800 Portionen Gulasch im 500-Liter-Kessel

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8. Auflage der Hungarikumtage im Freilichtmuseum gefeiert

 

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Mit 16 Kesseln auf 15 Kochstellen traten die Hobbyköche und ihre Teams im Gulaschwettbewerb im Rahmen der 8. Auflage der Hungarikumtage – die zwischen dem 29. Juni und dem 2. Juli – stattgefunden haben, am 1. Juli im Freilichtmuseum in Hermannstadt gegeneinander an. „Das Niveau ist gewachsen“, stellte Csányi Sándor fest, der gerade die Kostproben verkostet hatte. Im vergangenen Jahr hatte ihm kein Gulasch so richtig gefallen, ganz anders aber in diesem Jahr: der Siegergulasch war schnellstens von der Jury ermittelt worden. Csányi Sándor, bekannt auch als der Gulaschkönig war nun zum zweiten Mal als Ehrengast dabei und Präsident der Jury am Samstag. Am Sonntag kochte er selber einen 800 Portionen beinhaltenden Riesengulasch in einem 500 Liter fassenden Kessel. Insgesamt 10.000 Besucher sollen an diesem Wochenende durch die Pforten des Freilichtmuseums getreten sein.

 

Die Veranstaltung startete wie auch im Rahmen von anderen Auflagen mit einer Konferenz zum Thema Hungarika und Transilvanica. Eingeladen war Szakáli István Loránd, stellvertretender Staatsekretär für Agrarentwicklung und Hungarika in Ungarn, der auf das Hungarikumgesetz einging, das in Ungarn im April 2012 vom Parlament verabschiedet wurde und das bereits im Rahmen anderer Hungarikum-Auflagen vorgestellt wurde. Eine Neuigkeit war nun, dass das bauliche Erbe in Eisenburg/Rimetea oder „Torockó“ wie die Ortschaft in Siebenbürgen von den Ortsansässigen genannt wird, in die Hungarikum-Wertebank aufgenommen wurde. Insgesamt soll es gegenwärtig 67 Hungarika, also typisch ungarische Werte, geben. Die Hungarika sind für Ungarn charakteristische Produkte, nationale Werte, Landschaften, künstlerische und ideelle Leistungen.

2015 wurde das Gesetz dahingehend geändert, dass auch typisch ungarische Werte von außerhalb der Grenzen Ungarns einbezogen werden können. Ein wichtiger Aspekt sei, dass das System von unten nach oben gedacht ist, es gebe hier nichts verpflichtendes, wobei Werte u. a. von Zivilgesellschaften, von Angehörigen der jeweiligen Gemeinschaften vorgeschlagen werden können. Es sei ein offenes Gesetz, ein Gesetz, das neben den ungarischen Werten genausogut die Werte derjenigen Nationalitäten schätze, mit denen die Ungarn so lange in Symbiose gelebt hatten, erklärte Szakákli. In der Hungarikum-Sammlung gäbe es zahlreiche solcher Werte die herkunftsmäßig nicht ungarisch seien, wie der Mohatscher Maskenkarneval, ein ehemaliger südslawischer Brauch, der heutzutage von den Ungarn auch als der ihrige angesehen werde. Die Csabaer Wurst knüpfe sich an die im Komitat Békés lebenden Slowaken. Ein weiteres Beispiel sei die 100 Mitglieder zählende Zigeunerkapelle „100 Tagú Cigányzenekar”.

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Das Gesetz soll übrigens ein Erfolg sein, über 1.000 lokale Wertebanken sollen in den sechs Jahren zustande gekommen sein. Die Identifizierung der Werte soll ein identitätsbauende Funktion haben und zugleich die Kraftquelle einer Gemeinschaft sein, woraus u. a. Wirtschaftsentwicklungsstrategien, Tourismusentwicklungsstrategien entwickelt werden können.

