Schüler fürs Leben vorbereiten

Gespräch mit Monika Hay, Direktorin des Brukenthalgymnasiums

Ausgabe Nr. 2558

Schuldirektorin Monika Hay im Konferenzraum der Brukenthalschule.
Foto: Cynthia PINTER

Monika Hay bekleidet seit einem Jahr das Amt der Direktorin des Samuel von Brukenthal-Gymnasiums in Hermannstadt. Monika Hay (43) stammt aus Semlak im Kreis Arad, wo sie die ersten acht Schuljahre absolvierte. Nach dem Abschluss des Pädagogischen Lyzeums war sie elf Jahre lang als Grundschullehrerin an der Nicolae Iorga-Schule (Schule Nr. 6) in Hermannstadt tätig. In der Zeit studierte sie Geschichte und war ab 2004 12 Jahre lang Fachinspektorin für den deutschsprachigen Grundschul- sowie Minderheitenunterricht im Hermannstädter Schulamt. Im laufenden Schuljahr besuchen das Brukenthalgymnasium 862 Schüler/innen in den Klassen 5 bis 12. An der Schule unterrichten 62 Lehrerinnen und Lehrer (nicht alle mit vollem Deputat), hinzu kommen 17 Verwaltungsangestellte, die den Schulbetrieb am Laufen halten. Über ihren Beruf und die Schule sprach Monika Hay mit HZ-Redakteurin Cynthia P i n t e r:

 

Wollten Sie schon immer Lehrerin sein?

Als Grundschülerin habe ich mir immer vorgestellt, Lehrerin zu werden. In der siebenten Klasse ist der Wunsch gereift, auch nach Hermannstadt zu kommen. Das lag daran, dass im Zwei-Jahres-Turnus zufällig immer eine Semlakerin hier am Päda war. Die Pädaklassen haben in der Zeit regelmäßig Ausfahrten in die Herkunftsorte der Schüler unternommen. Das war für ein Schulkind vom Dorf ein Highlight. Es wurde viel gesungen, Theater gespielt, ein eben sehr attraktives Programm. Das war ein Grund weswegen ich an diese Schule kommen wollte. Der zweite, das Gemeinschaftsgefühl, das hier vermittelt wurde und dass man als deutsche Grundschullehrerin ausgebildet wurde, der dritte.

Erinnern Sie sich an Ihren ersten Schultag?

Ja. Daran erinnere ich mich gut. Es war damals Tradition, dass man von der Lehrerin aus dem Kindergarten in die Schule abgeholt wurde. Das waren in Semlak ein paar Gassen Entfernung, unendlich weit für Kinderbeine. In Semlak fährt man viel Rad. Ich bin auch im Winter bei zentimeterdickem Eis mit dem Rad in die Schule gefahren, nie zu Fuß gegangen. Das Dorf ist sehr lang gestreckt und groß und dass ich als Schulanfängerin diesen langen Weg vom Kindergarten zur Schule gehen musste, daran erinnere ich mich genau. Außerdem schien mir alles furchtbar fremd und ich empfand auch eine gewisse Angst, vor dem, was da kommen würde. Darum verstehe ich die Kinder, die Schulängste haben, sehr gut.

Was für eine Schülerin waren Sie?

Bis ich nach Hermannstadt kam, war ich immer Klassenbeste. Einfach ohne Leistungsdruck eine 4 bekommen zu können, war aber auch eine schöne Vorstellung.

Kam der Leistungsdruck von zu Hause?

Nicht unbedingt. Er war auch selbst produziert. Ich wollte auf einem bestimmten schulischen Niveau bleiben. Aber die erste 4 in Musik auf ein Notendiktat in der 9. Klasse habe ich dann richtig genossen.

Was unterrichten Sie an der Brukenthalschule?

Geschichte der deutschen Minderheit, ein Fach, das wir in der 6. und 7. Klasse haben. Leider wird das Fach im Lyzeum nicht mehr unterrichtet, wo es viel sinnvoller wäre, weil dann die Schüler reifer sind. Ich war vor zwei Jahren in Fünfkirchen/Ungarn und die Ungarndeutschen haben ein ähnliches Fach in der 9. Klasse.

Was sind Ihre Aufgaben als Schuldirektorin? Muss man dafür Management studiert haben?

Es schadet nicht. Das, was man in einem Managementstudium für Bildungsinstitutionen mitbekommt, bereitet einen allerdings nur bedingt für die Realität vor. Die meisten administrativen und organisatorischen Fäden laufen durch die Hände der Schulleiter. Diese Fäden haben wir uns mit Bianke Grecu, der stellvertretenden Schuldirektorin, aufgeteilt. Man ist z. B. zuständig für finanzielle Entscheidungen, aber auch für die Zuteilung der Lehrer für die verschiedenen Klassen, für die Qualität des Unterrichts, die Kommunikation mit Schülern und Eltern. Vieles wird aber auch delegiert.

