Im Zeichen des Wiedersehens

Ausgabe Nr. 2396
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Streiflichter vom Baaßner Treffen in der Kirchenburg

 

Am 9. und 10. August 2014 haben sich in Baaßen über 350 ehemalige und jetzige Baaßner zu einem Heimatfest getroffen, das ganz im Zeichen des Wiedersehens, der Besinnung und der Erhaltung des uns anvertrauten Kulturguts stand. Für manchen Aussiedler war es ein Wiedersehen nach über 30 Jahren, andere frischten ihre Erinnerungen von früheren Besuchen auf. Ebenfalls vertreten waren Baaßner bzw. Baaßnerinnen, die noch vor der großen Aussiedlungswelle Ehepartnern an andere Wohnorte gefolgt waren bzw. im Ort Verbliebene. So ergaben sich auch Bekanntschaften zwischen Menschen, die sich vorher gar nicht gekannt hatten.

 

Bei schönstem Sommerwetter fand am Samstagnachmittag, dem 9. August ein gemütliches Grillfest begleitet von der Baaßner Blaskapelle und ausgerichtet von der örtlichen Gastronomenfamilie Bozdoc statt. Gut vertreten war die ältere Generation, und erfreulicherweise sehr gut vertreten die Jugend. Bei Mici und Grillsteaks, köstlichen Beilagen und Salaten, bei Bier und Wein konnte man einander kennenlernen und sich austauschen, in Erinnerungen schwelgen oder sich nach Freunden und Bekannten erkundigen. Bei all den Gesprächen vergaßen die sonst so tanzfreudigen Baaßner sogar das Tanzbein zu schwingen. Trozdem wurde bei heiterer Stimmung bis in die Morgenstunden gefeiert.

Bei weiterhin hochsommerlichen Temperaturen feierten am Sonntag, dem 10. August die Gemeinde mit Pfarrer Christian Reich (i. R.) und dem gebürtigen Baaßner  Pfarrer Johann Ehrlich einen andächtigen Gottesdienst mit Abendmahl. An der Orgel wirkte Ilse-Maria Reich mit den Geschwistern Grete Csibi und Ernst Chrestel. Mit „Nun danket alle Gott“ gespielt vom Posaunenchor endete ein wunderschöner und besinnlicher Gottesdienst. Anschließend begab man sich im Zug und in Begleitung der Blaskapelle unter der Leitung von Erwin Arz zu einer Gedenkstunde und Totenandacht auf den Friedhof. Quer durch die Generationen kamen viele in Tracht. Anschließend traf man abermals im großen Zelt im Pfarrgarten zum Mittagessen mit besonderen Spezialitäten zusammen. Am Nachmittag gab es gekonnte Darbietungen der Jugendtanzgruppe Baaßen, der Schülertanzgruppe aus Baaßen und des gemischten Chors der rumänischen Bewohnerschaft in Tracht. Impromptu-Darbietungen einiger Gäste rundeten die Show ab. Wiederum für manche sehr bewegend wurde nach den Tänzen und nach anderen Volks- und Heimatliedern begleitet von der Blaskapelle auch die Hymne „Siebenbürgen, Land des Segens“ von allen gemeinsam angestimmt. Einmal wieder in angestammtem, würdigen Rahmen. Erneut feierte man ein Fest bis in die späte Nacht hinein.

Insgesamt war die Stimmung an den zwei Festtagen sehr integrativ und versöhnlich. Es waren rumänische Vertreter und Honoratioren, darunter der orthodoxe Geistliche sowie einige Bürgermeister eingeladen und anwesend. Aus den Stellungnahmen und Äußerungen der rumänischen Gastgeber und Gäste sowie aus persönlichen Gesprächen klang deutlich das Bedauern über den Weggang der sächsischen Bevölkerung, deren Fehlen vor Ort schmerzlich gespürt werde. Gleichzeitig durften die in die ganze Welt versprengten ehemaligen Baaßner mit der Gewissheit fortgehen, hier jederzeit eine Heimstatt und Heimatrecht zu haben.

