Partner für Kulturerbe: TransylvaNet

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Organisationen rufen Netzwerk zum Schutz des Patrimoniums ins Leben

Mehrere Nichtregierungsorganisationen (NGOs) und Institutionen aus den Kreisen Hermannstadt, Kronstadt und Muresch haben das Netzwerk „TransylvaNet” gegründet und wollen die Zivilgesellschaft stärken, indem das vorhandene Patrimonium geschützt, kapitalisiert und gefördert wird. Rund 94.000 Euro stellen die nordischen Staaten Island, Liechtenstein und Norwegen durch die SEE-Grants im Rahmen des NGO-Fonds dafür zur Verfügung.

 

14 Monate wurden für dieses Projekt vorgesehen, im April 2016 soll das Endergebnis vorgestellt werden. Die Heritas-Stiftung hat den Antrag für die Gelder gestellt, Partner im Projekt sind die rumänische Filiale der Stiftung „Mihai Eminescu Trust” (MET), das Astramuseum Hermannstadt und der Verein „Împreună pentru dezvoltarea comunității” (AIDS, Zusammen für die Entwicklung der Gemeinschaft). In das Netzwerk sollen allerdings mehrere NGOs und Institutionen aus den drei Kreisen aufgenommen werden, die das mobile und imobile Kulturerbe in Rumänien schützen. Außerdem sind Nutznießer dieses Projektes nicht nur die Mitarbeiter der Vereine, sondern auch die Mitglieder der Gemeinden, in denen diese agieren.

Ein informelles Netzwerk war seit zwei Jahren bereits vorhanden, doch durch dieses Projekt wird auch formell  das Netzwerk gegründet, so dass es eigene Projekte aufstellen kann und auch der Regierung Gesetzänderungen vorstellen kann, denn alle Mitglieder haben bereits Erfahrung im Bereich und haben dadurch auch konkrete Vorschläge für die Verbesserung der Situation des Kulturerbes.

Alina Scholtes, die für die Kommunikation im Projekt zuständig ist, hat auch die konkreten Maßnahmen vorgestellt, die im Rahmen dieses Projektes durchgeführt werden sollen. Etwa 20 Organisationen werden im Netzwerk eingeschrieben sein, und deren Mitglieder können an verschiedenen Kursen teilnehmen, in denen sie  einerseits lernen, wie sie ein Projekt schreiben müssen, aber auch wie eine Advocacy-Kampagne durchgeführt wird. 

„Einer der ersten Schritte ist eine Informationskampagne in den drei Dörfern”, erklärte Scholtes, „genauer gesagt in drei Städten und 15 Dörfern aus den Kreisen Hermannstadt, Kronstadt und Muresch. Hier wollen wir herausfinden, welche Probleme für die Besitzer historischer Häuser am dringendsten sind. Mit den Informationen, die wir bereits haben, können wir auch unsere Strategie entwickeln, so dass am Ende des Projektes alle Beteiligten zufrieden sind und man vielleicht auch legislativ zugunsten der Gemeinden etwas bewirken kann.”

Geplant wird, dass etwa 4.500 Personen eine Broschüre erhalten, in der sie Informationen über gute Praktiken erhalten. Dazu sollen die Organsationen des Netzwerks auch einmalig eine Zeitschrift herausgeben mit Informationen für die Behörden und die Regierung.

„Einige Probleme der Besitzer historischer Häuser kennen wir bereits, und diese Themen haben wir auch schon aufgegriffen”, so die Kommunikationsexpertin. „Zum Beispiel ist es nicht klar, wer die Verantwortung für das Kulturerbe trägt, Besitzer oder Behörden. Da ist oft eine Mediation gefragt und diese Rolle möchten wir übernehmen. Außerdem ist es für die Besitzer billiger, wenn sie die Häuser mit modernen Materialien restaurieren, und nicht die traditionelle Bauweise respektieren, da kann man ihnen vielleicht mit Handwerkern, Geld und gutem Rat helfen. Deswegen wollen wir zum Beispiel auch eine Liste der historischen Häuser, aber auch der Handwerker, die traditionell arbeiten, zusammenstellen, so dass unser Netzwerk und die Nutznießer Zugriff zu diesen Informationen haben.”

