„Ein jugendlicher Schwung”

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Heimattreffen der Zipserdeutschen in Oberwischau gefeiert

 

„Je tiefer und starker die Wurzeln sind desto kräftiger der Mensch und die Gesellschaft, in der er lebt”, sagte der junge Forumsvorsitzende in Oberwischau Leopold Langtaler in seinem Grußwort. „Ohne Wurzeln kein Halt”, lautete nähmlich das Motto unter dem am Samstag, dem 9., und Sonntag, dem 10. August das Heimattreffen der Zipserdeutschen  aus Oberwischau Droben im Wassertal” stattgefunden hat.

 

Eröffnet wurde das Fest mit einem Kulturprogramm auf einer Freilichtbühne vor dem Bogdan Vodă Lyceum.

Zu Wort kamen auch Ehrengäste wie Botschafter Werner Hans Lauk, und Paul Jürgen Porr, DFDR-Landesvorsitzender aber auch Bürgermeister Vasile Coman. Dabei waren u. a. der DFDR-Abgeordnete Ovidiu Ganț, Johann Forstenheizler, Vorsitzender des Demokratischen Forums der Deutschen in Nordsiebenbürgen und der Ehrenvorsitzende des Forums in Oberwischau, Augustin Olear.

„Mit Stolz können wir auf unsere Vorfahren zurückblicken. Im 18. Jh. haben sie hier eine neue Heimat gefunden, hier eine neue Heimat aufgebaut. Ihre Hauptbeschäftigung war die Holzbearbeitung. Wir können von Ihnen vieles lernen. Wir lernen von ihnen, was Fleiß und harte Arbeit bedeutet, welchen Wert Ehre und Ehrlichkeit haben, wie wichtig es ist unsere ethnisch-kulturellen Werte zu Pflegen und zu schätzen, so wie die Tatsache, dass man als Minderheit weit entfernt von der Ursprungsheimat einheimisch werden kann”, sagte Leopold Langtaler in seinem Grußwort. „Aber unser Blick richtet sich auf die Zukunft, was wir hier erreichen können, es reicht nicht, wenn man von den Errungenschaften der Vorfahren profitiert. Wir müssen jetzt unseren eigenen Beitrag bringen, wir müssen selber dazu beitragen, dass die Zipser eine Zukunft in dieser Stadt haben, dass die deutsche Sprache und deutsche Kultur weiterhin gepflegt werden, dass unsere alten Bräuche und Kulturgüter im Wirtschaftswirbel nicht untergehen, dass unsere Kinder mit Stolz ihre Identität als Minderheit bekunden und dass wir ein antreibender Wirtschaftsfaktor in der Gegend bleiben”.

Das Zipsertreffen ist die größte Veranstaltung der Zipser in Oberwischau im Jahr und geht auf eine ältere Tradition der Waldarbeiter aus dem 19. Jahrhundert zurück.

Der Deutsche Botschafter Werner Hans Lauk aber auch der DFDR-Landesvorsitzende Paul Jürgen Porr befanden sich zum ersten Mal bei den Zipsern. Porr vesprach in seinem Grußwort aber, dass es nicht zum ersten und letzten Mal sein werde, und beglückwünschte die Oberwischauer, dass durch die Neuwahlen im Frühling nun ein „jugendlicher Schwung” in  das Oberwischauer Forum gebracht wurde. Porr erinnerte anschließend auch an die Präsidentschaftswahlen im November bei denen sein Kollege, Freund und langjähriger DFDR-Landesvorsitzende Klaus Johannis einer der aussichtsreichsten Kandidaten sei.

Zum reichen Kulturprogramm gehörte vor allem der Auftritt des Musikvereins Heinrichsheim aus Neuburg an der Donau unter der Leitung von Reinhardt Reißner sowie der siebenbürgisch-sächsischen Volkstanzgruppe aus Neuburg, die das Orchester auf der Konzertreise nach Siebenbürgen begleitet. Im Musikverein sind auch mehrere Siebenbürger Sachsen aktiv. Reißners Mutter stammt übrigens aus Agnetheln und seine Frau lernte er ebenfalls in Siebenbürgen kennen. Die Blaskapelle war der Hauptakteur des diesjährigen Zipsertreffens wobei sie mit der munteren Musik während des ganzen Festes die Teilnehmer begleitete und immer wenn sich die Möglichkeit ergab, eine echte Show gab. Als Schirmherr mit dabei war Richard Keßler, ehemaliger Landrat für Neuburg-Schrobenhausen.