Anlass zu den Feiern war eigentlich die geplante Neueinweihung der restaurierten Baaßner Barockorgel gewesen. Leider konnte die Restaurierung nicht rechtzeitig abgeschlossen werden, so dass die Orgel nur behelfsmäßig zur Verfügung stand und die Orgelempore noch halb Baustelle war. Wenn das auch für die zahlreich angereisten Besucher eine Enttäuschung war – einen Lichtblick konnte man der Situation doch abgewinnen: die endgültige Einweihung ist ein guter Grund, wieder nach Baaßen zu kommen. Hoffentlich bald! Recht herzlich dankt  auch auf diesem Weg der Vorstand allen Landsleuten und Mitwirkenden, die dazu beigetragen haben, dass dieses Festtreffen den Teilnehmern viele schöne und unvergessliche Stunden schenkte.             Horst KRAUSS

 

Die Jugendtanzgruppe Baaßen bei ihrem Auftritt im Pfarrgarten.

 

Dragonerwache

Ausgabe Nr. 2396
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Dragonerwache 1980: „Als die Türken endgültig aus dem Land vertrieben worden waren, besetzten die Kaiserlichen am 30. Oktober 1687 vertragsmäßig die Stadt. Die Wachen wurden verteilt, und eine, die der Dragoner, kam auf die Häuserinsel in der Elisabethgasse, die heute noch den Namen Dragonerwacht führt. Früher hieß der Ort 'auf den Zwillen' (im Sächsischen bezeichnet man mit Zwillen einen Ast, der sich in zwei Arme spaltet. Mittelhochdeutsch zwillen = doppelt machen.), womit die beiden Gäßchen gemeint waren, in die sich die Elisabethgasse spaltet, die Dragonerwache umfassend. Der alte Gassennamen hielt sich aber hartnäckig das 18. Jahrhundert hindurch neben der neuen Bezeichnung 'auf der Dragonerwacht', obwohl die Wache schon im Jahre 1710 aufgelöst worden war. Schließlich wich er zurück und verschwand. Neben der Wache befand sich eine Schmiede, die der Magistrat – sie war städtisch – im Jahre 1740 verkaufte", ist in  dem Buch „Die Gassennamen Hermannstadts" von Arnold Pancratz (Herausgeber: Deutscher Sprachverein in Rumänien; Druck und Vertrieb: Krafft&Drotleff, Hermannstadt, 1935) zur Dragonerwache (unser Bild stammt aus dem Jahr 1980, als dieses Gebäude abgerissen wurde) zu lesen. Hier befand sich übrigens von 1150 bis 1250 der erste Markplatz von Hermannsdorf".

 

Dragonerwache Springbrunnen 1982: An der Abrisstelle wurde 1982 ein von Dan Frăticiu, damals Bühnenbildner beim Puppentheater, entworfener Springbrunnen aufgestellt, der wegen seiner Form im Volksmund „la trei furcuțe" (Zu den drei Gäbelchen) oder „la trei mâțe" (Zu den drei Kätzchen) genannt wurde. Anfang der 1990-er Jahre wurde dieser Springbrunnen abgetragen und bis zu Beginn der Modernisierungsarbeiten an der Elisabethgasse war die Verkehrsinsel irgendwie ein Schandfleck in der Gegend.

 

Im Zuge der Modernisierungsarbeiten an der Elisabethgasse, wurde die Dragonerwache" 2014 wieder ins Rampenlicht gerückt. Der Architekt Victor Moraru wurde von der Stadtverwaltung damit beauftragt, hier einen öffentlichen Erholungsbereich zu gestalten. Hier kann man auf den Bänken ausruhen, miteinander plaudern oder einfach nur lesen, wie Bürgermeister Klaus Johannis bei der feierlichen Eröffnung am Freitag vor zwei Wochen sagte. Auch kleine Veranstaltungen können hier stattfinden.                                                  Fotos: Fred NUSS

„Das ist nicht Dracula, das ist ein Elf“

Ausgabe Nr. 2396
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Gute Stimmung und zahlreiche Gäste beim 14. Mittelalterfestival in Hermannstadt

 

Lauter Ritter und Prinzessinnen freuten sich am Wochenende, dass das Wetter mitspielte, denn im Altstadtzentrum Hermannstadts wurde zum 14. Mal das Mittelalterfestival organisiert. Die Hermannstädter und die Touristen ließen auch nicht auf sich warten und stürmten die Buden mit Essen und Kleinigkeiten, die zum Teil sogar an das Mittelalter erinnerten.

