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Da machten sich am vergangenen Mittwoch Mittag per Kleinwagen drei Leute aus Kronstadt auf, um am Abend in Hermannstadt ein Theaterstück aufzuführen. In Kronstadt herrschte Frost (minus 19 Grad), in Hermannstadt war es etwas „wärmer“, doch überaus frostig war der Empfang: sage und schreibe zehn Zuschauer kamen in den Sportsaal im Gewerkschaftskulturhaus.
Eigentlich wollte die Autorin des Artikels sich auf die ausgezeichnete Darbietung des jungen Laienschauspielers konzentrieren, der regelrecht Knochenarbeit leistet. Doch das fehlende Interesse der Hermannstädter läßt es nicht zu, bloß von der „Nyktophobie“ zu sprechen, es muss auch etwas geschrieben werden über die Theaterphobie der offensichtlich kultursatten Deutschsprachigen in Hermannstadt.
Noch nicht einmal aus Kollegialität und schon gar nicht aus purer Neugier hat sich auch nur eine Lehrkraft vom Germanistiklehrstuhl der ULB in den Sportsaal des Gewerkschaftskulturhauses verirrt - ganz zu schweigen von den Studierenden dieser Fachrichtung, die ja sowieso alles im Griff haben außer der deutschen Sprache und Literatur...
Die jeden Mittwoch stattfindende Bachchorprobe ist auch kein Grund für diesen schwachen Besuch. Wir haben doch erlebt, dass die erste Vorstellung von „Three O’Clock“, die nach der Premiere am Dienstag angesetzt worden war, um den Bachchormitgliedern den Theaterbesuch zu ermöglichen, die immer schimpfen, dass der Mittwoch für Vorstellungen der deutschen Abteilung ungeeignet sei, von gezählten fünf Mitgliedern dieses Klangkörpers besucht worden ist.
Während die Abwesenheit der Bachchormitglieder gerechtfertigt war, gibt es keine Erklärung dafür, warum kein Mitglied der deutschen Abteilung am Hermannstädter „Radu Stanca“-Nationaltheater die Inszenierung wahrnahm. Auch Schauspielstudierende glänzten durch Abwesenheit.
Dabei hätten alle etwas von der Darbietung des „DUO BASTET“ genannten Theaterensembles lernen können, das aus Carmen Elisabeth Puchianu, Dozentin an der Kronstädter Transilvania Universität und Schriftstellerin und Robert Gabriel Elekes, Mitarbeiter am Lehrstuhl für Fremdsprachen und Literatur derselben Universität besteht. Die beiden arbeiten seit einigen Jahren im Bereich des Studententheaters zusammen und betreiben nach eigener Aussage „vor allem das Improvisations- und das Regietheater“.
Die Eigenproduktion „Nyktophobie oder Mephistos später Gruß an Faust“ setzt das Motiv der Angst vor der Dunkelheit mit Mitteln des Körper- und Improvisationstheaters sowie mit jenen des asiatischen Butoh-Theaters szenisch um. Gesprochen werden Textpassagen aus Goethes „Faust“ und aus Georg Büchners „Leonce und Lena“ sowie einige eigene Texte.
Schon allein der mit akrobatischen Einlagen gespickte bekannte Faust-Monolog - „Habe nun ach, Philosophie...“ - den der junge Elekes als zitternder Mann im Pyjama vorträgt, war es wert, diese Gastvorstellung zu besuchen. Elekes gelingt es in regelrechter Knochenarbeit die beiden Seelen zu verkörpern, die in Fausts Brust wohnen. Von „himmelhoch jauchzend“ bis zu „Tode betrübt“ zieht er alle Register.
„Wir waren zufrieden“, sagte Puchianu nach der Vorstellung. Am 18. Februar ist das Duo im „Valeria Koch“-Bildungszentrum in der diesjährigen Europäischen Kulturhauptstadt Pécs zu sehen und am 19. Februar gastieren die Kronstädter in Szeszárd. Die beiden arbeiten an einer neuen Inszenierung, in der sie wieder als Duo auftreten werden. Beatrice UNGAR
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