Die Leiterin der Kommission zur Aufnahme von Hungarika in die Siebenbürgische Wertebank, Hegedüs Csilla, sagte, derzeit seien 37 Werte in die siebenbürgisch-ungarische Wertebank aufgenommen worden, über weitere 15 werde gegenwärtig verhandelt. Es sei aber auch die landschaftseinheitliche Wertebank Nyárádmente vorhanden, wo 51 Werte vorhanden seien. Insgesamt funktioniere diese in neun Landkreisen, inklusive im Kreis Hermannstadt, außerdem gäbe es etwa 15 Ortschaftswertebanken und 2 landschaftseinheitliche Wertebanken. Das Transilvanikum sei übrigens ein traditionelles Produkt, das noch vor dem Hungarikum unter Schutz gestellt worden sei. In Siebenbürgen wurde vor über 130 Jahren der siebenbürgisch-ungarische Verband für öffentliche Bildung EMKE ins Leben gerufen. Seitdem sollen verschiedenste Listen im Zusammmenhang mit den Transilvanika, heute Hungarika ,hier angefertigt worden sein.

Im Rahmen der Konferenz übergab der Leiter des ungarischen Kulturbüros in Hermannstadt Serfőző Levente den Antrag an Hegedüs Csilla zur Aufnahme des Brauches des Hahnenschlagens in Sakadat in die Siebenbürgische Wertebank. Näheres zu den Hungarika findet man auf ungarisch oder englisch unter www.hungarikum.hu. Am Schluss der Konferenz gab es das Hungarikum „Unicum“-Kräuterlikör zum Verkosten.

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Dabei war auch Alin Chipăilă von dem Tourismusverein des Kreises Hermannstadt, der die Gastronomische Region Hermannstadt vorstellte. Mirela Crețu und Mirela Iancu vom Astra-Museum begrüßten ebenfalls die Anwesenden. Ein Ziel sei die Veröffentlichung des Faltblatts des Freilichtmuseums sowie des Faltblatts zur Schatzsuche und der zehn thematischen Wegen auf Ungarisch, die beim Eingang kostenlos erhältlich sein werden. Boda Szabolcs, von der Organisation Élő Erdély, erzählte, wie Fahrradtouren mit u.a. Entdeckung, Dokumentierung von Werten verbunden werden können.

Innerhalb der Hungarikumtage gab es auch dieses Mal Vernissagen, wobei die Schüler des Technologischen Lyzeums Kós Károly im Ratturm und die Lehrer desselben Lyzeums im Touristeninformationszentrum im Rathaus ausstellten. Eine interessante Geschichte konnten die Teilnehmer mitverfolgen im Rahmen der Theatervorstellung „Kié ez az ország?“ des Udvari Kamaraszínház aus Ungarn, in der eine Schauspielerin auf dem Höhepunkt ihrer Karriere nach Jahren ihren in Siebenbürgen zurückgelassenen Sohn László sucht, der inzwischen von einer rumänischen Familie als „Vasile” großgezogen worden ist.

Ein buntes Treiben gab es während den Hungarikum-Tagen auch in diesem Jahr im Freilichtmuseum am Samstag und am Sonntag. Csárdásklänge hörte man beim Näherkommen, Rauchfahnen traten unter 18 Kesseln hervor, Handwerker boten ihre Produkte an, an den Tischen wurde das „Igazi Tiltott Sör“ (das echte verbotene Bier), das im vergangenen Jahr noch den Namen „Igazi Csíkí Sör” trug, genossen. Wie bekannt gab es Prozesse mit Heinecken. Aber auch das Hermannstädter Bier „1717 Bere Artizanală” wurde da in einer Ecke angeboten. Jedermann wartete gespannt auf den Augenblick. Wer wird denn in diesem Jahr der Gewinner des Gulaschwettbewerbs sein? Noch wichtiger aber war für die Anwesenden das Stillen des eigenen Hungers nach der Preisverleihung. Präsidiert wurde die Jury zum zweiten Mal von Gulaschkönig Csányi Sándor. Er hatte im vergangenen Jahr den Teilnehmern einige Tipps gegeben, was ein Gulasch sei. Und scheinbar soll es nun geholfen haben. „Der Gulaschwettbewerb in diesem Jahr hatte ein höheres Niveau als im vergangenen Jahr“, sagte Csányi. Den Teilnehmern erklärte er kurz, worauf sie noch hätten achten müssen. Der eine Gulasch soll sehr viel Dill enthalten haben, der andere zu viele Tomaten und war eher ein Letscho. Man dürfe zwar diese Gewürze benützen, nur diese dürften nicht dominant werden. Vor allem im Falle der intensiven Gewürze müsse man aufpassen. „Alles in allem: der Gulaschwettbewerb hier hatte ein gutes Niveau, sagte Csányi. „Ich bewerte ihn als nicht minderwertiger als jedwelchen anderen Gulaschwettbewerb in Ungarn“.

