„Seltsam ähnlich“

Ausgabe Nr. 2578

Jan de Maere und sein „Flandernhof“ in Thalheim

Blick auf das Flandernhof-Anwesen aus der Dachluke eines der vier aus der Maramuresch hierher umgesiedelten alten Holzhäuser. Foto: Beatrice UNGAR

An der Ausfahrt aus Thalheim/Daia Richtung Rothberg/Roșia fällt jedem linkerhand ein Turm auf, gegenüber der orthodoxen Kirche. Der Turm dient dem Belgier Jan de Maere auf seinem „Flandernhof“ benannten Anwesen als Bibliothek. In diesem Jahr feiert der Flandernhof sein 20. Jubiläum.

Der belgische Kunstexeperte und Neurowisssenschaftler Jan de Maere hat hier vor 20 Jahren den Grundstein gelegt für eine Bildungsstätte der besonderen Art. Vom 21. bis 28. Juli veranstaltet er hier in Zusammenarbeit mit dem Brukenthalmuseum und der Vrije Universiteit Brüssel die sechste Sommerschule im Bereich Kulturerbe mit Schwerpunkt auf Siebenbürgen. Das Thema lautet in diesem Jahr Digitalisierung, Neurowissenschaften, Kognitive Erfahrung und Innovation in der Kunstwelt“ mit Schwerpunkt auf der Renaissance und dem Barock in Nordeuropa sowie Kunstmarkt. De Maere hebt hervor, dass die Studenten bei der Sommerschule von weltweit anerkannten Experten an die Hand“ genommen werden, um Unternehmergeist und Connoisseurship zu lernen, die auch in der Welt der Kunst heute eine bedeutende Rolle spielen. Anmeldungen nimmt der veranstalter bis spätestens am 30. Mai 2018 per E-Mail an unter jande maere@gmail.com

Jan de Maere (links) im Gespräch mit Alexandru Sonoc vom Brukenthalmuseum, einem der Dozenten der Sommerschule. Foto: Beatrice UNGAR

Bei unserem Besuch auf dem Flandernhof präsentierte Jan de Maere eines seiner neuesten Bücher, eine Geschichte Siebenbürgens, die in französischer Sprache im belgischen Avant-Propos-Verlagshaus erschienen ist und in Hermannstadt im Erasmus-Büchercafé aufliegt.

In seinem Vorwort stellt Prof. Adrian Nicolescu, früherer Prorektor und Gründungsdirektor des British Cultural Studies Research Centre an der Bukarester Universität fest, dass der Autor als neutraler Betrachter der Geschichte Siebenbürgens es versteht, flüssig, kohärent und präzise einen Überblick bietet, der trotz der knapp bemessenen Ausgabe alle Aspekte berücksichtigt: Politik, Soziales, Demographisches, Wirtschaft, Kirche, Diplomatie, Kultur. De Maere selbst versteht es meisterhaft, diesen Landstrich und seine Heimat Belgien mit einem Federstrich sozusagen in ein Boot zu holen, indem er schreibt, dass sich die Geschichte Siebenbürgens und die Geschichte Belgiens seltsam ähneln“ in ihrem Bezügen zu dem Römischen bzw. dem Habsburger Kaiserreich.

Beatrice UNGAR

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