Heimweh als Lebens- und Kraftquelle

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Die Orgel in der Großalischer evangelischen Kirche wurde neu eingeweiht

 

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Als ein starkes Zeichen der Hoffnung bezeichnete Bischof Reinhart Guib die Tatsache, dass die Großalischer knapp drei Jahre nach der Wiedereinweihung der Kirchenburg die restaurierte Schneider-Orgel im Rahmen eines Festgottesdienstes wiedereinweihen können. Bischof Guib war es auch damals, der Anfang September 2015 gemeinsam mit Ortspfarrer Hans-Bruno Fröhlich die restaurierte Kirche wiedereingeweiht hatte. Bei der Wiedereinweihung der Orgel am Sonntag, dem 30. Juli d. J., stand ihnen die rührige Kuratorin Elfriede Hermann zur Seite.

 

Die Restaurierung des einzigartigen Instruments hatten die Mitarbeiter der Honigberger Orgelwerkstatt unter Anleitung von Arpad Magyar und Barbara Dutli durchgeführt. Orgelbaumeister Ferdinand Stemmer intonierte die Orgel und stellte sie dann im Anschluss an den Festgottesdienst am Sonntag ausführlich vor, wobei der Organist Erich Türk regelrecht „alle Register” zog und ertönen ließ. Unglaublich kräftig klingt die Orgel, davon waren alle vier Organisten begeistert, die das Instrument im Rahmen der feierlichen Wiedereinweihung erklingen ließen. Zunächts der Schäßburger Stadtkantor Theo Halmen, der mit dem Schäßburger Kirchenchor angereist war, der mit „Lobsinget Gott dem Herrn” den Gottesdienst einleitete. Dann Peter Kleinerth (Frauenstein/Deutschland), der zur Zeit im Mediascher Kirchenbezirk tätig ist und schließlich Ursula Philippi und Erich Türk, die zunächst jeweils alleine und zum krönenden Abschluss ein vierhändiges Werk von Adolf Hesse zu Gehör brachten.

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Nahezu unglaublich ist aber die Geschichte der Spenderin, die eigentlich die Orgelrestaurierung ermöglicht hat. Die 1919 in Großalisch geborene, heute 98-jährige Sara Renate Heiliger geb. Zakel konnte zwar nicht dabei sein bei der Wiedereinweihung, so berichtete der beherzte HOG-Vorsitzende Wilhelm Paul, wie es zu dieser Unterstützung gekommen sei. Kurzum: Es war wohl Heimweh. Sie heiratete 1942 einen Wehrmachtsoldaten, verließ 1943 ihren Heimatort und lebt seither in Deutschland. Seit 1945 verwitwet, hat sie nie wieder geheiratet und immer an ihren Geburtsort und ihre Familie gedacht. Als sie von der anstehenden Orgelreparatur erfuhr, sagte sie zu, die gesamten Kosten zu übernehmen. Paul musste dafür regelmäßig über den Fortgang der Arbeiten berichten. Paul schreibt auch die beeindruckende Lebensgeschichte der Großalischerin auf. Man darf auf das Buch gespannt sein.

Beatrice UNGAR

 

Foto 1: Ein vierblättriges Organisten-KleeblattTheo Halmen, Peter Kleinerth, Erich Türk und Ursula Philippi (v. l. n. r.) – bestritt den musikalischen Teil bei der Einweihung der restaurierten Orgel in der evangelischen Kirche in Großalisch.

Foto 2: Bischof Reinhart Guib auf der Kanzel der Großalischer Kirche.

Fotos: Beatrice UNGAR