“ in einem gefüllten Saal dar, nachdem sie einleitend viele  Dankesworte an alle gerichtet hatten, die sie bei diesem Gastauftritt unterstützt hatten.

Die Aufführung dauerte etwa eine Stunde. Drei Wochen Probenzeit mit 20 Beteiligten im Alter von 13 bis 25 Jahren, gingen diesem Resultat voraus. Die Jung-Regisseurin und Schauspielerin Petra Antonia Sârb erklärte später, dass sie das Schauspiel mit Musik und Tanz nach den in Kronstadt gespielten Vorstellungen teilweise verändert hat. Diese Änderungen wurden nun erstmals auf der Hermannstädter Bühne gezeigt.

Die Zuschauer stellten fest, dass in dem Stück keine freiliegende Handlung zu finden ist. Der periodisch auftretende Erzähler führt durch keine bestimmte Geschichte. „Zwischen Traum und Stadtgefühl“ ist eine szenische Collage aus Stadtbildern, welche auch für sich allein stehen könnten.

Die erste Szene zeigt einen Menschenauflauf. Ein Knäuel aus verschiedenen aber doch gleichermaßen gehetzten Fratzen. Darunter eine Fotografin, die ihren Schritt zu verlangsamen sucht und ins Publikum fotografiert. Der Zuschauer wird Teil der Collage, als ein Abbild auf dem Kamerafilm. Dann ein Freeze, ein Einfrieren der Szene. Stille.

Immer wieder wird der Pluralismus der Gesellschaft Rumäniens mittels unterschiedlichster Musik – von Goran Bregovic bis hin zu Dubstep – verdeutlicht. Die Regisseurin und Texterin vermischt diese Einspieler mit Auftritten von Sarah Elisabeth Sârb, welche selbst singt und das Stück dadurch entschleunigt.

Petra Antonia Sârb inszeniert das Stück, um etwas für den Zuschauer festzuhalten. Als Leitmotiv dient ihr eine „banale Idee“, das Stadtleben. Damit schafft sie einen einfachen Zugang zum Stück, sowohl für die Schauspieler als auch für die Zuschauer. Die Regisseurin zeigt zwar Hektik und gegenseitiges Umhergeworfen sein, kann das Stadtleben aber auch theatral zum Anhalten zwingen und Akzente setzen, ein Foto machen lassen.

Der Erzähler tritt auf. Daniel Binder spielt eine sokratische Rolle. Er wirft Fragen in den Zuschauersaal. „Was ist schöner? Der Regen oder der Mensch?“ Er gibt keine Erkenntnisse preis, sondern versucht, sie dem Rezipienten abzufordern. „SIE und ER“, sagt der Vortragende und beschreibt die beiden. Doch wer ist gemeint? SIE, die Stadt und ER, der Mensch? Erst zum Ende hin wird deutlich, dass es sich bei dem Paar um zwei Gestalten handelt, welche immer wieder auftreten.

Eine Tänzerin, dargestellt von Petra selbst, welche erst durch einen Straßenmusiker, gespielt von dem Jungmusiker Michael Acker, „zum Leben erweckt wird", – Dornröschen lässt grüßen-, lernt so, die Stadt wieder mit Gefühl zu füllen. Das Verhältnis der beiden zueinander  rahmt das Stück ein. Die rohe Anonymität der einzelnen Individuen löst sich hier in eine gefühlvolle Dynamik auf. Eine Stadtdynamik, welche durch ein Zusammenspiel entsteht, das Tänzerin und Musiker in der letzten Szene bildhaft miteinander verkörpern.

Christina GRZESCHNIOK

Szenenfoto mit Michael Acker (Straßenmusiker) und Petra Antonia Sârb (Tänzerin).                                                          

Foto: Ortwin BONFERT

 

Veröffentlicht in Aktuelle Ausgabe, Kultur.