Lehrer und Schüler sind jederzeit willkommen

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Gespräch mit Ada Tănase, Leiterin des Deutschen Kulturzentrums Hermannstadt

 

Ada Tănase ist ausgebildete Deutschlehrerin und begann vor 10 Jahren am Deutschen Kulturzentrum mit Sprachkursen. Schon bald übernahm sie die Koordination der Sprachabteilung. Seit 2008 leitet sie das Deutsche Kulturzentrum Hermannstadt. Ada Tănase ist „eine waschechte Hermannstädterin“, wie sie selbst sagt. In Hermannstadt geboren, absolvierte sie im Jahr 2000 das Brukenthalgymnasium und studierte Germanistik und Anglistik an der Lucian-Blaga-Universität. Da sie zweisprachig aufgewachsen ist, hat sie eine enge Beziehung zur deutschen Sprache und Kultur. Mit Ada Tănase sprachen Christore und Teodor Bodnariuc (Elisabethstadt), Delia Maca (Mediasch), Karin und Günter Bruss (Kronstadt) und Alexandrina Bonciu (Hermannstadt), koordiniert von Annette Frings (Hermannstadt – Deutschland).

   Können Sie uns zunächst bitte etwas über Ihre Einrichtung erzählen?

Das Kulturzentrum ist ein Dreispartenhaus: Wir haben eine Bibliothek und eine Kulturabteilung, über die wir regelmäßig Veranstaltungen wie Lesungen, Ausstellungen oder Konzerte organisieren. Desgleichen veranstalten wir Workshops, wie jetzt im November einen Poetry Slam Workshop. Die dritte Sparte ist die Sprachabteilung: Unsere Deutschkurse werden vor allem von Hermannstädtern besucht, es kommen aber auch Teilnehmer von auswärts, vor allem wenn sie am Wochenende stattfinden. Ab und zu organisieren wir auch Rumänischkurse, allerdings finden diese eher selten statt, weil die Mindestteilnehmerzahl bei zehn liegt.

Wer hat hauptsächlich Interesse an den Deutschkursen des Kulturzentrums?

Viele Teilnehmer brauchen Deutsch für den Beruf oder für die persönliche Weiterentwicklung. Oft sind es auch Eltern, die ihre Kinder in deutsche Kindergärten schicken und sie auch weiter auf einer deutschen Schule sehen wollen. Bei den Einschreibungen in die Kurse hören wir oft: „Schade, dass mich meine Eltern damals nicht auf eine deutsche Schule geschickt haben, das wäre jetzt so viel einfacher!“ Viele Mütter wollen ihren Kindern bei den Hausaufgaben helfen. Auf Grund einer Umfrage wissen wir, dass vier bis fünf Prozent der Teilnehmer diesen Grund nennen. Das hat mich sehr überrascht und gefreut.

Wie kann das Kulturzentrum zur Steigerung der Deutschkenntnisse von Schülern an deutschsprachigen Schulen beitragen?

Wir haben in unseren Kursen auch Lehrer des Brukenthal-Gymnasiums und des Pädagogischen Lyzeums, die ihr Fach gegenwärtig auf Rumänisch unterrichten, aber mit dem Gedanken spielen, zukünftig zum Beispiel Mathematik oder Physik in deutscher Sprache zu vermitteln. Diese Lehrer investieren dafür wirklich viel Zeit und auch viel Geld.

Andererseits hat das Kulturzentrum ein breit gefächertes Angebot für Kinder, diese Projekte sind ein Schwerpunkt unseres Programms. Wir haben viele Veranstaltungen, in denen wir die Kinder animieren, Deutsch zu sprechen und sich spielerisch an die deutsche Sprache heranzutasten, so dass sie dann Lust und auch Mut bekommen, in einen deutschen Kindergarten zu gehen. Wir organisieren Spielenachmittage, da wird alles, so weit es geht, auf Deutsch erklärt und gespielt. Wir teilen die Gruppen so ein, dass Kinder, die schon gut Deutsch sprechen, an einem Tisch mit Kindern sitzen, die noch nicht so weit sind.

Außerdem gestalten wir Nachmittage, an denen Bilderbücher vorgelesen werden. Das Vorlesen wird ehrenamtlich von Erwachsenen übernommen, so z.B. waren der DFDR-Vorsitzende Dr. Paul-Jürgen Porr, die stellvertretende Generalschulinspektorin Christine Manta-Klemens und die Deutsche Konsulin Judith Urban bereits dabei. Das Vorlesen dauert etwa eine Stunde, obwohl man es auch in zehn Minuten schaffen könnte, aber die Gäste machen das sehr schön: Sie animieren die Kinder mitzumachen oder stellen ihnen Fragen. Das sind Veranstaltungen, die sehr gut laufen. Wir organisieren sie drei bis viermal im Monat, leider ist die Teilnehmeranzahl begrenzt, es können maximal sechzehn Kinder angemeldet werden und wir haben dann meistens eine Warteliste von über 30. Deshalb versuchen wir, möglichst oft Vorlesenachmittage zu organisieren. Die Veranstaltungen sind kostenlos, sie werden vom Auswärtigen Amt finanziert, über das Goethe-Institut.

