Tischlern und Schmieden

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Projekt der Wandergesellen mit Roma-Jugendlichen

 

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Man soll das Eisen schmieden, solange es heiß ist. Dieses alte Sprichwort wurde im wahrsten Sinne des Wortes im Innenhof des Geschichtemuseums zu Hermannstadt umgesetzt. Zwei einheimische Wandergesellen zogen die Lehrerkluft an und brachten Jugendlichen das Schmieden und Tischlern bei. Mit viel Ernsthaftigkeit und Begeisterung, versteht sich. „Holz- und Metallgewerke in Siebenbürgen – Gestern, heute und morgen“. So lautete der Titel des neuesten Projekts des Vereins „Gesellenherberge Hermannstadt“, das in den vergangenen zwei Wochen (26. Juni – 7. Juli) in Zusammenarbeit mit dem Brukenthalmuseum und mit Unterstützung der Allianz Kulturstiftung und der Deutschen Gesellschaft e.V. im Innenhof des Geschichtemuseums Hermannstadt stattgefunden hat.

 

Die Idee zu diesem Projekt entstand schon im Dezember vergangenen Jahres. Ziel des Workshops war, den Jugendlichen neue Perspektiven zu bieten, ihnen ein Handwerk vorzustellen, und das Interesse zu wecken, ein Handwerk zu erlernen. Zur Zielgruppe gehörten Jugendliche der Roma-Minderheit und aus sozial benachteiligten Familien. Je zehn junge Erwachsene nahmen pro Woche an dem Workshop teil. Sie lernten dabei in mühsamer Handarbeit einen Stuhl herzustellen. Die Rückenlehne und der Sitz wurden aus Holz gezimmert, während die Beine aus Eisen geschmiedet wurden. Schritt für Schritt. Am vergangenen Dienstag, dem 4. Juli, durften die Teilnehmer/innen das heiße Eisen schwungvoll mit dem Hammer bearbeiten. In dieser Gruppe waren mehr Mädchen dabei. „Ich dachte zuerst wir werden Holz verarbeiten, was mir aus der Schule bekannt war. Als ich jedoch die Schmiede sah, hab ich mich ein wenig erschreckt“, erzählt Gabriela Oală, eine sechzehnjährige Schülerin des Avram-Iancu-Lyzeums Hermannstadt. „Es war zum ersten Mal, dass ich richtig körperliche Arbeit verrichten durfte. Es ist schwer, aber auch schön und vor allem angenehm zu wissen, dass man selber mit den eigenen Händen etwas erschaffen kann.“ Gabriela möchte nach dem Schulabschluss Möbeldesignerin werden. Also wird der Stuhl, den sie während des Projektes baut, ihr erstes Möbelstück sein. „Ich hoffe, es wird ein schöner Stuhl. Ich werde ihn nach Hause mitnehmen und als Dekoration zur Schau aufstellen, damit er nicht kaputt geht“, sagt Gabriela und hält ihre bislang drei geschmiedeten Stuhlbeine in den Händen.

Die beiden Lehrer, Stefan Walter und Matthias Kregel sind voller Enthusiasmus bei der Arbeit und helfen den Jugendlichen mit Rat und Tat. Matthias Kregel ist 39 Jahre alt und schon seit 7 Jahren in Hermannstadt zu Hause. Er findet, dass es hier, dieselben Probleme gibt, wie in Deutschland: Keiner wolle ein Handwerk erlernen. „Viele schrecken vor körperlicher Arbeit zurück. Die erste Gruppe, die beim Workshop mitgemacht hat, war zuerst begeistert. Aber als die Jugendlichen gemerkt haben, dass es mit Arbeit verbunden war, hat die anfängliche Euphorie schnell nachgelassen. Ich denke es hat mit der Generation zutun und weniger mit der Erziehung oder mit dem Umfeld, in dem die Kinder aufwachsen“, findet Matthias.

Parallel zu den Workshops für Jugendliche fand auch ein Workshop für Roma-Kinder statt, bei dem Mitglieder des Vereins „Primitiv Entertainment“ zusammen mit den Kindern kleine Ohrringe und Anhänger aus Holz bemalten. Außerdem durften die Kinder mit Pfeil und Bogen schießen und riesige Seifenblasen fliegen lassen. Den entstandenen Holzschmuck nahmen die Kinder mit nach Hause. Im Rahmen des Projektes wurde auch eine Ausstellung gezeigt. Auf großen Plakaten wurde einerseits die Geschichte der Wandergesellen und andererseits die Entwicklung der beiden traditionellen Handwerke Tischlerei und Schmiede veranschaulicht und konnte im Innenhof des Geschichtemuseums bewundert werden.

Für die jungen Workshop-Teilnehmer war das Projekt „Holz- und Metallgewerke in Siebenbürgen – Gestern, heute und morgen“ und die Einführung in ein neues Handwerk eine schöne Erfahrung. Gabriela Oală ist sich sicher, dass ihr das Gelernte in Zukunft weiterhelfen wird, auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen.

Die Schauwerkstatt der Wandergesellen, die dieses Jahr zum zehnten Mal stattfindet, wird am 24. Juli in der Harteneckgasse eröffnet.

Cynthia PINTER

 

Stefan Walter (rechts) zeigt Gabriela Oală, wie man einen eisernen Stuhlfuß anfertigen kann.                                                  

Foto: die Verfasserin