„Wir machen wenige, aber feine Sachen“

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Worschtkoschtprob erstmals im Banater Bergland

 

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Vergangenen Donnerstag veranstaltete die Redaktion der Banater Zeitung gemeinsam mit den Partnern Caritas Temeswar und dem Kulturhaus Bokschan das alljährige Redaktionsfest „Worschtkoschtprob“ zum ersten Mal im Banater Bergland und zwar in Deutsch-Bokschan. In diesem Jahr nahmen 14 private Hersteller mit 20 Wurstsorten am Wettbewerb teil. Der erste Preis für die privaten Hersteller ging an Oana Crsta aus Königsgnad. Der 1. Preis in der Kategorie Firmen blieb in Bokschan und ging an die Wurst von Banat Bun. Musikalisch untermalt wurde das Fest von der Blaskapelle aus Bokschan, dem Intermezzo-Trio und Vincenzo Musi-Cerra aus Reschitza sowie der Kinderband aus Lupak unter der Leitung von Dejan Matein.

 

Beim Anblick der reich gedeckten Tische mit unzähligen Banater Wurstsorten, Kuchen und anderen Leckerbissen lief bestimmt einem jeden der rund 200 Besucher das Wasser im Mund zusammen. Dazu sang das Intermezzo-Trio die „Ballade von der Bratwurst”. „Ich konnte mir nichts darunter vorstellen, als ich die Einladung auf meinem Schreibtisch fand, jetzt aber finde ich es ganz toll, es hat Traditionswert, es ist einfach phantastisch”, sagte Frank Ufken, seit August des vergangenen Jahres Vizekonsul am Konsulat der Bundesrepublik Deutschland in Temeswar.

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„Herr Professor“ wurde immer wieder da jemand in einem warm-freundlichen Ton genannt. Man fragte sich, wer denn mit diesem vornehmen Titel angesprochen werden könne? Es stellte sich heraus, dass mit „Herr Professor“ Werner Kremm gemeint war, der Cherfredakteur der Banater Zeitung. Zwischen 1974 und 1980 war Kremm in Deutsch-Bokschan Lehrer und seine ehemaligen Schüler hatten ihren damaligen Lehrer wiedererkannt. Einer dieser ehemaligen Schüler ist Ioan Liuț oder auch als Dan Liuț bekannt, der Leiter des Kulturhauses in Deutsch-Bokschan, der die Veranstaltung moderierte.

Kremm nahm im vergangenen Oktober hier teil an der Vernissage einer Ausstellung des ehemaligen Schulleiters Peter Kneip. Da stellte sich heraus, dass der Kultursaal, einst der Ballsaal des Sanatoriums eines gewissen Doktor Wellicsek, sich ausgezeichnet für die Beherbergung der Worschtkoschtprob eignen würde und ehemalige Schüler Kremms zeigten sich hilfsbereit. „Das nächste Argument, die Worschtkoschtprob hier zu veranstalten war, dass in Bokschan sehr viele Fleischverarbeiter, Wurstfabriken existieren, die seinerzeit, in den 90er Jahren von einer Opportunität der rumänischen Regierung Gebrauch gemacht haben, nämlich der Förderung der benachteiligten Gebiete. Sie haben sich hier niedergelassen und sind hier geblieben und so ist Bokschan eine Hochburg der Wursterzeugung geworden. Diese Hersteller hatten auch ihre Unterstützung zugesagt”, sagte Kremm.

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Dass mit Deutsch-Bokschan der richtige Austragungsort der diesjährigen Worschtkoschtprob gewählt war, darin bestand kein Zweifel, vor allem wenn man das Gedränge im Saal sah und immer wieder der Satz „wir haben ausverkauft” hörte. Außerdem schien in der Kategorie Firmen im Wurstverkostungswettberwerb die in Bokschan hergestellten Würste keinen Gegner zu haben. In der Kategorie Firmen ging der dritte Preis an die „Cârnați bănățeni” und der erste Preis an die „Cârnați picanți” der Firma Banat Bun in Bokschan. Der zweite Preis ging an die trockenen Premium-Würste der Firma C+C aus Temeswar.

In der Kategorie Privatpersonen ging der dritte Preis an Petru Lugojan, der zweite an Alexander Hausberger aus Lugosch, der schon seit vielen Jahren teilnimmt und sich vorgenommen hat auch in Zukunft teilzunehmen. Der erste Preis ging an die Mangalitza-Wurst von Oana Crsta aus Königsgnad, deren sechsjähriger Sohn Albert stolz den Preis entgegennahm. Oana Crsta war vor kurzem mit den Produkten des Familienkleinbetriebs auch bei der Grünen Woche in Berlin dabei. Von dem Geheimnis der Wurstzubereitung wollte Oana nichts verraten. Stammen soll es teilweise vom Großvater, der Metzger war. „Wir machen wenige, aber feine Sachen“, sagte sie stolz. „Wir haben ausverkauft”. Im Angebot des Familienkleinbetriebs gab es auch hausgemachten Cognac oder Wein.

Die wenigen Angehörigen der deutschen Minderheit haben sich übrigens auch mobilisiert, als man erfuhr, dass die Worschtkoschtprob hier stattfindet. „Wir haben mit drei weiteren Damen ein ‘Komitee’ gegründet und haben selber auch Wurst gemacht nach einem ganz alten Rezept”, sagte Helene Rieser, langjährige Vorsitzende des Deutschen Forums in Deutsch-Bokschan. Das alte Rezept soll noch von dem Metzgermeister Josef Tuschkan aus Deutsch-Bokschan stammen.

Alles in allem war die Worschtkoschtprob auch in diesem jahr ein gelungenes Fest im Banat, das sich schon einer langjährigen Tradition erfreut.

Werner FINK

 

Foto 1: Die Worschtkoschtprob” fand am Donnerstag der Vorwoche in Deutsch-Bokschan statt. Unser Bild: Den Preis für die beste Hausmacherwurst erhielt in diesem Jahr Oana Crsta aus Königsgnad/Tirol (links), ihr Sohn Albert (Bildmitte) holte den Preis ab.

 

Foto 2: Würste wohin das Auge reicht, zu probieren aber auch zu kaufen gab es für alle Geschmacksrichtungen.

 

Foto 3: „Das sieht lecker aus!” scheint Werner Kremm, Chefredakteur der Banater Zeitung und Jurypräsident beim Anblick der zahlreichen Wurstproben zu denken.

Fotos: Werner FINK