 

Mittelalterliche Musik gab es am Wochenende auf der Bühne, die ebenfalls am Großen Ring aufgestellt war, wo auch der Mittelaltermarkt stattfand. Doch trotz der verschiedenen Shows und Konzerte zog der Markt die meisten Besucher an.

Einen großen Andrang gab es zum Beispiel beim Bogenschießen, wo Jung und Alt probierten, den Bogen richtig zu spannen, den Pfeil rechtzeitig loszulassen und dazu auch noch das Ziel zu treffen. Gemeinsam hatten alle Schützen allerdings Mengen an Freunden und Verwandten, die jede ihrer Bewegungen fotografierten, so dass die perfekte Pose das Leben zusätzlich schwieriger machte.

Einen großen Andrang gab es auch bei den Essenbuden, denn da gab es unter anderem Kohlrouladen, Gulasch und Bohnen, die offensichtlich so lecker waren, dass sie immer wieder alle waren, und Nachschub gekocht werden musste.

So richtig beeindruckt waren die Gäste allerdings von  der Salvador-Riesenmarionette auf dem Großen Ring, denn die zehn Meter hohe Puppe ging unter dem Beifall des Publikums auch spazieren. Dabei handelte es sich aber nicht um einen Elfen, wie das ein Kind in altkluger Manier seinem Großvater erklärt hatte, sondern um den Erzähler Salvador aus einer anderen Show der Spanier, „La Mediteranea". Das Kind hatte seinem Großvater, der meinte, es sei Dracula, im Brustton der Überzeugung gesagt: „Das ist nicht Dracula, das ist ein Elf".  Eine weitere Riesenmarionette der spanischen Truppe „Carros de Foc”, die Hauptgäste des Festivals waren, war der Druide aus Jagul (dem Zauberer Merlin sehr ähnlich geraten), den man während der Parade mitgeschoben hatte und den man auf dem Großen Ring bewundern konnte.

Die Spanier präsentierten am Samstag in der Heltauergasse ihre Straßenshow „Der Druide von Jagul", die sie für das 20. Jubiläum des Internationalen Theaterfestivals im chilenischen Santiago de Mil einstudiert hatten, wobei es natürlich um einen Zaubertrank ging. Ein „braver und starker Druide", der im Wald in Jagul lebt, soll nämlich einen Zaubertrank zubereiten können, der ewige Jugend verspricht. Die jungen Frauen versuchen vergeblich, diesen Zaubertrank zu mischen, trotzdem tanzen und singen zum Schluß alle fröhlich und vergnügt.

Anschließend konzertierten auf der Bühne die Gruppen Novosadski Kamerni Hor (Serbien) und Obscurus Orbis (Lettland)und Crispus (Rumänien) bot eine seiner bewährten Feuershows.

Die Riesenmarionette „Salvador" hatte dann am Sonntagabend nach dem Konzert der deutschen Gruppe „Drachenmond" ihren großen Auftritt. Sie lag vor dem Ratturm und wurde von buntem Licht bestrahlt und als sie nach und nach aufgerichtet wurde, war die Begeisterung groß: Sie ragte regelrecht in die Höhe und man hatte von unten den Eindruck, sie stehe auf gleicher Höhe wie der Ratturm.

Großen Andrang gab es auch bei den Kleinigkeiten, die man auf dem Mittelaltermarkt kaufen konnte. Es gab schöne handgemachte Kerzen, originelle Ledertaschen und viel Schmuck, so dass die ebenfalls an einem Stand angebotenen Plastikspielsachen untergingen, denn wahrscheinlich waren im Mittelalter chinesische Plastikschlangen und – spinnen nicht gerade in.

Auf jeden Fall freuten sich insbesondere die Hermannstädter über das milde Wetter, so dass sie endlich die Gelegenheit wahrnehmen konnten, um die Supermärkte am Rande der Stadt – ein beliebtes Wochenendziel bei Regenwetter  – zu verlassen und im Zentrum spazieren zu gehen. Auf dem Großen Ring konnten die Kinder sich auch an einigen von den Wandergesellen gebauten  Spielgeräten oder ausgedachten Spielen versuchen. Besonders der Krafthammer zog viele an. Sogar eine Braut probierte hier ihre  Kraft aus.

