„Neue Gelegenheit zur Rettung der Kirchenburgen“

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Kirchenburgenpass 2017 zum Saisonbeginn im Bischofspalais vorgestellt

 

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Der Kirchenburgenpass „Transilvania Card“ wurde zum Saisonbeginn des Jahres 2017 (1. April – 31. Oktober) im Rahmen einer Pressekonferenz am Dienstag der Vorwoche im Bischofspalais vorgestellt. In diesem Jahr bietet der Pass den Eintritt zu insgesamt 52 Kirchenburgen in Siebenbürgen. „Eine neue Saison hat begonnen, eine neue Gelegenheit ist der evangelischen Kirche A. B. in Rumänien gegeben, um Gäste zu empfangen und zu beherbergen im Umfeld der Kirchenburgen, und das mit dem Ziel zur Rettung und Förderung dieser Kirchenburgen, aber auch um von den Werten weiterzugeben“, lauteten die einleitenden Worte des Bischofs Reinhart Guib.

 

Den Kirchenburgenpass benutzten im vergangenen Jahr über 3.500 Menschen. Insgesamt erfreuten sich die sächsischen Kirchenburgen in der vergangenen Saison über 650.000 Besucher. Im Jahr davor waren es 470.000 Besucher. Der Trend sei positiv, lautete die Schlussfolgerung des Initiators des Projektes „Entdecke die Seele Siebenbürgens“, Pfarrer Stefan Cosoroabă. In der neuen Saison erwarte man 720.000 Besucher.

Der Kirchenburgenpass, der Anhand einer Mindestspende von 50 Lei erhältlich ist, ermöglicht den Eintritt u. a. zu allen Kirchenburgen, die UNESCO-Weltkulturerbe sind, sowie den evangelischen Kirchen in den sieben sächsischen Städten. Einbezogen wurde in diesem Jahr auch die evangelische Kirche in Heldsdorf/Hălchiu und erstmals auch eine Kirchenburg im Szeklerland und zwar die unitarische Kirchenburg in Därsch (rum. Dârjiu/ ung. Székelyderzs), die ebenfalls auf der UNESCO-Weltkulturerbe-Liste steht. Außerdem sind noch weitere drei sächsische Kirchenburgen zur Aufnahme in das Projekt im Gespräch. Därsch befände sich übrigens an der Grenze zum Sachsenland wodurch der sächsische Einfluss sich hier bemerkbar gemacht habe, bemerkte László Német, ein Vertreter der Gemeinde.

Zur Transilvania-Card gibt es die Landkarte der Kirchenburgen, eine Karte auf Rumänisch und Englisch, in diesem Jahr auch eine Karte auf Rumänisch und Deutsch, auf denen alle Öffnungszeiten und Kontaktpersonen angegeben sind. Gegenwärtig werden Ermäßigungen für etwa 60 Dienstleistungen durch den Kirchenburgenpass angeboten. Weitere Zusammenarbeiten in diesem Sinne sind übrigens willkommen.

In Hermannstadt ist die Card in dem Erasmus-Büchercafé und in der Schiller-Buchhandlung, im Kultours-Informationszentrum im Luxemburghaus und in der evangelischen Stadtpfarrkirche zu finden. Weiterhin ist der Kirchenburgenpass in den Städten Mediasch, Schäßburg, Rosenau, Birthälm, Szeklerburg, Kronstadt, Temeswar, Klausenburg sowie in München zu finden. Bestellen kann man den Kirchenburgenpass auch online. Genauere Infos zur Transilvania-Card gibt es auf Rumänisch, Deutsch und Englisch unter www.transil vania-card.ro

Immer mehr Anfragen seitens der Partner, die Saison zu verlängern, werde man demnächst in Betracht ziehen. Die Schwarze Kirche habe die Öffnungszeiten verlängert, um der großen Besucheranzahl gerecht zu werden. Es gebe also einen steigenden Trend. Auch im Inland sei ein steigendes Interesse für das Kulturerbe bemerkbar. Dies sei erfreulich, weil die Kirchenburgen in Siebenbürgen vor allem lokale Unterstützung nötig hätten.

