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Ihre Heimat Schottland würden die robusten Tiere nicht vermissen, meinen die Schweizer von Karpaten Meat, schließlich entspreche das Weideland im hügeligen Harbachtal „topographisch und nahrungswertig den ursprünglichen Weiden des Angusrindes in Schottland“.
Karpaten Meat ist der Name einer Schweizer Aktiengesellschaft und der Rumänischen Betriebsgesellschaft, die 2008 paralell gegründet wurden. Die Geschäftsführung haben zwei Schweizer aus dem Toggenburg inne: Stefan Jung (Jahrgang 1975), Fleischfachmann, Landwirt und Viehhändler sowie Samuel Widmer (Jahrgang 1978), Fleischfachmann und Kaufmann, und ein Deutscher, der Landwirtschaftsmeister Georg Schweiger. Als die beiden Schweizer Anfang 2008 sich im Harbachtal nach Weideflächen für die Angusrinder suchten, fanden sie nach eigener Aussage in der Gemeinde Leschkirch/Nocrich „die idealen Ländereien und damit die Grundlage zur Umsetzung“ ihres erklärten Zieles. Das Ziel der Betriebsgesellschaft ist der „Aufbau einer nachhaltigen Qualitäts-Weide-Beef-Produktion im Karpaten-Gebiet in Rumänien.“ Das natürlich und tiergerecht produzierte Premium-Rindfleisch soll am gesamen europäischen Markt vermarktet werden.
Die Schweizer wählten die Rasse Angus, „weil dieses frühreife und extensive Fleischrind sehr robust und anpassungsfähig ist: ideal für die Weiden in Rumänien. Unsere Basis ist ein solides, tradiertes Schweizer Know-how.“ Rumänien wählten sie, weil es hier ein grosses Entwicklungspotenzial für landwirtschaftliche Flächen gibt und das Weideland topographisch und nahrungswertig den ursprünglichen Weiden des Angusrindes in Schottland entspricht. Desgleichen seien hier im Vergleich zur Schweiz die notwendigen Investitionen in den Stallbau und die Lohnkosten für das Hilfspersonal „minimal“.
Mit der Pacht eines Hofes und dem Kauf eines zweiten Betriebs in Leschkirch begann der Betrieb im Juli 2008. Es wurden zunächst 120 Angus-Mutterkühe vom Vertragspartner Donaumoos-Angus in Deutschland gekauft, weitere 200 Tiere wurden im Herbst 2009 importiert. Damit wurde der Grundstock für die Zucht gelegt. Geplant ist mittelfristig die Aufzucht einer Herde von 2.000 Tieren.
Bis dahin muss der eigene Futteranbau für diese große Zahl Tiere sichergestellt werden. Als „wichtigen Meilenstein für das Unternehmen“ betrachten die Geschäftsführer die erste Schlachtung selbstgezogener Bullen im Herbst 2011. Zielmarkt ist primär Westeuropa, wo das Angus-Rindfleisch sehr gefragt ist.
Das offizielle Angusherdebuch gründeten schottische Züchter 1876. Doch schon Mitte des 18. Jahrhunderts weideten die Urahnen der hornlosen Fleischrinderrasse in Schottland. Nach Rumänien wurden auch schon vor mehreren Jahren Angusrinder importiert, um die ansässigen Rassen durch Einkreuzen bezüglich Fleischertrag zu verbessern. Ein Tier wiegt zwischen 400-700 Kilogramm. Die Anguskühe werden nicht gemolken, sie säugen ihre Kälber bis zu neun Monate lang, was den Fütterungsaufwand erheblich reduziert, dann wiegen diese schon bis zu 300 Kilogramm. Das Erstkalbealter liegt bei 25 Monaten. Wirtschaftlich sind die Anguskühe besonders wegen der kurzen Zwischenkalbezeiten, die 360-368 Tage ausmachen.
Die Schweizer möchten nun ein Angus-Netzwerk in Rumänien aufbauen und suchen dafür eigenständige Mutterkuhhaltungsbetriebe, die sich ihnen anschließen und die für sie Absetzer produzieren. Desgleichen vermitteln sie Fachwissen beim Aufbau einer Angus-Rinder-Farm oder bei der Umstellung auf Mutterkuhhaltung.
Da das „Angus-Beef“ dank seiner ausgeprägten Marmorierung (das Fleisch weist kaum Fettanteile auf), seiner Zartheit und dem Geschmack einen hervorragenden Ruf auf dem Qualitätsfleisch-Markt genießt und die riesigen Futter- und Grünflächen in Rumänien ein riesiges Potenzial darstellen, sind die Leute von Karpaten Meat zuversichtlich.
Wer ein weibliches Jungtier kauft, dem kauft Karpaten Meat die Kälber wieder ab. Vermittelt werden auch Zuchttiere, Zuchtbullen, trächtige Tiere, alle mit Test und Quarantäne.
Auf Neuland bewegen sich die Schweizer in Bezug auf die Freilandhaltung der Tiere. Allerdings sind sie davon überzeugt, dass sie Abnehmer und Partner für den Aufbau des Netzwerks finden, da die Kosten für Stallbau z. B. wegfallen und auch die für Tierärzte, da die Angusrinder selten erkranken.
Das Büro der rumänischen Niederlassung befindet sich in Hermannstadt in der Str. Rahova 83, Tel. 0269-23.29.77, E-Mail: info@karpaten-meat.com
Beatrice UNGAR
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