Die Stimme der Heimat

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Zwei Bücher zum Thema Heimat wurden beim Sachsentreffen vorgestellt

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Eine Geschichte, wie sie nur eine Großmutter am Feuer erzählen kann. Über Krieg, über Deportation, über das Dorf und seine Nachbarschaften, die ganz normale Welt eben. In dem Buch „Deutsch-Kreuz. Geschichte, Geschichten und Leben eines siebenbürgisch-sächsischen Dorfes“, erzählt Fichen-Tante über ihr Leben, das Leben einer Siebenbürger Sächsin aus Deutsch-Kreuz/Criț. Geschrieben wurde das Buch von Ruxandra Hurezean, herausgegeben wurde es mit der Unterstützung der Michael Schmidt-Stiftung im Honterus-Verlag Hermannstadt. Am Freitag wurde dessen deutsche Fassung im Hof des Brukenthalpalais vorgestellt. Der Moderator Benjamin Jozsa, Verlagsleiter des Honterus-Verlags, hatte zunächst ein weiteres Buch von Ruxandra Hurezean vorgestellt, das nun ebenfalls in deutscher Fassung erschienen ist und den Titel „Zwischen den Welten. Siebenbürger Sachsen und Banater Schwaben erzählen“ trägt.

 

„Diese Bücher haben eine innere Stimme, die redet und während dem Lesen etwas Anderes sagt. Diese Stimme lässt keine Ruhe. Es ist die Stimme der kleinen, zum Teil untergegangenen siebenbürgisch-sächsischen, beziehungsweise banater-schwäbischen Welt. Diese Welt ist eine Welt, die klein ist, einfach ist, aber für diejenigen, die sie miterlebt haben, eigentlich alles ist oder alles war. Diese Bücher lassen dich nicht mehr los.“ Benjamin Józsa hat als Verlagsleiter beide Bücher gelesen und beide haben bei ihm einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

Im ersten Buch „Zwischen den Welten. Siebenbürger Sachsen und Banater Schwaben erzählen“ geht es um Schicksale von gewöhnlichen Menschen, die eines gemeinsam haben: Sie sind ihrer Heimat treu geblieben. Unter anderem interviewte Ruxandra Hurezean, die seit 25 Jahren in der Presse tätig ist und sich auf soziale Reportagen spezialisiert hat, Eginald Schlattner, Johann Schaas, Caroline Fernolend, Peter Trimper, Friedrich Philippi, Hans Prömm und Sofia Folberth. Jedem widmete sie ein Kapitel, nur einer widmete sie ein ganzes Buch. Sofia Folberths Geschichten waren für die Autorin so spannend, dass sie gleich ein ganzes Buch über sie schrieb. Daraus entstand die Geschichte des Dorfes Deutsch-Kreuz. Das Buch „Geschichte, Geschichten und Leben eines siebenbürgisch-sächsischen Dorfes“ will keine Monographie sein, sondern die Geschichte einer Gemeinschaft, betrachtet aus der Perspektive der 95-Jährigen Sofia Folberth, die zwar in Deutschland lebt, aber jedes Jahr den Sommer in ihrem Heimatdorf Deutsch-Kreuz verbringt. Darin verflechten sich die Geschichte des Dorfes mit den Erlebnissen von Sofia Folbert, die in ihrem Bekanntenkreis liebevoll Fichen-Tante genannt wird. Dass Fichen-Tante viel und gerne erzählt, konnten die zahlreich erschienenen Besucher am Freitagmittag bei der Buchvorstellung miterleben. Über ihre Kindheit in der Neugasse in Deutsch-Kreuz, wo sie das erste Auto gesehen hat, das durch das Dorf gefahren ist, über die erste Schulordnung Siebenbürgens, die in Deutsch-Kreuz 1466 urkundlich erwähnt wurde, über Kriegszeit, Kommunismus und die Auswanderungswelle.

„Der siebenbürgische Dichter und Komponist Wolf von Aichelburg erklärte mir einmal, wie wichtig der Geburtsort des Menschen sei. Denn von jedem Ort sieht der Himmel anders aus“, erzählte der Philosoph und Schriftsteller Andrei Pleșu, der ebenfalls zu den beiden Buchvorstellungen eingeladen war. Seiner Meinung nach waren die größten rumänischen Patrioten Deutsche. Er erwähnte in seiner Rede: Carol I. von Hohenzollern-Sigmaringen, dem „wir das moderne Rumänien zu verdanken haben“, Klaus Johannis, „der die Rolle des rumänischen Patrioten mit dem Amt übernommen hat“, Eginald Schlattner, „der jeden Sonntag in einer leeren Kirche predigt“, Michael Schmidt, „der zurückgekommen ist und Ungetanes in die Tat umsetzt“.

Übersetzt wurde das Buch „Zwischen den Welten“ von Beatrice Ungar und das zweite Buch „Deutsch-Kreuz“ von Catrinel Pleșu, wobei Cynthia Pinter und Beatrice Ungar die Redaktion übernahmen. Bei der Buchvorstellung dabei waren auch Sabin Adrian Luca, Leiter des Brukenthalmuseums, Michael Schmidt, Unternehmer und Vorsitzender der Michael Schmidt-Stiftung, Emil Hurezeanu, rumänischer Botschafter in Berlin, Astrid Fodor, Bürgermeisterin von Hermannstadt, Paul Jürgen Porr, Vorsitzender des DFDR, Hans Gärtner, Vorsitzender des HOG-Verbandes und Martin Bottesch, Vorsitzender des Siebenbürgenforums.

Cynthia PINTER

 

Die Neuerscheinungen waren auf siebenbürgisch-sächsischen bemalten Truhen ausgestellt. Unser Bild: Verlagsleiter und DFDR-Geschäftsführer Benjamin Józsa (rechts stehend) moderierte die Buchvorstellung, bei der (v. l. n. r.) Andrei Pleșu, Michael Schmidt, Catrinel Pleșu, Sofia Folberth, Ruxandra Hurezean und Beatrice Ungar sprachen.        

Foto: Fred NUSS