„Beitrag der ganzen Gemeinschaft Hermannstadts“

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DeBizz und Friedrich Naumann Stiftung für die Freiheit veranstalteten „Hotspot Sibiu”

 

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Zur ersten Auflage der Veranstaltung „Hotspot Sibiu“ lud am vergangenen Dienstag das zweisprachige Wirtschaftsmagazin DeBizz gemeinsam mit der Friedrich Naumann Stiftung für die Freiheit und dem Deutschen Wirtschaftsclub Siebenbürgen ins Hilton Hotel ein, wobei u.a. Vertreter der Wirtschaft aus Rumänien und dem deutschsprachigen Raum dabei waren. Im Rahmen der Veranstaltung wurden die eingeladenen Hauptredner Bürgermeisterin Astrid Fodor für die Strategie für die Entwicklung Hermannstadts und Klaus Reisenauer, Generaldirektor der Oasis Retail & Development für die Erfolge im Immobilienbereich durch Anca Boian, Verkaufsleiterin von DeBizz ausgezeichnet. Moderiert wurde die Veranstaltung von Daniel Kaddik von der Friedrich Naumann Stiftung für die Freiheit.

 

„Was wir heute Abend erreichen wollen: wir wollen uns nicht nur um den Wirtschaftsstandort Hermannstadt, Siebenbürgen und Rumänien unterhalten , sondern auch über die wirtschaftliche Zusammenarbeit in Europa. ”, lauteten die einleitenden Worte von Daniel Kaddik „Besonders in Zeiten wo wir uns über ein Europa der zwei Geschwindigkeiten unterhalten, wo Menschen ein geeintes Europa und die wirtschaftliche Zusammenarbeit und Freiheit in Frage stellen, ist es umso wichtiger, dass wir uns darüber unterhalten, was bringt es uns eigentlich, dass wir kooperieren.”

Bürgermeisterin Astrid Fodor ging auf die Integrierte Entwicklungsstrategie von Hermannstadt ein, die sie sich vorgenommen habe in der Sitzung des Stadtrates im Juli zur Genehmigung vorzuschlagen. Das Besondere dieser Strategie sei, dass sie das „Ergebnis der Arbeit der ganzen Hermannstädter Gemeinschaft” verkörpere. Fodor hob die wirtschaftliche Entwicklung hervor und sagte u. a.: „In allen Gesprächen, die ich mit Investoren hatte, ging es um die Notwendigkeit einer dualen Ausbildung. Aus diesem Grund nimmt die duale Ausbildung in der Strategie einen besonderen Platz ein”. 2014 wurde die erste Schule für Duale Ausbildung, durch die Initiative des Deutschen Wirtschaftsclubs Siebenbürgen eröffnet. Jetzt, wo es eine gesetzliche Basis gäbe, seien die ersten zehn Verträge unterzeichnet worden, mit vier Fachlyzeen.

Ebenfalls im Rahmen der wirtschaftlichen Entwicklung lege Hermannstadt den Schwerpunkt weiterhin auf Kultur. Man habe festgestellt, dass in der Vergangenheit Kultur ein Motor der Entwicklung gewesen sei. Ein weiterer Punkt sei ebenfalls da der Bau eines Theaters und Konferenzzentrums, was aber vor 2023 auf keinen Fall fertiggestellt werden könne. Von Bedeutung sei die weitere Erschließung der Industriezone West, es gehe vor allem um das Kanalisationssystem das erweitert werden müsse, durch das Operationelle Programm für große Infrastruktur POIM ab 2018, die Schaffung von neuen Verbindungsstraßen zwischen der Industriezone West und bestimmte Viertel in Hermannstadt, die alle im städtischen Mobilitätsplan vorgesehen seien. Das sei ein weiteres strategisches Dokument, das von dem Stadtrat im Juli genehmigt werden soll. Die Erschließung der Industriezone Osten, wo alle Grundstücke zwar Privatbesitz seien, es gäbe allerdings erste Anträge für städtische Bebauungspläne in dieser Gegend.

In der Strategie seien übrigens nicht nur öffentliche sondern auch private Investitionen vorgesehen. Als Redner eingeladen war auch Eugen Iordănescu, Geschäftsführer der Handels-, Industrie- und Landwirtschaftskammer in Hermannstadt, der übrigens bei der Entwicklung der Strategie einen wesentlichen Beitrag geleistet haben soll.

