Brukenthal und die siebenbürgische Erinnerungskultur

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Eine hochkarätige internationale AKSL-Tagung in Hermannstadt

 

5-Wien,-Autor-Michael-Kreis

„Samuel von Brukenthal und die siebenbürgische Erinnerungskultur” – so der Titel einer Tagung, die Mitte Juni vom Arbeitskreis für Siebenbürgische Landeskunde (AKSL) in Hermannstadt veranstaltet wurde. Generalthema der Tagung war das 200. Jubiläum des Brukenthal-Museums. Dieses wissenschaftliche Treffen hatte einen besonderen Charakter, u.a. weil es die 50. Tagung des AKSL darstellte. An den Werdegang und die Entwicklung des AKSL wurde in der Mitgliederversammlung des Arbeitskreises gedacht.

 

Bekanntlich war Samuel von Brukenthal die herausragende Persönlichkeit der Siebenbürger Sachsen am Ende des 18. Jahrhunderts, der aus Leschkirch stammend zum Gubernialsekretär und anschließend zum Gouverneur von Siebenbürgen aufgestiegen war. Durch seine Sammlungen im später nach ihm benannten Brukenthal-Museum in Hermannstadt wurde dieses das erste und größte europaweit bekannte Museum Südosteuropas. Brukenthals politische und kulturell vielfältige Tätigkeit in seiner 10-jährigen Amtszeit und nicht zuletzt seine Gärten führten dazu, dass Brukenthal der wohl herausragendste Siebenbürger Sachse seiner Zeit war.

Zweieinhalb Tage dauerte die Veranstaltung. Sie beinhaltete ein dichtes Programm, in dessen Vorfeld Hon-Prof. Dr. Konrad Gündisch eine 10-tägige Studienreise aus dem Westen Deutschlands bis nach Siebenbürgen geleitet hatte. Die Studienfahrt führte zu den wichtigsten Städten, in denen Brukenthal sich aufgehalten hat und die mit seiner Zeit – dem Barock – zusammenhängen wie: Jena, Halle, Leipzig, Wien, Budapest, Szeged und Hermannstadt.

Die Tagung selbst – ihre Eröffnung fand in der Aula der Brukenthalschule am Huet-Platz statt – wurde nach einer Begrüßung von Dr. Ulrich A. Wien (Landau), Vorsitzender des AKSL, eröffnet. Direkt daran schloss sich die Festansprache mit dem Titel: „Siebenbürgen im europäischen Kontext des 18. Jahrhunderts, Kontinuitäten und Zäsuren”. Vortragender war der bekannte Grazer Historiker Prof. Dr. Harald Heppner.

Ort der Tagung war am Samstag darauf das Blaue Stadthaus des Brukenthalmuseums am Großen Ring. Sie beinhaltete ein dichtes Programm mit hochkarätigen wissenschaftlichen Mitteilungen, unterbrochen von kurzen Diskussionsrunden in Anwesenheit von nahezu 100 Zuhörern. Der erste Schwerpunkt der Tagung trug den Titel: „Staat – Staatsmann – Religion und Kirche”. In diesem Abschnitt referierten folgende Wissenschaftler: Dr. Horst Schuller (Salzburg): „Brukenthal in Wien und sein Verhältnis zur Siebenbürgischen Hofkanzlei”; Dr. Julia Krämer-Riedel (Köln): „Zum Verhältnis von Kirche und Ordenswesen in der Zeit der Aufklärung am Beispiel des Piaristenordens”;   Prof. Dr. Dres.h.c. Paul Philippi (Hermannstadt): „Brukenthal und die evangelische Kirche Siebenbürgens”; Dr. Kálmán Kovács (Szeged): „Samuel von Brukenthal und die religionspolitischen Sonderberichte der 1760er und 1770er Jahre”; Sever Cristian Oancea (Mainz): „Die Kommunikation des wahren Glauben: der Neuwiener Bischof von Kerens und Samuel von Brukenthal”; Dr. Attila Verók (Erlau in Ungarn): „Brukenthal und die erste Freimaurerloge in Halle”.

Am Nachmittag hatte die Vortragsreihe den Titel: „Museumsgründung – Stiftungswesen – Sammlungen”. Es referierten folgende: Dr. Gudrun Ittu (Hermannstadt): „Die Gründung des Brukenthalmuseums”; Dr. Rupert Strachwitz (Berlin): „Brukenthals Stiftung im Kontext des europäischen Stiftungswesens seiner Zeit”; Frank Thomas Ziegler (Kronstadt): „Kirche trifft Museum, Sammlungspolitik am Brukenthalmuseum im 19. und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts”. Nach einer Pause wurden unter dem Titel Familienbeziehungen und wissenschaftliche Kontakte folgende Mitteilungen vorgetragen: Dr. Lupold von Lehsten (Bensheim): „Genealogie Samuel von Brukenthals und seine Familie”; Rüdiger von Kraus (Boston, USA): „Siebenbürgisch-sächsischer Kleinadel im Zeitalter Brukenthals, die Familie von Kraus”; Dr. Hansotto Drotloff (Alzenau): „Brukenthal und Michael Conrad von Heydendorff”; Thomas Șindilariu (Kronstadt): „Johann Filtsch und Samuel von Brukenthal”.

Der letzte Abschnitt der Vortragsreihen hatte Gartenanlagen und Brukenthals naturwissenschaftliche Sammlungen zum Inhalt. Dr. Erika Schneider (Rastatt) referierte zum Thema „Brukenthal als Förderer der Gartenkultur in Siebenbürgen im Kontext ihrer europäischen Entwicklung” und Dr. Mariann Juha (München) über „Regnum minerale. Sammeln und Systematisieren im 18. Jahrhundert.

Den Tag schloss Prof. Dr. Konrad Gündisch ab mit einer zusammenfassenden Betrachtung mit dem Titel „Brukenthal als siebenbürgisch-sächsischer Erinnerungsort”. Am Sonntag darauf, nach einem gemeinsamen Gottesdienstbesuch in der evangelischen Stadtpfarrkirche von Hermannstadt fand eine Exkursion statt mit dem Thema: Auf den Spuren Brukenthals nach Freck, seiner Sommerresidenz und Leschkirch – dem Geburtsort Brukenthals. Zum Abschluss der Exkursion fand eine Besichtigung der Kirchenburg von Holzmengen im Harbachtal statt.

Ein dichtes Programm mit hochkompetenten Inhalten, dem wahrscheinlich auch weitere Tagungen zum Thema Brukenthal und seine Zeit folgen werden.

Hansgeorg von KILLYEN

 

Gruppenbild der Teilnehmer aus dem Ausland in Wien vor dem Maria Theresia-Denkmal. Unter dem Standbild von Maria Theresia stehen alle ihre wichtigen Männer. Der 2. von links ist Brukenthal.

Foto: Michael KREIS