„Quo vadis deutsche Schulen?”

Babeş-Bolyai-Universität: Treffen für Schulleiter in Klausenburg organisiert
Ausgabe Nr. 2572

Die Teilnehmer und Organisatoren freuten sich über ein gelungenes Treffen, auch der Schneefall ließ gegen Mittag nach.
Foto: Ruxandra STĂNESCU

„Wohin mit dem Lehramt in deutscher Sprache in Rumänien?“ Das war die zentrale Frage des Treffens, das am vergangenen Freitag vom Departement für Pädagogik und Didaktik in Deutscher Sprache der Babeş-Bolyai-Universität gestellt wurde. Eingeladen wurden hauptsächlich Leiter der Schulen und Kindergärten aus Rumänien, die eine deutsche Abteilung haben. Auch wenn der Winter den Organisatoren einen Strich durch die Rechnung zog – das halbe Land war wegen heftigen Schneefällen und Sturm gelähmt – diejenigen, die es schafften, dabei zu sein, waren sehr zufrieden, denn hier konnten sie erstmals über ihre Sorgen sprechen. „Wir sind da, weil uns allen die Zukunft der Kindergärten und der Schulen in deutscher Sprache am Herzen liegt“, erklärte Dr. Mirona Stănescu, die Direktorin des Departements, „und wir hoffen, dass wir am Ende dieses Treffens auch gemeinsame Lösungen finden.“

 

Das ist das erste Treffen einer Reihe, eingeladen wurden diesmal hauptsächlich Direktoren der Schulen beziehungsweise Verantwortliche für die deutschen Abteilungen in den Schulen und Kindergärten. Dr. Mirona Stănescu: „Wir wünschen uns, dass wir mehrere Treffen dieser Art organisieren und es ist wichtig, dass wir uns einerseits kennen lernen, andrerseits, dass wir einen gemeinsamen Nenner finden, damit wir versuchen, unsere Probleme zu lösen. Es geht dabei um Zusammenarbeit und um Dialog und natürlich auch um thematische Treffen. Diesmal haben wir ein Thema vorgeschlagen, aber bis Ende dieses Treffens schlagen sie als Teilnehmer vielleicht unterschiedliche Themen vor. Wir wollen Probleme identifizieren und das Lehramt optimieren.“

Nach den Einführungsworten ging es weiter im Programm mit der Vorstellung des Departements für Pädagogik und Didaktik in Deutscher Sprache der Babeş-Bolyai-Universität, die ebenfalls von der Leiterin übernommen wurde. Dabei wurde nicht nur der legislative Rahmen vorgestellt, sondern auch die Aktivitäten des Departements, die vielen Partnerschaften aus dem In- und insbesondere aus dem Ausland, wo die Lehrenden der Klausenburger Hochschule Stipendien erhalten. „Das Problem dabei ist, die Stipendiaten zu überzeugen, zurück zu kehren und hierzulande im Lehramt zu arbeiten”, erklärte die Leiterin, „doch viele kommen zu unserer Freude zurück mit neuen Ideen und Methoden für ihr berufliches Leben.” Letztendlich wurden auch die vier Mitglieder des Departements vorgestellt: Dr. Ioana Velica, Dr. Cristina Bojan, Dr. Kata Szilvia Bartalis und Dr. Mirona Stănescu. Das Angebot des Departements wurde ebenfalls vorgestellt, das bald in einem frischen Internetauftritt zu finden sein wird.

Im Anschluss sprach Dr. Ioana Velica – die seit der Geburt des Departements dabei war und es auch mehrere Jahre leitete – über PIPP, genauer gesagt über die Pädagogik des Grundschul- und Vorschulamtes („Pedagogia învățământului primar și preșcolar”). Scharfe Worte gab es seitens Dr. Velica zu diesem Thema, denn das Finden von richtig geschulten Lehrkräften für die deutsche Abteilungen der Schulen ist zur Zeit eine Herausforderung, egal von welchem Niveau die Rede ist. „Egal ob es um Lehrer in Mediasch, Bukarest oder Klausenburg geht, haben sie eine der folgenden Qualifizierungen: Absolventen des Pädagogischen Lyzeums in Hermannstadt, was gut ist, dann haben wir Hochschulabsolventen mit einem pä-dagogischen Modul, die allerdings als unqualifiziert eingestuft sind, denn ihr Modul reicht zum Unterrichten im Kindergarten und in der Grundschule nicht aus, und dann gibt es PIPP-Absolventen, die leider noch recht wenige sind bei der deutschen Abteilung, was aber der ideelle Fall ist. Die rumänischen und ungarischen Abteilungen haben da mehrere Pluspunkte, unter anderem sind sie hauptsächlich Muttersprachler und oft haben sie nicht so viele attraktive Jobangebote wie die Absolventen der deutschen Abteilung. Dann gibt es eine letzte Variante, die uns regelrecht schmerzt: Personen, die einfach nur deutsch sprechen, mit keiner weiteren Qualifizierung, welcher Art auch immer, die quasi von der Straße direkt vor eine Klasse aufgestellt werden.“

