Die Sehnsucht nach den Heiligen bleibt groß

„Theologisches Kolloquium“ zu Heiligen und Heiligenverehrung in Ost und West

Ausgabe Nr. 2579

Gruppenbild der Teilnehmenden im „Heilige Märtyrer Brâncoveanu“-Kloster in Sâmbăta de Sus.                                 Foto: Alexandru BRICIU

Die heutige Zeit ist weitgehend geprägt von Pragmatismus und Profitstreben, von Säkularisierung und zunehmender religiöser Indifferenz. Wenn die erste internationale Konferenz eines neu gegründeten ökumenischen Instituts zum Thema „Heilige und Heiligenverehrung in Ost und West“ allerdings auf Anhieb über 80 Teilnehmer versammelt, dann kommt darin eine Sehnsucht nach den Heiligen zum Ausdruck, die überrascht und zugleich die Initiatoren dieser ökumenischen Initiative in ihrem Bemühen bestätigt.

 

So stieß das von dem Institut „Ex fide lux – Deutsch-Rumänisches Institut für Theologie, Wissenschaft, Kultur und Dialog“ aus Nürnberg initiierte „Theologische Kolloquium“ in Hermannstadt und Sâmbăta de Sus jüngst auf ein überwältigend großes Interesse unter orthodoxen, katholischen und lutherischen Theologen und Laienchristen aus mehreren Ländern Europas. Auch viele junge Leute, Studentinnen und Studenten und sogar interessierte Schüler nahmen teil. Das zeigt einmal mehr, dass die Heiligen als lebendige Vorbilder im Glauben und Lebensmodelle für die heutige Welt noch lange nicht abgeschrieben sind.

Die Gäste- und Referentenliste des Symposions kann sich sehen lassen und umfasste teilweise weltbekannte Theologen. So referierten unter anderem der römisch-katholische Kurienkardinal Gerhard Müller aus Rom, der orthodoxe Metropolit Laurenţiu Streza von Siebenbürgen, Erzbischof Teodosie von Tomis (Konstanza) und der Bischofsvikar der Evangelischen Kirche in Rumänien, Dr. Daniel Zikeli (Bukarest). Sogar der Botschafter des Vatikans in Rumänien, der Apostolische Nuntius Erzbischof Monsignore Miguel Maury Buendía (Bukarest), machte der Konferenz seine Aufwartung und beglückwünschte in einem Grußwort die Initiatoren von „Ex fide lux“ für ihre Initiative.

Die äußerst hochkarätige Tagung fand in Kooperation mit der Rumänischen Orthodoxen Metropolie von Siebenbürgen und der Evangelischen Akademie Siebenbürgen statt. Hohe Fördermittel für die Tagung, aber auch für die Buchveröffentlichung aller Vorträge, steuerte das Staatssekretariat für Kultusangelegenheiten der Rumänischen Regierung bei. Auch das Bayerische Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales, der Universitätsverein Fürth der Wilhelm Löhe Hochschule, der Martin-Luther-Bund Erlangen und die Nürnberger Unternehmensgruppe HMP Medizintechnik förderten die viertägige Konferenz mit hohen Zuschüssen.

Renommierte Kirchenhistoriker wie der Hermannstädter Theologe Hermann Pitters und Professor Peter Gemeinhardt aus Göttingen zählten ebenso zu den Referenten wie die Kirchenrechtler Irimie Marga von der Orthodoxen Fakultät Hermannstadt und Franziskanerpater Maximilian Pal vom Katholischen Institut der Franziskaner in Roman. Das Phänomen der Heiligen in Geschichte und Gegenwart, das Verfahren zur Heiligsprechung in der Katholischen und der Orthodoxen Kirche und auch die Spiritualität der Heiligenverehrung sowie protestantische Kritik an Fehlentwicklungen kamen gleichermaßen zur Sprache.