Traditionelle Handwerker hat in den letzten Jahren der Mihai Eminescu Trust (MET) ausgebildet und kann auch viele traditionell restaurierte Häuser vorzeigen, so dass das Netzwerk in MET einen erfahrenen Partner hat. „Wir haben Erfahrung insbesondere in der Arbeit mit der Gemeinde”, so die Vizepräsidentin der Stiftung, Caroline Fernolend. „Unsere 15-jährige praktische Erfahrung in Restaurierung mit traditionellen Materialien und Arbeitsweise haben wir in den letzten Jahren mit der Initiierung der Projekte im Bereich des Kulturtourismus ergänzt, die wir in mehreren Ortschaften durchgeführt haben. Die Menschen müssen bewusst ihre Werte an den Touristen weitergeben, so dass sie nicht nur einfach durchfahren, sondern mehrere Tage in den Dörfern  bleiben wollen. Wir möchten die soziale, die kulturelle und die wirtschaftliche Seite verschmelzen lassen, so dass die Gemeinden ihr Kulturerbe aufwerten können.”

Und obwohl die Organisationen im gleichen Bereich arbeiten, werden sie sich durch dieses Netzwerk nicht gegenseitig Konkurrenz machen: „Wir können Anträge auch für unsere eigene Organisation stellen, aber auch als Netzwerk, da steigern wir eigentlich die Chancen, für unsere Projekte Geld zu erhalten. Als Netzwerk haben wir aber auch eine größere Bedeutung, falls wir Gesetzesänderungen vorschlagen wollen, außerdem können wir durch unseren Erfahrungsaustausch nur gewinnen.”

Dabei kann man auch aus der Erfahrung anderer Länder lernen: „Andernorts gibt es die Möglichkeit, dass die Besitzer der traditionell restaurierten historischer Häuser weniger oder gar keine Steuern zahlen. Hierzulande sind allerdings die Gemeinden gegen diese Verminderung ihrer Einkommen, obwohl der Gewinn letztendlich für die Gemeinde größer ist, wenn das Kulturerbe erhalten wird. Und letzendlich haben wir uns eben für den Schutz des Kulturerbes zusammengesetzt und dieses Netzwerk ins Leben gerufen, und das wäre eine nötige Gesetzesänderung.”

Durch dieses Projekt hoffen die Antragssteller, dass man das Bewusstsein der Menschen steigert. Deswegen sind Treffen mit Gemeinden vorgesehen, damit sie lernen, durch die Verwertung ihres Kulturerbes auch wirtschaftliche Einkommen zu erhalten. Und da ist jede einzelne Erfahrung der Organisation gefragt, durch dieses Netzwerk sollen die Ressourcen geteilt werden.

„Es ist ein Gewinn für alle Organisationen”, so Andreea Marin, die Managerin des Projektes. „29 Organisationen sind bereits im informellen Netzwerk, so dass die Formalisierung der natürliche Schritt war. Einige Organisationen können leider formell nicht teilnehmen, da ihr Status die Teilnahme nicht zulässt, aber sie können weiterhin Informationen erhalten.”

Wichtig ist es, dass man die Ziele des Netzwerkes respektiert und dass man je nach Interessen und Bereichen zusammen arbeitet. „Eine gewisse Konkurrenz ist sehr gesund und natürlich in allen Bereichen”, so Marin, „und durch dieses Netzwerk werden alle Seiten gewinnen, da jeder auch im eigenen Namen Geld von verschiedenen Fonds beantragen kann.”

Eben weil die Initiatoren des Projektes überzeugt sind, dass alle Organisationen durch die Teilnahme gewinnen, will man das Netzwerk auf ganz Siebenbürgen erweitern. Dabei werden allerdings auch die Behörden und die Gemeinden berücksichtigt, aber auch die Touristen und die Bewohner der Region, die letztendlich Nutznießer des Projektes werden sollen.

Ruxandra STĂNESCU

 

Bei der Vorstellung des Netzwerkes im Hermannstädter Forumshaus waren u. a. Alina Scholtes (stehend), Andreea Marin (sitzend, 1. v. l. und Caroline Fernolend (sitzend, 2. v. l.) dabei.                       Foto: die Verfasserin