Welche Angebote für die Grundschule haben Sie?

Wir haben Deutschkurse für Kinder und wir bieten auch sonst noch Vieles an. Es gibt Lehrerinnen, die wöchentlich mit ihren Klassen zu verschiedenen Aktivitäten kommen. Die Bibliothekarin bereitet zum Beispiel für sie 30 oder 35 Bücher vor, je nach Klassengröße. Die Schüler lesen sie, machen Steckbriefe und bekommen ein Buch mit nach Hause bis zur nächsten Woche, in der dann weiter gearbeitet wird. Die Klassen können sich auch einen Film ansehen, oder es wird ihnen vorgelesen. Ab und zu laden wir deutsche Kinderbuchautoren ein. Es ist eine ganz schöne Erfahrung für die Kinder, wenn der Autor eines Buches, das sie gerade gelesen haben, als Person vor ihnen steht und sie Fragen stellen können. Wir hatten vor vier Jahren Paul Maar hier in Hermannstadt zu Gast. Manchmal kann ein Autor auch Tipps geben, wie man selbst etwas schreibt. Wir haben jetzt wieder einen Wettbewerb für Kinder von acht bis vierzehn Jahren mit der Aufgabe, eine Weihnachtsgeschichte zu schreiben. Der letzte Wettbewerb dieser Art fand 2013 statt, als wir etwa 200 Texte bekamen. Alle Aufsätze werden von einer Jury gelesen und die lustigste, die spannendste und die kreativste Geschichte werden prämiert. Dann bündeln wir alle Texte in ein Buch und jedes Kind bekommt ein Exemplar.

Sie sind mit viel Herzblut dabei, das merkt man an der Art, wie Sie von Ihrer Arbeit erzählen. Haben Sie ein Projekt, das Ihnen besonders am Herzen liegt?

Für mich persönlich sind alle Projekte gleich wichtig. Die Arbeit hier am Kulturzentrum macht großen Spaß, auch weil wir uns bei allen Vorhaben gegenseitig unterstützen. Ich finde, dass alles bereichernd ist: Vorlesungen, Konzerte, Workshops, Autorenlesungen, Basteln.

Wie erreichen Sie mit ihrem Angebot die Schüler?

Das hängt sehr stark von den Lehrern ab. Wir versuchen immer, die Informationen an die Schulen zu bringen, aber wir sind darauf angewiesen, dass die Lehrer als Multiplikatoren agieren. Deshalb organisieren wir auch den Tag der offenen Tür und viele Aktivitäten in der Projektwoche „Schule anders“. Schüler vom Lazăr-Gymnasium zum Beispiel haben über ihre Lehrer von unserem Poetry Slam-Workshop gehört und sich auch angemeldet. Grundsätzlich ist jeder Lehrer mit seiner Schulklasse im Kulturzentrum willkommen, solange er sich beizeiten anmeldet. Es ist für uns immer wieder eine schöne Erfahrung zu sehen, dass die Kinder nach solchen Besuchen auch selbstständig kommen und sich Bücher ausleihen – ganz besonders vor den Sommerferien.

Wer besucht hauptsächlich Ihre Bibliothek?

Vor allem kommen Kinder und Jugendliche, weniger junge Erwachsene. Eingeschrieben sind etwa 300 Leser. Mehrmals jährlich werden neue Bücher angekauft und zwar Neuerscheinungen und Bücher, die von den Lesern verlangt werden oder die gerade „in“ sind. Außerdem stellen wir unseren Lesern aktuelle Zeitungen und Zeitschriften aus mehreren Bereichen und Sachbücher zur Verfügung. Von Nutzen für die Leser ist, dass sie die Bücher alle in deutscher Sprache vorfinden. Erwachsene haben eher Interesse an leicht verständlicher Lektüre, da sie vorwiegend Teilnehmer unserer Sprachkurse sind.

Wie werben Sie für Ihre Aktivitäten? Wie machen Sie sich bekannt?

Für die Kulturveranstaltungen hängen wir Plakate an die Litfaßsäulen in Hermannstadt, wir verteilen auch Flyer. Außerdem haben wir eine Homepage, aber vor allem machen wir unser Angebot auf Facebook bekannt. Diese Seite wird täglich aktualisiert.

Wir danken für das Gespräch.

 

Annette Frings, Ada Tănase, Delia Maca, Christore Bodnariuc, Alexandrina Bonciu, Karin und Günter Bruss und Teodor Bodnariuc im Gespräch in der DKH-Bibliothek (v. l. n. r.).