Das Departement für Pädagogik und Didaktik in Deutscher Sprache (v.l.n.r.): Dr. Kata Szilvia Bartalis, Dr. Ioana Velica, Dr. Cristina Bojan und Dr. Mirona Stănescu.                           
Foto: Ruxandra STĂNESCU

Überzeugt nickten die Teilnehmer zu, denn die meisten von ihnen waren oder sind in diesen weniger ideellen Lage. Dass das Fehlen qualifizierter Lehrkräfte eines ihrer Hauptprobleme ist, kam in der nächsten Etappe zur Aussprache. Dr. Cristina Bojan vom Departement teilte leckere Schokoladen in mehreren Farben aus und bildete so kleinere Arbeitsgruppen. Drei Punkte mussten die Teilnehmer in ihren Gesprächen berücksichtigen: welche die schwerwiegendsten Probleme sind, was würden sich die Teilnehmer für ihre Schulen wünschen in den nächsten zehn Jahren – sowohl als Wunschvorstellung, als auch realistisch – und die Lösungsvorschläge.

Das Fehlen der qualifizierten Lehrkräfte kam an erster Stelle bei allen Gruppen vor, aber auch die nicht realistischen Erwartungen der Eltern – oft haben die Eltern nur von der Schule Erwartungen, finden leider keine Zeit für ihre eigenen Kinder, die schlechte Bezahlung der Lehrkräfte – dadurch eine fehlende Stabilität der Lehrkräfte, denn oft weiß man im Herbst nicht, ob der Kindergärtner oder Lehrer zurück kehrt oder über den Sommer einen besser bezahlten Job gefunden hat, fehlende, veraltete und unpassende Schulbücher und eine zu große oder zu kleine Schüleranzahl waren weitere Probleme, die aufgezeichnet wurden. Im gleichen Kreis kommt in manchen Städten vor, dass zu wenig Schüler sich für eine Klasse einschreiben oder aber zu viele Schüler da sind, um eine einzige Klasse zu gründen und aus verschiedenen Gründen keine weitere Klasse gebildet werden kann.

Dazu gab es meistens auch passende Lösungen, von einer besseren Informierung – zum Beispiel wo sich die Lehrkräfte qualifizieren lassen können und dass die Kindergärten und Schulen, insbesondere die privaten, diese Qualifizierung finanziell unterstützen, dass man die Eltern besser aufklärt, dass man versucht, Arbeitskräfte neu zu qualifizieren. Für andere Probleme – z. B. die Bezahlung und die Unterstützung durch den rumänischen Staat – gab es nur Hoffnungen, wenn auch sehr magere. Allgemein waren sich aber die Teilnehmer einig, dass die deutsche Schule in Rumänien im Aufschwung ist und mit den richtigen Lösungen man den Kindern qualitativen Schulunterricht in deutscher Sprache anbieten kann.

Die letzte Runde des Treffens übernahm die jüngste Mitarbeiterin des Departements, Dr. Kata Szilvia Bartalis, die herausfinden musste, wie die Teilnehmer das Treffen einschätzten, von der Notwendigkeit bis zur Organisierung. Die meisten freuten sich, endlich ein offenes Ohr für ihre Probleme gefunden zu haben und versprachen, auch weiterhin sowohl mit den Mitarbeitern des Departements für Pädagogik und Didaktik in Deutscher Sprache der Babeş-Bolyai-Universität in Kontakt zu bleiben, als auch untereinander, da sie oft gleiche Sorgen teilen und gleiche Probleme lösen müssen.

Ruxandra STĂNESCU

 

 

 

 

 

 

 

 

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