Von Toleranz und Mitgefühl

Die erste Premiere des Jahres am Gong-Theater für Kinder und Jugendliche

Ausgabe Nr. 2565

Szenenfoto mit Raluca Pavel, Lucia Barbu, Alexandra Ioana Şerban und Eleonora Coșuleț (v. l. n. r.).                                  
Foto: Cynthia PINTER

„Unsere Geschichte beginnt irgendwann um das Jahr 1938, in einer der ersten gemischten Schulen, irgendwo am Rande der Stadt Chicago“. Wanda ist mit ihrer Familie aus Polen hierher gezogen, in der Hoffnung auf ein besseres Leben. Wanda trägt in der Schule jeden Tag dasselbe fadenscheinige blaue Kleid obwohl sie sagt, dass sie zu Hause in ihrem Schrank hundert wunderschöne Kleider hat. Die anderen Kinder in ihrer Klasse glauben ihr das natürlich nicht, und als Peggy anfängt, Wanda deswegen tagtäglich zu hänseln, machen alle mit. Der Roman „Die hundert Kleider“ von Eleanor Estes wurde als Theaterstück unter dem Titel „Wanda“ von Radu Apostol am Gong-Theater inszeniert. Die Premiere hat am 30. Januar stattgefunden.

 

Die Vorstellung, die für Kinder ab 10 Jahren freigegeben ist, wurde sehr gut besucht. Die Erwartungen waren dementsprechend groß, vor allem da das in dem Stück angesprochene Thema der Fremdenfeindlichkeit ein hochaktuelles ist. Die so unscheinbare, in der hintersten Bank sitzende Wanda, wird zum Opfer, weil sie anders spricht, anders aussieht, anders riecht und letztendlich anders denkt als die anderen. Es stellt sich heraus, dass Wanda gar nicht gelogen hatte, als sie behauptete hundert Kleider zu haben. Wanda hatte tatsächlich hundert Kleider daheim im Kasten. Gezeichnete. Herrlich gezeichnete. Doch als ihre Mitschüler das erkennen, ist es für eine Entschuldigung schon zu spät, Wanda und ihre Familie sind weggezogen.

Unser Bild (v. l. n. r.): Peggy (Eleonora Coșuleț) und Maddie (Barbara Crişan) hören ungläubig zu, wie ihnen Wanda (Alexandra Ioana Şerban) von ihren hundert Kleidern erzählt.                          
Foto: Cynthia PINTER

Die Inszenierung ist teilweise sehr dramatisch und nichts für sensible Gemüter. Auf dem Höhepunkt der Mobbing-Attacken ihrer Klassenkollegen, wird Wanda nämlich an den Haaren gezogen, geschubst und getreten. Einige Zuschauerinnen gaben nach der Vorstellung zu, ein oder zwei Tränen vergossen zu haben. Ein großer Applaus gebührt den Schauspielerinnen und Schauspielern Anton Balint, Lucia Barbu, Paul Bondane, Eleonora Coșuleț, Barbara Crişan, Sebastian Gîlcă, Raluca Pavel, Adrian Prohaska und Alexandra Ioana Şerban, die ihre Rollen sehr glaubwürdig interpretiert haben. Eleonora Coșuleț interpretierte die Rolle von Peggy hervorragend, doch auch Barbara Crişan gab eine sehr gute Maddie ab. Die Hauptrolle der Wanda übernahm Alexandra Ioana Şerban.

„Die Geschichte von Eleanor Estes hat einen wahren Kern. Die Autorin hat als Kind erlebt, wie ihre Mitschüler ein polnisches Kind gehänselt haben“, erklärt Radu Apostol. Eleanor Estes zu Herzen gehende Geschichte wurde mit dem wichtigsten Kinderbuchpreis Amerikas, der „John Newbery Medaille” ausgezeichnet und ist in den USA verpflichtende Schullektüre.

Die zeitlose Botschaft des Theaterstücks „Wanda“ ist Mitgefühl, Verständnis und Toleranz gegenüber anderen zu zeigen. Ein für jedes Alter sehenswertes Stück.

Cynthia PINTER

 

 

 

 

 

 

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