„Über den Tag hinausdenken”

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Hessischer Landtagspräsident Norbert Kartmann besuchte Rumänien

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Der Hessische Landtagspräsident Norbert Kartmann (CDU) fühlte sich am Donnerstag der Vorwoche wieder in seinem Element als Pädagoge (er war vor dem Einstieg in die Landespolitik 1987 Lehrer gewesen, für evangelische Theologie und Physik): Er hielt in der Aula der Brukenthalschule vor interessierten Schülern und Lehrern einen Vortrag zum Thema „25 Jahre deutsch-rumänischer Freundschaftsvertrag und die Bedeutung der Europäischen Union”, wobei sich Kartmann gegen ein Europa mit „unterschiedlichen Geschwindigkeiten” aussprach.

 

Norbert Kartmann und Manfred Pentz, der CDU-Generalsekretär in Hessen, die diesmal parteipolitisch als CDU-Abgeordnete unterwegs waren, wurden von Martin Sieg, dem neuen Leiter des Auslandsbüros der Konrad Adenauer-Stiftung in Rumänien, begleitet, der den Besuch organisiert hatte. Die Konrad Adenauer-Stiftung, die Bildungsarbeit leistet, sei für sie hier unersetzlich. „Eine Bitte an alle Gesprächspartner war, die Möglichkeiten, die die Konrad Adenauer-Stiftung bietet, zu nutzen”, sagte Kartmann, denn „die Bildung ist ein wichtiger Bestandteil der Demokratisierung“.

Nach dem Höflichkeitsbesuch in Bukarest bei Staatspräsident Klaus Johannis hatten die zwei CDU-Politiker am Mittwoch der Vorwoche ein Gespräch mit der PNL-Vorsitzenden ad interim Raluca Turcan über die zukünftige Entwicklung und über die Schwierigkeiten. „Wir haben auch darüber gesprochen wie zukünftig kooperativ gearbeitet werden kann. Wir sind gerne bereit, als Christ-Demokraten auch regional, auch hier auf Kreisebene als Partei, dann da zu sein, wenn man uns braucht, wenn man Fragen hat“, sagte Kartmann. Man habe auch über das Thema gesprochen wie man in der Opposition agieren könne. „Opposition muss man lernen, das ist viel einfacher als Regieren, man muss es sich auch einfacher machen. Manchmal ist es auch viel schwieriger als Regieren, weil man natürlich unter Umständen weniger Gehör findet wie die Regierenden“, sagte Kartmann.

Es sei insgesamt eine Erfahrung in Bukarest gewesen, die schon anders war als bei seinen früheren Besuchen. Die Debatten über die Demonstrationen habe man ja in Deutschland sehr genau verfolgt. „Ich habe noch nie ein so großes Interesse festgestellt an dem, was in Rumänien passiert”, sagte Kartmann. „Das ist ein positives Zeichen.“ In dieser Frage habe man eine klare Positionierung. „Die Korruptionsfrage ist und bleibt ein wesentliches Element im Wertekanon der Europäischen Union. Da darf kein Zweifel herrschen“, sagte Kartmann. „Wenn ich heute in der Zeitung lese, dass der Staatspräsident gegen Begnadigung von Korruptionsdelikten ist, kann ich dazu nur sagen, das ist der richtige Weg, das entspricht EU-Richtlinien, das entspricht EU-Auffassung, das entspricht dem Wertekanon in unseren Demokratien und ich glaube, dass das auch deutlich gesagt werden muss. Es kann nicht sein, dass man die Strafbarkeit von Korruption an Beträgen festmacht.“

Dass der Staatspräsident bei den Demonstranten war, habe man als ein großartiges Zeichen gesehen, und sehr gut zur Kenntnis genommen, und sei sehr zufrieden, wie er sich an dieser Stelle positioniert habe.

In Hermannstadt traf Kartmann zufällig die Mediascher Vizebürgermeisterin und durch ihren Vater als alte Bekannte geltende Christine Thellmann, in der er eine nächste Generation sieht und die das darstellt, was in seiner Vorstellung die Perspektive für die Deutschen hier ist, wenn sie weiterhin einen Einfluss haben wollen. Nämlich, in den verschiedenen Parteien mitzumachen. Das Deutsche Forum sei noch eine starke Kraft hier, vor allen Dingen in Hermannstadt. Man müsse aber über den Tag hinausdenken.

Gespräche geführt wurden auch mit Paul Jürgen Porr, dem Vorsitzenden des Landesforums, wobei es natürlich wieder um die deutsche Minderheit in Rumänien ging. „Die Frage, wie das hier weiter geht, müssen die hier beantworten“, sagte Kartmann. Dass das deutsche Forum, eine kommunale Wählergruppe habe, sei auch klar. Das sei eine Thematik, der man sich widmen muss. Es werde auch hier mal einen Generationenwechsel geben, zwangsweise, und man müsse darauf vorbereitet sein.

Besucht wurde auch Hermannstadts Bürgermeisterin Astrid Fodor, der Kartmann und seine Begleiter zum Wahlsieg gratulierten. Kartmann hatte Fodor nämlich zuletzt mit dem Ministerpräsidenten des Landes Hessen Volker Buffier noch vor den Wahlen einen Besuch abgestattet.

Weiterhin wurde in Hermannstadt auch Bischof Reinhart Guib besucht, den Kartmann auch „meinen Bischof“ nennt. „Das ist es, was wir verstärken wollen, dass sich die kirchliche Arbeit über den Tag hinaus intensiviert“, sagte Kartmann, der auch im Diakoniebereich tätig ist. Das ehemalige Elternhaus seines Vaters ist übrigens ein Teil des von dem Mediascher Diakonieverein betriebenen Altenheims in Hetzeldorf.

Der eingangs erwähnte Vortrag an der Brukenthalschule in Hermannstadt war für Kartmann etwas Besonderes, weil er seinem ursprünglichen Beruf richtig nachgehen konnte. Kartmann hielt einen Vortrag vor interessierten Brukenthalschülern zu Themen wie 25 Jahre deutsch-rumänischer Freundschaftsvertrag, welche Bedeutung die Europäische Union hat, in Fragen von Freiheit, von Sicherheit, von Rechtsstaatlichkeit, von Wirtschaftstätigkeit und „als Dach über allem”, welchen friedenspolitischen Auftrag sie hat. „Und das hat funktioniert, bis auf den Krieg auf dem Balkan. Deshalb ist es wichtig, dass wir diese Länder ebenfalls in die Europäische Union aufnehmen, damit es auch dort Frieden gibt“, sagte Kartmann.

Anschließend folgte eine interessante Diskussionsrunde, wobei es sich herausstellte, dass die Schüler sehr interessiert und gut informiert waren. Zur Zukunft der EU meinte Kartmann: „Man kann sagen, es gibt nur einen Weg, es ist die Gemeinsamkeit auf Augenhöhe und nicht mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten“. Kartmann unterstrich, dass es um die Zukunft der Jugendlichen geht, wobei ein wichtiges Element die Freiheit ist. Eine Woche zuvor war Kartmann in Podgorica, Montenegro, wo er vor Jurastudenten ebenfalls einen Vortrag gehalten hatte.

Werner FINK

 

 

Norbert Kartmann (links, stehend) bei seinem Vortrag in der Aula der Brukenthalschule.          

Foto: Werner FINK