Von Heimat und Apfelbäumchen

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Streiflichter von der Festveranstaltung und dem Festgottesdienst

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„Unter dem Kommunismus ist für viele unserer Landsleute die Heimat zur Fremde geworden und sie haben sich eine neue Heimat gesucht – in Deutschland, in Österreich, in den USA, in Kanada, oder sonstwo. Viele sind überzeugt, diese gefunden zu haben, sie fühlen sich da wohl, sie fühlen sich geborgen, sie fühlen sich zu Hause. Auch wenn oft von der neuen und der alten Heimat gesprochen wird, so ist es mit der Heimat jedoch wie mit der Mutter: Es gibt nur eine! Man kann eine Wahlheimat haben, man kann sich da sehr gut fühlen und vollkommen integriert sein, aber daheim bleibt daheim, ob das nun in Zeiden, Fogarasch, Grossau oder Kleinschelken ist.” So Paul-Jürgen Porr in seiner Festrede am Samstagnachmittag bei der Festveranstaltung im Thaliasaal, in deren Rahmen Grußworte gesprochen wurden und die Honterus-Medaille an Pfarrer i. R. Wolfgang Rehner überreicht wurde.

 

Porr schloss mit den Sätzen: „Auch wenn unser aller Heimat hier in Siebenbürgen ist, so haben wir alle ein gemeinsames zu Hause und das nennt sich Europa. Dieses Haus ist zur Zeit nicht gerade ein trautes Heim. Terror und Angst werden geschürt, es gibt Interessen zwischen den Hausbewohnern, die zum Teil auseinander driften. Deshalb muss sich dieses gemeinsame Haus auf seine Grundwerte besinnen, die Ideale von Coudenhove-Kalergi, Schumann und Adenauer verwirklichen, eine gemeinsame Wirtschafts- und Außenpolitik entwickeln, um am Weltmarkt bestehen zu können. In diesem gemeinsamen Haus Europa, sagte ich vor zwei Jahren beim Heimattag in Dinkelsbühl und wiederhole es hier, in diesem gemeinsamen Haus wollen wir ein sächsisches Zimmer, mit offenen Fenstern sowohl gegen Osten als auch gegen Westen!”

Da seit geraumer Zeit das Siebenbürgenforum gemeinsam mit der Evangelischen Kirche A. B. in Rumänien das jährliche Sachsentreffen organisiert, hielt auch Bischof Reinhart Guib eine Festrede zum Motto „In der Welt zu Hause, in Siebenbürgen daheim”, wobei er seine Freude darüber ausdrückte, dass auf diese Weise „Heimat erlebbar gemacht” werde, denn „Kirche ist eine besondere Heimat der Siebenbürger Sachsen”. Guib sprach von „Apfelbäumchen der Hoffnung”, die den Weg säumten. Dementsprechend forderte er in seiner Predigt zu Jesaja 2,1-5 im Festgottesdienst am Sonntag in der evangelischen Stadtpfarrkirche die rund 1.500 Teilnehmenden auf: „Kommt nach Siebenbürgen und kauft Häuser und Weinberge! Versucht neu nach Gott zu fragen” nachdem er festgestellt hatte: „Welch ein Geschenk: Drei volle Tage zusammen!”.

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In die gleiche Kerbe hatte auch Hermannstadts Bürgermeisterin Astrid Fodor in ihrem Grußwort am Tag davor auf dem Großen Ring geschlagen, als sie sagte: „Ich hoffe, Sie kommen bald wieder”.

Dieser Einladung dürften viele nachkommen, einer bestimmt: Hans Gärtner, der Vorsitzende des HOG-Verbands, der vor drei Jahren die Idee eines internationalen Sachsentreffens in die Welt gesetzt und Martin Bottesch, den Vorsitzenden des Siebenbürgenforums davon überzeugt hatte, das 27. Sachsentreffen gemeinsam mit den Heimatortsgemeinschaften zu organisieren. Gärtner sagte bei der Festveranstaltung: „Wir sind hier, um unsere siebenbürgische Heimat in besonderer Weise zu genießen und um unseren siebenbürgischen Akku aufzuladen” und stellte fest: „Da geht was auch in Zukunft.”