Auch konnten die Kinder in zwei Lager aufgeteilt, an Minikatapulten mit kleinen Holzstücken auf Blechdosen zielen, angefeuert von ihren Eltern und Großeltern.

Mit einem Konzert der lettischen Gruppe Obscurus Orbis und einer von der Gruppe „Chigot" aus Bulgarien nachgestellten mittelalterlichen Schlacht wurde das diesjährige Festival beendet, das unter dem Motto „Bucuroși de oaspeți" (Wir freuen uns auf Gäste) stand.

               Ruxandra STẰNESCU

 

 

Echt mittelalterlich wirkten diese beiden Gestalten, die sich nach der Parade vor der römisch-katholischen Stadtpfarrkirche unterhielten, vor der eine Arkadenfolge aufgestellt worden war.                 Foto: Fred NUSS

 

Auch in Rückenlage beeindruckte Salvador" die Anwesenden.

Lacerta präsentiert neuen Wein

Ausgabe Nr. 2396
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Weinverkostung im Lili´s Café am Kleinen Ring

 

„Shiraz” heißt der neue dunkelfarbige Wein von Lacerta der vergangenen Mittwoch im Lilli´s Café in Hermannstadt erstmals vorgestellt wurde. Präsentiert wurde der neue Shiraz, aber auch andere Lacerta-Weine von Sommelier Bogdan Raul Todor. Zur Weinverkostung gehörten verschiedene von Gastgeber Steffen von der Dunk, Koch von Lili´s Café, zubereitete köstliche Spezialitäten.

 

Gleich neben dem Ledererloch, am Kleinen Ring Nr. 30, befindet sich das nette „Lili´s Café" wo die Gäste am vergangenen Mittwoch in einer angenehm familiären Athmosphäre die Weine von Lacerta verkosten durften. Begonnen wurde mit einigen bereits bekannten Weinen von Lacerta, wie dem trockenen Rose, der gänzlich aus der Blaufränkisch Rebesorte gemacht wird. An die Reihe kam dann ein tockener Muscat Ottonel, im Inox-Gefäß gegoren und im Glas gereift und schließlich folgte der Chardonnay Reserva der im Innox-Gefäß gegoren und im Barrique Faß mehrere Monate lang gereift wird. Zu diesen drei Weinsorten gab es Spezialitäten wie Graved Lax Forelle mit Honig-Senf, Gurken-Dill Sorbet, thailändischer Tunfischsalat, andere andere köstliche Spezialitäten. Selbstverständlich fehlten auch verschiedene Käsesorten nicht.

Zum Schluss ging es in den ersten Stock wo die Gäste nach steigender Spannung endlich mit dem dunklen, taninreichen Shiraz Bekanntschaft machen durften. Zu diesem Wein hatte Steffen von der Dunk Überraschungen wie Wildschweingulasch aber auch andere Spezialitäten wie Gänsestopfleberpastete u. a. vorbereitet. Der Shiraz von Lacerta ist trocken, hat einen 14 prozentigen Alkoholgehalt und wird acht Monate lang im Barriquefaß gereift. Der Shiraz schien dem Geschmack der Gäste außerordentlich zu entsprechen. Sommelier Bogdan Raul Tudor hatte alle Hände voll zu tun, denn die Gäste ließen sich den Wein immer wieder einschenken. Es ist nun zum ersten Mal, dass Lacerta den Shiraz rein  auf den Markt bringt. Bislang gab es bereits den Cabernet Sauvignon mit Shiraz.

                                           Werner FINK

 

 

Somellier Bogdan Raul Todor schenkt Steffen von der Dunk ein.

 

Bio-Essen bei der Alten Mühle

Ausgabe Nr. 2396
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Vorletzter Transylvanian Brunch in Holzmengen

 

Wenn man das Dorf Holzmengen erwähnt, stellt man sich kaum vor, dass  man dort eine der letzten mittelalterlichen Landschaften Europas finden kann.  Blühende Wiesen, Wälder  die kräftigen Mauern der evangelischen Kirchenburg und das immer wechselnde Panorama der Fogarascher Gebirge sind nur einige Sehenswürdigkeiten, die dieses kleine Dorf anbietet.