Der zweite Hauptredner und von DeBizz im Rahmen der Veranstaltung ausgezeichnet war Klaus Reisenauer, ein „überzeugter Hermannstädter“, der deutsche Unternehmen überzeugte, nach Rumänien zu kommen. Reisenauer ist nämlich ein gebürtiger Hermannstädter. Er ist wie viele andere Deutschstämmige 1982 ausgewandert, ist in Deutschland seinen eigenen Weg gegangen, hat sich dort selbstständig gemacht. „Mein persönlicher Hotspot hat 2002 begonnen, als ich nach 20-jähriger Abwesenheit aus Rumänien wieder geschäftlich in Rumänien tätig geworden bin“, sagte Reisenauer. Es habe in dem Bereich in dem er investiert in Rumänien noch keine modernen Formen des Einzelhandels gegeben, die Versorgung sei eben noch nicht so gut wie heute gewesen. Er habe dann mit seinen Kunden, mit denen er in Deutschland, Tschechien und Ungarn zusammengearbeitet habe natürlich immer wieder dieses Thema angesprochen, nach Rumänien zu kommen und hier zu investieren. „So konnte ich dann 2002 die Firma Kaufland überzeugen, den Schritt nach Rumänien zu machen. Wir sind von Kaufland beauftragt worden, die Expansion hier zu starten und die ersten Standorte zu sichern“, sagte Reisenauer. 2006 habe man eine Konferenz in Bukarest organisiert, wobei bekannte Namen des Einzelhandels eingeladen wurden, wie Deichmann, Hervis-Sportbekleidungsgeschäfte, DM-Drogeriemarkt, man habe die Vertreter durch Rumänien gefahren und das Potenzial gezeigt und konnte fast alle überzeugen, eine Expansion hier zu starten. Reisenauer hat mittlerweile in ganz Rumänien Investitionen getätigt, wobei seine Gruppe auf rund 150 Mitarbeiter angewachsen ist. „Ich habe aber trotzdem nie mit Deutschland abgeschlossen, obwohl ich auch persönlich umgezogen bin nach Hermannstadt und habe dort natürlich meine Firma und meine Strukturen aufrecht erhalten um einfach auch diese Verbindung zwischen Deutschland und Rumänien aufrecht zu erhalten und um einfach auch zu sehen wo es dann in Deutschland neue Trends gibt, die man möglicherweise auch hier in Rumänien umsetzen kann“, sagte Reisenauer. „Investitionen werden hier auch in Zukunft nicht weniger werden, wir haben viele Projekte vor und was mich besonders freut, dass ich heute hier in Hermannstadt, auch von der Bürgermeisterin eine klare Strategie zu hören bekomme“.

Als Standortvorteile in Hermannstadt wurden von mehreren Rednern die kulturelle Vielfalt, die prägende deutsche Kultur erwähnt, die deutschen Bildungseinrichtungen, die Tatsache, dass die deutsche Sprache hier von vielen beherrscht wird.

Das zweisprachige Wirtschaftsmagazin Debizz ist seit 15 Jahren in Rumänien aktiv. Bis vor zwei Jahren war das Magazin deutschsprachig und vor zwei Jahren wurde es zweisprachig und zwar deutsch-rumänisch. „Damit wollen wir eine Brücke zwischen der deutschsprachigen Geschäftsgemeinschaft in Rumänien, Investoren aus Deutschland, Österreich und der Schweiz und den rumänischen Investoren bilden”, sagte Anca Boian. Vor zwei Jahren habe man angefangen, in Rumänien auch Businessveranstaltungen zu organisieren, erst in Bukarest, dann in einigen Großstädten Rumäniens wie Klausenburg und Kronstadt. In Hermannstadt war es nun die erste Auflage. „Ich hoffe, es wird zu einer Tradition werden, und wir werden uns im nächsten Jahr hier wieder treffen”, unterstrich Boian.

Werner FINK

 

Foto 1:  Moderator Daniel Kaddik, Bürgermeisterin Astrid Fodor, Flughafen-Generalmanager Marius Ioan Gîrdea und Projektkoordinator Raimar Wagner (v. l. n. r.)

 

Foto: der Verfasser