In der Saison 2017 werde ein Schwerpunkt auf die Kulturveranstaltungen gelegt. Im Kulturkalender, der unter www. evang.ro zu finden ist, sind über 250 Veranstaltungen für jeden Geschmack und jedes Alter in Siebenbürgen geplant. Einige Highlights sind Ende Mai die 4. Auflage der Bike and Like-Radtour der Kirchenburgen, die vom rumänischen Nationalen Radsportverband übernommen wurde, das weltweite Sachsentreffen in Hermannstadt im August oder der Kirchentag in Kronstadt. Am 20. Mai wird in Michelsberg eine Dauerausstellung unter dem Titel „Entdecke die Seele Siebenbürgens“ eröffnet. Dieses Jahr wird eine Ausstellung mit Werken von Victor Vasarhely gezeigt, dem bedeutendsten Mitbegründer der Op-Art–Stilrichtung.

Bischof Reinhart Guib sprach die Hoffnung aus, gemeinsam mit dem Ministerium für Entwicklung in diesem oder im nächsten Jahr die Kirche in Radeln, deren Kirchturm teilweise eingestürzt war, zu sanieren.

Rothbach betreffend, wo der Kirchturm eingestürzt war, sei man im Gespräch mit dem Bürgermeisteramt über die Einbindung der Kirchenburg in die lokale touristische Tour. Zugleich arbeite man derzeit an einem neuen Projekt zur Beantragung von EU-Mitteln, durch das die Hoffnung bestehe, dass Fonds zur Sanierung für mehrere der zwanzig vorgeschlagenen Kirchen genehmigt würden, u. a. handele es sich um Heltau, Agnetheln, Keisd und Reps. Genehmigt wurde bereits die Sanierung der Hermannstädter evangelischen Stadtpfarrkirche mit über 5 Millionen Euro.

Man sei desgleichen im Gespräch mit der bundesdeutschen Regierung über ein gemeinsames deutsch-rumänisches Projekt betreffend Machbarkeitsstudien und Projekte zur Sanierung von insgesamt 40 Kirchenburgen in Siebenbürgen, die in einem sehr schlechten Zustand sind, wobei 20 von diesen von bundesdeutscher und 20 von rumänischer Seite ermöglicht werden sollen. Die Kultusminister der Bundesländer und das Bundesumweltministerium sollen bereits Interesse an einer Zusammenarbeit gezeigt haben. Gleichermaßen sei man erfreut, dass in den letzten Jahren die Vereine der Siebenbürger Sachsen aus Deutschland an einer weiteren Zusammenarbeit bei der Sanierung der Kirchenburgen interessiert sind.

Auf der Pressekonferenz dabei waren auch Präfekt Lucian Radu sowie Reiseleiter Cătălin Mureșan von Siebenbürgen Reisen der u. a. das Angebot einer speziellen Reformationsreise vorstellte. Im Anschluss stellten die Pfarrer Uwe Seidner (Wolkendorf/Vulcan), Peter Klein (Petersberg/Sânpetru) und Andreas Hartig (Zeiden/Codlea) Eigenheiten und touristische Attraktionen in den von ihnen betreuten Gemeinden im Burzenland vor.

Werner FINK

 

Bei der Pressekonferenz im Bischofspalais sprachen Pfarrer Stefan Cosoroabă, Bischof Reinhart Guib und Reiseveranstalter Cătălin Mureșan (am Vordertisch v. l. n. r.). Das Deutsche Konsulat war durch Harald Fratczak (1. v. l.) vertreten und der Hermannstädter Präfekt Lucian Radu war auch dabei (4. v. l.)                                                            

Foto: Werner FINK