 

Die Alte Mühle aus Holzmengen regt zum kulturellen Austausch an und verführt mit frisch gebackenem Brot. Im Vorderteil der Mühle wurde eine traditionelle  Bäckerei und ein Backofen für das Brot eingerichtet. Luiza, die Bäckerin, hat viele  örtliche Rezepte entdeckt, die sie entweder demonstrativ oder für den Verkauf  im Laden der Mühle vorbereitet.

Eines der jüngsten Events im Dorf ist der Transylvanian Brunch am Samstag gewesen. Die Organisatoren haben auch dieses Mal mit einem schön dekorierten Hof, leckerem Bio-Essen und siebenbürgischer Unterhaltung überrascht. Die Brüder Creangă aus Holzmengen haben für die musikalische Vergnügung gesorgt, und ein Ensemble aus Kirchberg hat für die Gäste getanzt.

Wie noch nie beim Transilvanian Brunch waren die Einschreibelisten schon einige Tage vorher geschlossen, da sich sehr viele Leute angemeldet haben. Man hat  Freunde wiedergesehen, Touristen aus den verschiedensten Ecken Europas getroffen  und Dorfbewohner kennengelernt, die Geschichten von der Alten Mühle zu erzählen wussten.

Es ist bewundernswert, wie man bei jedem Brunch dieser Art neue Rezepte und neue Traditionen der Siebenbürger entdecken kann.

Die nächste Gelegenheit dafür besteht am 27. September, beim letzten Transylvanian Brunch dieses Jahres  in Leschkirch/Nocrich.

                              Monika TOMPOS

 

 

Die Gäste genossen die lauschige Stimmung und das gute Essen.

Schlagabtausch in vollem Gang

Ausgabe Nr. 2395
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Unterschriftensammlung für Präsidentschaftskandidaten hat begonnen

 

Während landauf landab die Helfer der verschiedenen politischen Parteien und Wahlbündnissen Unterschriften sammeln für die Präsidentschaftskandidaten, findet fast täglich ein Schlagabtausch zwischen den beiden Favoriten, dem amtierenden Premierminister Victor Ponta und Hermannstadts Bürgermeister und PNL-Chef Klaus Johannis statt.

 

Obwohl Ponta z. B. ursprünglich behauptete, er werde die Etnie und die Konfession seines wichtigsten Kontrahenten nicht ins Spiel bringen, geht es nach wie vor darum, bei der mehrheitlich ortodoxen Bevölkerung Ängste zu schüren, da Johannis einer anderen Konfession angehöre. Die Wahrheit wird also oft verdreht und inzwischen versucht die Regierungskoali-
tion, auch die Spielregeln für die Präsidentschaftswahlen zu „korrigieren". So soll z. B. das Wahlgesetz dahingehend verändert werden, dass jeder Wahlberechtigte wie bei den Europawahlen in jedwelchem Wahllokal in Rumänien seine Stimme abgeben dürfen soll. Geplant ist auch eine Novellierung des Gesetzes über den Status der gewählten Bürgermeister und Kommunalräte, demzufolge diese ihr Mandat nicht abgeben müssen, wenn sie die Partei wechseln.                B. U.

 

 

Nach langwierigen Modernisierungsarbeiten wurde am Freitag die Elisabethgasse für den Kfz-Verkehr freigegeben. Bürgermeister Klaus Johannis (Bildmitte) sprach die Hoffnung aus, dass die Anwohner nun  auch dazu schreiten würden, ihre Häuser auf Hochglanz zu bringen, wie das schon in anderen modernisierten Straßen in Hermannstadts Altstadt der Fall gewesen sei.                                                                      Foto: Fred NUSS

 

Kulturerbe als Gabe und Aufgabe

Ausgabe Nr. 2395
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Einweihung von Kirchenburg und Orgel in Kleinschenk

 

Nach langjähriger Restaurierung wurden am 16. August d. J. die Kleinschenker Kirchenburg und die historische Orgel eingeweiht. Über 150 ehemalige Kleinschenker nutzten die Gelegenheit, aus Deutschland zu kommen, um bei diesem Fest dabei zu sein. Mehr als 400 Gäste feierten zusammen. Der Verein der Freunde und Förderer Contrafort Pro Kleinschenk/Cincșor, am 29. Juli 2009 gegründet,  beging ebenfalls ein kleines Jubiläum…

