„Peer Gynt” ohne Edvard Grieg

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Drei Premieren des Hermannstädter Balletttheaters auf dem Großen Ring

 

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Schon allein da die Musik von Edvard Grieg Ibsens Stück überhaupt weltweit bekannt gemacht hat, zeigt, wie manche Werke einen ganz anderen Weg einschlagen, als ursprünglich gedacht. Schließlich war es der norwegische Dramatiker gewesen, der 1874 Edvard Grieg bat, die Musik für das Bühnenstück „Peer Gynt” zu komponieren, das die norwegische Lebensart jener Zeit in einem ironischen Unterton beschreibt. Am 24. Februar 1876 wurde Ibsens „Peer Gynt” mit Griegs Komposition im Christiania-Theater in Oslo uraufgeführt.

Knapp 140 Jahre danach, am 21. Juli 2017, führte das Ensemble des Hermannstädter Balletttheaters „Peer Gynt” als Ballett in der Choreographie von Aleisha Gardner (Australien) und vor einem filigranen Bühnenbild von Mariia Ermolenko (Russland) auf dem Großen Ring auf.

 

Edvard Grieg hatte in einem Brief an Frants Beyer vom 27. August 1874 zur Musik von „Peer Gynt” geschrieben: „Es ist ein schrecklich hartnäckiges Stück, einige Stellen, außer z. B. Solveigs Lied […] Und ich komponierte auch etwas für die Halle des Bergkönigs und ich kann es buchstäblich nicht anhören, wie es sich an Kuhfladen, Norwegentümelei und Selbstgenugtuung klammert. Ich gehe aber davon aus, dass die Ironie herüberkommt.” .

Was so fest miteinander verwoben ist – wer „Peer Gynt” hört, denkt zunächst an Grieg, wer Grieg hört an „Peer Gynt” – aufzulockern, aufzubrechen und für den Menschen der Gegenwart verständlich zu machen, diesem Wagnis stellte sich das Balletttheater Hermannstadt. Für den Cellisten Makcim Fernandez Samodaiev ging damit ein langgehegter Traum in Erfüllung. Er und seine Gattin, die Pianistin Monica Florescu, komponierten weite Teile der Musik für das Ballett „Peer Gynt”, und interpretierten sie auch, dazu brachten sie auch Werke von Alfred Schnittke (Epilog aus dem Ballett „Peer Gynt” für Cello, Klavier und Chor, Suite im alten Stil und die Sonate Nr. 1, Teil II) und Dmitri Schostakowitsch (2. Teil der Sonate op. 40) zu Gehör.

Das Ergebnis war überraschend frisch und ein Erlebnis für alle Zuschauer, die an diesem Abend bei der Schlussvorstellung der Spielzeit 2016/2017 des Hermannstädter Balletttheaters dabei waren und minutenlang Stehapplaus zollten.

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Vielleicht gastiert die Ballett-Version auch einmal bei dem seit 1928 stattfindenen Peer Gynt-Festival in Norwegen.

Im Vorfeld der im Mittelpunkt des Abends stehenden „Peer Gynt”-Premiere zeigten die Tänzerinnen und Tänzer zwei weitere Produktionen in Premiere. Zunächst das Choreographie-Debüt des Tänzers Kirill Ermolenko, „Eine Geschichte über Seele und Leib” (Musik Claude Bolling), im neuklassischen Stil. Im Anschluss „Die Ernte” (Musik: Zoe Keating, Ben Frost, Johannes Brecht, Jóhann Jóhannson) in der Choreographie des knapp 19-jährigen britischen Tänzers Jacob Connor, der seit 2016 Mitglied des Hermannstädter Ensembles ist.

Beatrice UNGAR

 

Foto 1: Mit der Premiere Peer Gynt” nach Henrik Ibsen schloss das Hermannstädter Balletttheater am Freitag die laufende Spielzeit ab. Mit diesem Ballett wird am 15. September d. J., 19 Uhr, im Thaliasaal die 16. Auflage des Hermannstädter Opernfestivals eröffnet. Lesen Sie mehr dazu auf Seite 5. Unser Bild: Szenenfoto mit Kirill Ermolenko (Peer Gynt) und Florette Jager (die Frau in Grün).                                            

 

Foto 2: Makcim Fernandez Samodaiev (links außen) und seine Gattin Monica Florescu begleiteten am Cello bzw. am Klavier das Geschehen auf der Bühne.                                                       

Fotos: Ovidiu MATIU