Mit dem Sozialethiker Professor Elmar Nass von der Wilhelm-Löhe-Hochschule Fürth und dem Fachreferenten Berthold Pelster von der Päpstlichen Stiftung „Kirche in Not“ aus München kamen auch aktuelle Fragestellungen in den Blick. Nass beleuchtete die Möglichkeit einer „hagiographischen Ethik“, die nach Heiligkeit als christlichem Lebensmodus fragt. Pelster stellte mit beklemmenden Bildern die Christenverfolgungen heute in islamischen und kommunistischen Ländern dar, die auch gegenwärtig viele Christen, die ihren Glauben nicht verleugnen, zu Märtyrern und damit zu Heiligen macht. Die anwesenden Bischöfe, Wissenschaftler und Geistlichen wie auch die vielen Laienchristen kamen vier Tage lang in einen regen Austausch über die Herausbildung und Entwicklung der Heiligenverehrung in der Westkirche und der Ostkirche, kirchenrechtliche und frömmigkeitsgeschichtliche Grundlagen und die Ausprägungen kirchlichen Lebens der verschiedenen Konfessionen in Siebenbürgen.

Das vom Herausgeber der „Deutsch-Rumänischen Theologischen Bibliothek/DRThB“, dem bayerischen Theologen Professor h. c. Dr. Jürgen Henkel, konzipierte und organisierte Programm startete am Freitag im Festsaal der Evangelischen Akademie Siebenbürgen (EAS) in Hermannstadt. Dort eröffneten Professor h. c. Hermann Schoenauer als Vorsitzender von „Ex fide lux“, Professor h. c. Dr. Jürgen Henkel als Projektleiter und Herausgeber der „Deutsch-Rumänischen Theologischen Bibliothek“, Metropolit Laurenţiu Streza von Siebenbürgen und Programmleiter Roger Pârvu von der EAS die Konferenz. In Grußworten würdigten der Apostolische Nuntius Erzbischof Buendía und Bischofsvikar Dr. Daniel Zikeli diese besondere ökumenische Initiative.

Nach den drei Vorträgen des Abends ging es im orthodoxen Kloster „Heilige Märtyrer Brâncoveanu“ in Sâmbăta de Sus am zweiten Tag weiter. Die Gäste aus dem In- und Ausland konnten bei strahlend blauem Himmel die wunderschöne Landschaft der Region genauso genießen wie die spannenden und lehrreichen Vorträge und Diskussionen. Am Sonntag bestand die Gelegenheit zum individuellen Gottesdienstbesuch. Gerhard Kardinal Müller zelebrierte eine Pontifikalmesse in der katholischen Stadtkirche von Hermannstadt. Dabei kam es auch zu einer Begegnung mit Staatspräsident Klaus Johannis, der an der Messe teilnahm.

Am Nachmittag gab es einen Besuch im Kreis Alba/Karlsburg. So führte Stadtpfarrer Alfred Dahinten die Konferenz durch die evangelische Stadtkirche von Mühlbach. Die Gruppe zeigte sich beeindruckt von dem berühmten wie gewaltigen Flügelaltar, dem Deckengewölbe und der Baugeschichte der Kirche. In Karlsburg/Alba Iulia empfinden der katholische Erzbischof György Jakubinyi und der orthodoxe Erzbischof Irineu Pop die Konferenz in ihren Kathedralen. Sie berichteten von der Baugeschichte ihrer Kathedralen und vom geistlichen Leben ihrer Kirchen. Am Montag empfing der evangelische Bischof Reinhart Guib die Gruppe abschließend im Festsaal des Bischofsamtes in Hermannstadt und berichtete aus dem Leben der Evangelischen Kirche in Rumänien.

Nach vier Tagen mit reichlich geistiger Nahrung, aber auch kulinarischen Genüssen, einem regen ökumenischen Austausch und auch wunderbaren Eindrücken von Land und Landschaft, Kirchen und Kultur ging dieses erste große „Theologische Kolloquium“ von „Ex fide lux“ zu Ende. Die Gäste aus dem In- und Ausland konnten spannende Erfahrungen sammeln und Kontakte knüpfen. Vorsitzender Hermann Schoenauer von „Ex fide lux“ würdigte das Projekt mit den Worten: „Ein grandioser Auftakt unserer Arbeit. Wir freuen uns über die große Resonanz und das begeisterte Echo der Teilnehmer.“

Projektleiter Jürgen Henkel bilanzierte das Treffen mit den Worten: „Es ist uns gelungen, ganz viele orthodoxe, katholische und evangelische Bischöfe, Wissenschaftler und Laienchristen zusammenzubringen. Diese Konferenz erzielt ökumenische Breitenwirkung ganz im Sinne unseres Instituts und unserer Buchreihe.“

Smarand LIEBERFELD

 

 

 

 

 

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