 

 

Nassim Nicholas Talebs Buch „Der Schwarze Schwan. Die Macht höchst unwahrscheinlicher Ereignisse" ist dem „Unsinn von Wirtschaftsprognosen" (manager magazin) gewidmet, man könnte es aber auch auf die Zukunft selbst anwenden, die eigentlich nicht prognostizierbar ist. Diesen besagten „schwarzen Schwan" beschwor Carmen Schuster, die den Contrafort-Verein gegründet hatte,  in ihrer Ansprache bei der Wiedereinweihung der sanierten Kirchenburg und der restaurierten Orgel in Kleinschenk herauf.   Sie stellte fest, dass viele berechtigte Zweifel angemeldet hatten, als sie sich 2008 entschloss, in ihrer Heimatgemeinde aktiv zu werden, um dem weiteren Verfall der Evangelischen Schule, des Pfarrhauses, der Kirchenburg, Einhalt zu gebieten. Sechs Jahre danach könne man sagen, Kleinschenk sei ein „schwarzer Schwan", ein Ereignis, mit dem aller mathematischen Wahrscheinlichkeit nach nicht zu rechnen gewesen sei und das trotz allem stattfinden konnte. Sie dankte dem Landeskonsistorium der Evangelischen Kirche A. B. in Rumänien für die Aufnahme der Kleinschenker Kirchenburg in das EU-Kirchenprojekt, aber auch den rumänischen Behörden, die Mut bewiesen hätten, „sich für sächsische Werte zu öffnen". Ihr Dank ging an alle, die mit ihrer Professionalität an diesem Projekt beteiligt waren, das zu einer „mustergültigen Restaurierung" der Kirchenburg geführt hat, den Mitgliedern des Contrafort-Vereins, und allen Vertretern der Heimatortsgemeinschaft Kleinschenk, die sich eingesetzt haben.

Im Namen der HOG Kleinschenk dankte Gretel Theil „für die Kerze, die Carmen angezündet hat" und rief alle dazu auf, dazu beizutragen, „dass das Licht in der Kirche nicht erlösche".

Allerdings verdanke man diesen Tag mehreren Wundern,  hatte Pfarrer Stefan Cosoroabă, Leiter des Tourismus-Projekts „Entdecke die Seele Siebenbürgens" im Vorfeld gesagt. Zunächst den Menschen, die nicht aufgegeben haben und nicht sagten „es ist alles aus". Wer hätte denn 1990, als die Mehrheit der Evangelischen Kleinschenk verließen,  noch an einen Gottesdienst wie diesen in der Kleinschenker Kirche gedacht, fragte Cosoroabă. Als Wunder bezeichnen könne man auch die Tatsache, dass die Kirchenburg Kleinschenk in ein europäisches Projekt eingebunden worden ist, und nicht zuletzt habe „Gott eine Tochter Kleinschenks berufen, sich einzubringen", nämlich Carmen Schuster.

Altbischof Christoph Klein fragte in der Predigt auch: „Was geht in uns vor, wenn wir nach Jahren diese wunderbare Orgel wieder erklingen hören? Worüber staunen wir? Wir staunen darüber, was sich hier in Kleinschenk alles getan hat: Das Pfarrhaus wurde renoviert und der Begegnung und der Gemeinschaftspflege gewidmet, die ehemalige Schule ist mit Leben erfüllt worden und vieles andere mehr." Das reiche Kulturerbe, auch hier in Kleinschenk sei eine Gabe. Diese Gabe sei ihrerseits eine Aufgabe, diese „Schätze zu bewahren, zu erneuern und sie nutzbar zu machen für die Gemeinschaft". Es handele sich nämlich nicht nur um museale Objekte, sondern um Orte der Begegnung: „Solche Kirchenburgen sind weiterhin Stätten, in denen die Herrlichkeit Gottes wohnt. Auch dort, wo nur noch selten Gottesdienst gefeiert werden kann. Diese Kirchenburgen haben Öffentlichkeitscharakter, sie sind repräsentativ für die gesamte Ortschaft, sie stehen im Zentrum, sind Orientierungspunkt, Wahrzeichen, Visitenkarte und haben auch dadurch ökumenischen Charakter. Sie sind anvertraute Pfunde, mit denen wir wuchern müssen". Auch Altbischof Klein stellte fest: „Wir haben es mit einem Gott der Überraschungen zu tun".