Einen gelungenen Auftritt hatten auch die Kinder des deutschen Kindergartens unter der Leitung von Ramona Stadler. Die Tanzgruppe der Deutschen Jugendorganisation Sathmar „Gemeinsam” zeigte sathmarschwäbische Volkstänze. Die Grundschullehrerinnen des Technologischen Gymnasiums Oberwischau hatten die Initiative, zusammen mit dem Deutschen Forum im Jugendzentrum eine Sommerschule zu organisieren. Sechs Wochen lang wurde gesungen, gespielt, getanzt und gebastelt und dabei die deutsche Sprache geübt.  Leiter der Gruppe waren Mihaela Zavaczki, Nita Scopet, Horst Zavaczki und Ildikó Dombos. Das Ergebnis wurde nun präsentiert. Astrid Zavaczki, Laura Rus und Călin  Hartzos trugen Gedichte vor, die Grundschüler zeigten einen deutschen Volkstanz und Răzvan Simon begeisterte mit dem Lied „Gottes Liebe“ und dann mit dem bekannten „Ein bisschen Frieden“, wobei er sich auf der Gitarre begleitete. Bei der Sommerschule aktiv war aber auch der österreichische Zivildiener Thomas Mitterecker, der sich in Oberwischau ein Jahr lang aufgehalten hatte. Auf die Bühne trat auch die Sath-
marer Volkstanzgruppe „Gute Laune" unter Leitung von Karl Heinz Rindfleisch. „Wieder mal ist es soweit“ sang der Sankt Anna Kirchenchor aus Oberwischau, der ebenfalls unter der Leitung von Robert Zavaczki auftrat. Es folgte die Tanzgruppe „Regenbogen" aus Großwardein unter der Leitung von Arnold Theiß. Die Tanzgruppe „Edelweiß" unter der Leitung von Horst Zavaczki, der „sichtbarste Teil des Jugendforums“ in Oberwischau, wie sie vorgestellt wurde, schloss das Programm ab.

Am „Pocharaistand“, am Kuchenstand, wurden verschiedene Zipser Spezialitäten angeboten wie „Goldhaluschkn“, „Nusskipfel“, „Apfellepény“, „Boganseln“, „Schmutzigi Pocharai“, „Lekwartaschkeln“ u. a.

Nach dem Kulturprogramm hatten die Anwesenden die Möglichkeit, bei dem Festessen am alten Bahnhof sich näher kennenzulernen und Gedanken auszutauschen.

Am Sonntagmorgen wurden die Oberwischauer von der munteren Trachtenparade geweckt, angeführt von der Kapelle aus Neuburg. Startpunkt war die Brücke, wo die „Zipserei“ oder „Zipserreih“, das Viertel der Zipser anfängt. Von da aus ging es durch die Stadtmitte zum alten Bahnhof, wo sich schon zahlreiche Touristen versammelt hatten und sich als interessierte Zuschauer erwiesen. Hier gab es nun die Möglichkeit, mit der Wassertalbahn bis zur Station Paltin zu fahren, wo die Gäste einen Mittagsimbiss genießen durften. Es schien ein echtes Erlebnis zu sein, sich von der 1954 in Reschitz hergestellten Dampflok, nun „Elvetia“ genannt, die 21,6 Kilometer etwa mehr als zwei Stunden lang das Wassertal aufwärts ziehen zu lassen.

Wer nicht mitfuhr, der konnte an der Messe teilnehmen, die von Pfarrer István Kinczel gehalten wurde. Für die Tanzgruppen gab es anschließend Sportveranstaltungen.

Am Nachmittag begeisterte der Musikverein Heinrichsheim aus Neuburg mit einem letzten Konzert in der vollen Heiligen Anna Kirche.

„Es war ein Riesenerfolg“, schlussfolgerte Leopold Langtaler, der das Fest zusammen mit den ebenfalls neu gewählten Vorstandsmitgliedern des Forums, meist junge Leute,  organisierte. In diesem Jahr wurde das Datum des Festes auf den Zeitpunkt festgelegt, an dem die Neuburger Blaskapelle in Oberwischau konzertiert. Nächstes Jahr soll das Fest eine Woche nach Pfingsten stattfinden wodurch vor allem auch mehr Zipser aus Deutschland erwartet werden.

Werner FINK

 

Foto 1: Schwungvoll und mit Begeisterung tanzten die Kinder vom deutschen Kindergarten Oberwischau auf der Bühne, die vor dem Bogdan Vodă-Lyzeum aufgestellt worden war.

Foto 2: Platzkonzert am Bahnhof: Auf einer Lok platziert hatten sich einige der Mitglieder des Musikvereins Heinrichsheim aus Neuburg an der Donau beim Platzkonzert unter der Leitung von Reinhardt Reissner am Oberwischauer Bahnhof. Eine Woche danach war die Kapelle in Hermannstadt zu Gast.                                                                       

Fotos: Werner FINK