Der einzige Teilnehmer und zugleich Gewinner des Wettbewerbs in der Kategorie Unternehmer war die Mannschaft Cabana Nora mit dem Vertreter Banea Ioan. In der Kategorie Amateure ging der 3. Platz an die Mannschaft „Medical Corp” die nun zum ersten Mal an dem Gulaschwettbewerb im Rahmen der Hungarikumtage teilnahm. Der zweite Platz ging an „Polonicu’ lui Sorin”, wo in der Mannschaft auch begeisterter Afrikaner mitgekocht hatte, der den Gulasch scherzend „African Goulash” bezeichnete.

Der Preis für den allerbesten Gulasch, den jedes Jurymitglied sofort als die Nummer 1 einstufte, ging an die Mannschaft der Tiergartens „ZOO Team”. Die Mannschaft hatte gleich mit zwei Kesseln teilgenommen und mit dem einen wurde auch voll ins Schwarze getroffen. Den Preis übernahmen die beiden Vettern Zöldy Cristian und Zöldy Tiberiu, die nun Csányi Sándor einlud, um an dem 19. Gulaschfestival im August in Szolnok teilzunehmen. Die beiden hatten auch an den vergangenen Auflagen fast immer teilgenommen, allerdings nicht in der selben Mannschaft. Das erzielte Ergebnis sei auf jeden Fall „unerwartet” gekommen.

Am Sonntag kochte der Gulaschkönig den „Alföldi Csipetkés Marhagulyas”, einen Gulasch mit der Schutzmarke HIR-(Hagyományok-Ízek-Régiók,/Bräuche, Geschmäcker, Regionen), und zwar gleich 800 Portionen auf einmal in einem 500-Liter-Kessel. Klingt auf den ersten Blick viel, aber nichts verglichen damit, dass er im Jahr 2006 7.500 Portionen, insgesamt drei Tonnen Gulasch, in einem über 4.000 Liter fassenden Kessel gekocht hatte, womit er immer noch den Weltrekord hält.

Werner FINK

Foto 1: Die von dem Ungarischen Kulturzentrum HID veranstalteten Hungarikum-Tage fanden in diesem Jahr vom 29. Juni bis zum 2. Juli zum achten Mal statt. Neben Konferenzen, Vernissagen, Kostproben, Theater stellte der Gulasch-Kochwettbewerb für das Publikum die wichtigste Attraktion dar. Unser Bild: Das Team von der Nora-Schutzhütte aus Râu Sadului war das einzige Profi-Team bei dem Gulasch-Kochwettbewerb am 1. Juli im Freilichtmuseum im Jungen Wald; Mircea Rambu (links beim Rühren im Kessel) war aus Mediasch angereist, um seinem Patenonkel Ioan Banea, dem Besitzer der Hütte, beim Kochen zu helfen.                                    

 

Foto 2: Szenenfoto aus der Theatervorstellung „Kié ez az ország?“ des Udvari

Kamaraszínház aus Ungarn auf der Bühne des Gong-Theaters für Kinder und Jugendliche.

 

Foto 3: Eine Verkostung des Unicum-Kräuterlikörs gehörte zu den kulinarischen Höhepunkten.

Fotos: Werner FINK