Dem pflichteten auch die Vertreter der orthodoxen Kirche und der Gemeinde der Evangeliumschristen bei und auch Leonard Orban, Kulturbotschafter der Kirchenburgen. Orban sagte, dieses Ereignis gebe Hoffnung, dass die Siebenbürger Sachsen im europäischen Kontext einen neuen Platz gefunden haben, nach einem wenn auch „schmerzhaft" verlaufenen Transformationsprozess. Orban schloss mit den Worten: „Es hängt von uns allen ab, die positive gemeinsame Geschichte fortzuschreiben."

Der Vorsitzende des Siebenbürgenforums, Martin Bottesch, unterstrich seinerseits: „Es ist großartig, was hier geleistet wurde und es ziemt sich, auch die Hilfe derer zu würdigen, die anderswo leben, sowie die große Rolle der Heimatortsgemeinschaften für die Orte in Siebenbürgen hervorzuheben." Man unternehme immer mehr gemeinsam und man darf hoffen, dass bei allem „Nachhaltigkeit bestehe".

Die Kuratorin Gerda Theil sprach zunächst aus, was ihr am Herzen liegt. Sie dankte allen, die „uns von Deutschland aus unterstützt haben", aber auch der Landeskirche und vor allem Gott für das gute Zusammenleben und die gute Zusammenarbeit aller Beteiligten.

Die restaurierte Samuel-Maetz-Orgel stellten Ferdinand Stemmer und Barbara Dutli von der Honigberger Orgelbaulehrwerkstatt kurzweilig wie gewohnt vor. Die Organistin Ursula Philippi zog im wahrsten Sinne des Wortes alle Register dieses Ausnahme-Instruments.

Passend zu dem Namen des von Carmen Schuster initiierten Vereins „Contrafort" (zu Deutsch: Stützpfeiler), moderierte nach dem Gottesdienst Musikwart Kurt Philippi das Konzert des Ensembles Cantate Domino. Er benannte die Stützpfeiler im Chorraum auf Grund der fünf Stücke, die bei dem Konzert zu Gehör gebracht wurden: den Stützpfeiler der „unbeschwerten Lebensfreude" stelle das Tripelkonzert für Oboe, Oboe d'amore, Violine und Orchester von Carl Christian Friedrich Fasch (1736-1800), einem Zeitgenossen des Orgelbauers Samuel Maetz, dar; den „Lob- und Dankpfeiler" ließ die Sopranistin Melinda Samson mit Mozarts Solomotette für Sopran und Orchester, „Exsultate, jubilate" KV 165 erklingen; einen „Klagepfeiler" nannte Kurt Philippi ein von Ursula Philippi vorgetragenes kurzes Orgelstück aus dem von Michael Dressler 1855 verfassten Orgelbuch; das Duett und der Choral aus der Kantate „Ärgre dich, o Seele nicht" BWV 186 von Johann Sebastian Bach bildete den „Stützpfeiler des Trostes", dargeboten von den vier Gesangsolisten Melinda Samson, Liliana Bizineche (Mezzosopran), Wilhelm Schmidts (Bass) und Zsolt Garai (Tenor); zuletzt ertönte mit  dem Choral von Bach „Wohl mir, dass ich Jesu habe" der „Stützpfeiler der Zuversicht".

Zuversicht verheißen wohl auch zwei Bibelsprüche, die in der Kirchenburg zu lesen sind: An der Orgelempore zu lesen ist folgender Vers aus dem 26. Psalm: „Herr ich habe lieb die Stätte deines Hauses als den Ort, wo deine Ehre wohnt"; über dem Eingang in die Kirche prangt „Glaubet ihr nicht so bleibet ihr nicht" (Jesaja 7,9).

Beatrice UNGAR

 

 

Bild links: Die Trachtenträger kleideten sich in dem ebenfalls sanierten Pfarrhaus um und stellten sich im Pfarrgarten zum Gruppenbild auf; Bild Mitte: Die Orgel; Bild rechts: Die restaurierte Kirchenburg und davor die restaurierte Schule, in der ein Begegnungszentrum eingerichtet ist.                                                                                               Fotos: die Verfasserin