Ein „junger Cineast”

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Interview mit Cristian Mungiu in Cannes

 

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Cristian Mungiu, der in Cannes die Jury der Cinéfondation präsidierte, sprach auch im Shortfilmcenter über seine Karriere und antwortete dann auch noch auf persönliche Fragen einiger vorwiegend jungen Teilnehmer. Im Anschluss daran gewährte Mungiu dem HZ-Mitarbeiter Claus R e h n i g folgendes Interview:

 

Ich sah Sie da mit den jungen Leuten sprechen und das war sehr sympathisch…

Ich denke, dass ich ein junger Cineast bleibe, ich versuche immer ich selbst zu bleiben. Ich schau nicht auf das, was ich gemacht habe, sondern den nächsten Film. So fühle ich mich Leuten nah, die ihre Karriere beginnen, denn ich weiß, jedesmal wenn man einen neuen Film beginnt, fängt man von vorne an. Und es zählt nicht immer die Erfahrung, sondern auch ein frischer, neuer Blick.

Der Kurzfilm ist nicht Ihre Stärke?

Ich bin nicht für Kurzfilme geeignet, weil ich Zeit brauche, ich will immer die Dinge kompliziert machen, einen komplexen Diskurs, mehrere Themen gleichzeitig. Ich habe immer versucht, eine persönliche Geschichte in meinen Filmen zu haben und eine etwas universellere. Also habe ich in einem Kurzfilm, der sich auf einen kleinen Augenblick konzentrieren muss, nicht genügend Zeit. Ich liebe es, mehrere kleine Szenen zu haben, die dann ein etwas größeres Ganzes ergeben. Es ist gut, mit Kurzfilmen zu beginnen, danach muss man sich fragen, ob man für kurz oder lang besser geeignet ist.

Ihre Karriere begann hier in Cannes?

Es war nicht einfach, hier in Cannes mit dem ersten Film zu sein, aber ich war sehr entschlossen. Ich wollte unbedingt hierher mit meinem Film. Für mich macht das den Unterschied. Es ist sehr wichtig für eine spätere Karriere, wenn man sagen kann, man hat in Cannes angefangen. Es war nur in der Quinzaine, aber das zählt wegen des Prestiges von Cannes.

Was machen Sie zur Zeit?

Im Augenblick bin ich dabei, den neuen Film von Jacques Audiard zu coproduzieren und zwei andere Filme und ich habe in Bukarest ein Festival organisiert. Ich bin nicht nur Regisseur, sondern versuche auch jungen Cineasten ein Publikum zu verschaffen, denn wenn man nicht an die Zuschauer denkt, verliert man sie.

Wie kam der Sprung in die Produktion zustande?

Wenn man eine kleine Produktionsfirma für sich hat, hat man ein Büro und Leute, die dort arbeiten und die müssen was zu tun haben, sonst langweilen sie sich. Ich selbst mache nicht jedes Jahr einen Film und habe mich entschlossen, außer meinen Filmen noch andere zu machen und zu verleihen, anderen Regisseuren zu helfen. Das nimmt viel Zeit in Anspruch, aber das Resultat ist da, die Filme finden ein Publikum.

Danke für das Gespräch.

 

Cristian Mungiu.

Foto: IMDb