Deutschlands Botschafter in Bukarest, Cord Meier-Klodt, sagte, „das Sachsentreffen ist ohne Präzedenz in seiner politischen Bedeutung”, auch und vor allem im Jahr des 25. Jubiläums des rumänisch-deutschen Freundschaftsvertrags. Sein österreichischer Amtskollege, Gerhard Reiweger stimmte ihm bei und plädierte dafür „den Nationalismus durch europäische Identität” zu ersetzen. Der Botschafter Rumäniens in Berlin, Emil Hurezeanu, schlug vor, im Turnus jedes dritte Jahr am Europa-Tag ein Treffen in Berlin bzw. Bukarest zu veranstalten.

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In ihrem Grußwort im Thaliasaal stellte die Bundestagsabgeordnete Gerda Hasselfeld fest „Wir haben den Vertriebenen und den Siebenbürger Sachsen viel zu verdanken” und versprach: „Wir wollen Sie auch künftig unterstützen, sowohl hier als auch in der neuen Heimat.”

Die Heimat stand auch im Mittelpunkt ihres Amtskollegen Bernd Fabritius, dem Präsidenten der Föderation der Siebenbürger Sachsen in aller Welt. Er sagte u. a.: “Heimat ist eine besondere Topografie des Herzens. Wir wollen weiter in Hermannstadt zu Hause sein.”

Der DFDR-Abgeordnete Ovidiu Ganț schwärmte in seinem Grußwort von der „grandiosen Veranstaltung” und wies auf die Unterstützung der deutschen Minderheit in Rumänien sowohl von deutscher als auch rumänischer Seite hin.

Am weitesten angereist war Monika Weber, Vizepräsidentin der Alliance of Transylvanian Saxons (ATS) aus den USA, die Joan Miller Malue, die ATS-Präsidentin, vertrat. Sie stellte fest: „Tradition bringt Stabilität in eine unsichere Welt.” Dem pflichteten der Bundesobmann der Siebenbürger Sachsen in Österreich, Konsulent Manfred Schuller, sowie der hessische Landtagspräsident Norbert Kartmann bei.

Zum Schluss der von Christiane Neubert, der Vorsitzenden der Kulturkommission des Siebenbürgenforums, moderierten Veranstaltung hatten die Vertreter der Jugendorganisationen das Wort: Andrea Rost, Vorsitzende des Siebenbürgischen Jugendvereins, und Stefan Roth von der Siebenbürgisch-Sächsischen Jugend in Deutschland. Roth sagte: „Warum machen wir das? Weil wir Bock darauf haben! Unser Verein bietet den Jugendlichen eine Plattform, das auszuleben, was sie im Herzen fühlen.”

Beatrice UNGAR

 

Foto 1: Beim Einzug in den Festgottesdienst in der evangelischen Stadtpfarrkirche am Sonntag (v. l. n. r.): HOG-Verbandsvorsitzende Hans Gärtner, Bürgermeisterin Astrid Fodor und DFDS-Vorsitzender Martin Bottesch, gefolgt von dem hessischen Landtagspräsidenten Norbert Kartmann und dem DFDR-Abgeordneten Ovidiu Ganț.                    

Foto: Beatrice UNGAR

Foto 2: Pfarrer i. R. Wolfgang Rehner (am Rednerpult) bedankt sich für die Honterus-Medaille, die ihm von Martin Bottesch im Namen des Siebenbürgenforums (2. v. r.) und Bischof Reinhart Guib seitens der Evangelischen Kirche A. B. in Rumänien überreicht wurde.

Foto: Fred NUSS

Foto 3: Die Burzenbläser” umrahmten die Festveranstaltung im Thaliasaal musikalisch.                                                                           Foto: Fred NUSS