Welche Eigenschaften machen einen guten Lehrer aus?

Meiner Meinung nach ändern sich die Anforderungen an einen guten Lehrer im Laufe der Zeit. Wenn ein Lehrer zu meiner Zeit viel Wissen auf pädagogisch und didaktisch richtiger Art und Weise vermitteln musste, Schüler sich sehr viel Wissen aneignen mussten, so ist es heute eher so, dass der Lehrer eigentlich den Schülern einen Weg zeigen müsste, wie sie wannimmer im Leben sich Wissen aneignen können. Oder die nötigen Kompetenzen entwickeln, damit sie gewappnet sind für jedwelche neue Anforderung, die der Arbeitsmarkt oder die Gesellschaft an sie stellt. Wir sind Erzieher, Wikipedia, oft auch Elternersatz. Die Anforderungen an den Lehrer sind sehr gestiegen.

Die Brukenthalschule wurde 1380 erstmals als lateinisches Gymnasium urkundlich erwähnt.                                             Foto: Cynthia PINTER

Wie sehr spürt man den allgemeinen Lehrermangel an der Brukenthalschule?

Bei uns werden ungefähr 50 Prozent der Unterrichtsstunden in deutscher Sprache gehalten. Da mögen andere Schulen besser dastehen, aber wenn ich sage, es wird in deutscher Sprache unterrichtet, dann zu 100 Prozent in einem Deutsch, das auf hohem Niveau ist. Ansonsten ziehen wir eine fachlich hohe Qualität des Unterrichts in rumänischer Sprache vor. Es geht vor allem um die naturwissenschaftlichen Fächer. Z.B. unterrichtet nur einer von insgesamt vier Physiklehrern in deutscher Sprache. Das Problem wird in den nächsten fünf bis sechs Jahren akuter werden.

Wie könnte man den Lehrerberuf in Rumänien – außer mit Geld – attraktiver machen?

Die finanzielle Unterstützung der deutschsprachigen Lehrer mit Mitteln, die vom Deutschen Bundestag genehmigt wurden, ist ganz wichtig. Geld ist aber sicher nicht das einzige Motivationsmittel. Wenn ich mich in unserem Lehrerkollegium umsehe, sind es sicher über 90 Prozent, die nicht des Geldes wegen im Lehramt bleiben, sondern es sind andere Beweggründe, vor allem Idealismus, die positive Einstellung zum Beruf. Motivierend wirken die sehr vielen positiven Rückmeldungen von Schülern, die Freude am Beruf, das Gefühl, etwas bewirken zu können.

Stimmt dann die Aussage: Lehrersein ist eine Berufung?

Absolut, und wenn es keine Berufung ist, dann spürt man das auch sehr, die Arbeit wird zur Qual.

Was macht die Brukenthalschule so attraktiv? Warum ist der Andrang, hier zu lernen, so groß?

Wir sind tatsächlich eine sehr attraktive Schule. Wir sind der Meinung, dass nicht nur der niveauvolle Unterricht, sondern auch das reichhaltige Angebot an Aktivitäten jenseits des Pflichtprogramms wichtig sind. Ich denke, es liegt auch daran, dass unsere Lehrer sehr konsequent sind, in dem, was sie von den Schülern erwarten. Wir versuchen, die Regeln, die wir aufstellen, auch einzuhalten, unseren Schülern nicht nur in der Klasse Werte zu vermitteln, sondern auch außerhalb des Klassenraums. Diese Schüler, die uns vier oder acht Jahre anvertraut sind, möchten wir fürs Leben vorbereiten.

Können Sie uns ein paar außerschulische Aktivitäten nennen?

Es gibt einen breitgefächerten Terminkalender, den wir vergangenes Schuljahr eingehalten haben. Von der Improtheater-AG, den Tanzgruppen, dem Radio Bruk, den Ausflügen bis hin zum Weihnachtsbasar, der übrigens am Donnerstag, dem 21. Dezember, um 17 Uhr stattfindet, Fasching oder Misswahl. Einmal pro Jahr gehen wir mit den Schülern in ein philharmonisches Konzert und zu einer Ballettaufführung. Dieses Jahr beabsichtigen wir, ein Adventssingen mit Orgelbegleitung am letzten Schultag in der Evangelischen Stadtpfarrkirche, zu organisieren.

Was würden Sie an der Brukenthalschule verändern, wenn Sie viel Geld zur Verfügung hätten?

Es hängt davon ab, in welchem Bereich. Mit viel Geld könnte man natürlich die materielle Ausstattung um einiges verbessern, sprich das Schulmobiliar, und dass wir endlich in einer Schicht arbeiten, es also nur vormittags Unterricht gibt. Ich hoffe, das klappt in 1-2 Jahren.

Videoprojektoren in allen Klassen wären wünschenswert, auch Smartboards, von denen wir zur Zeit zwei haben, sind bei manchen Lehrern sehr beliebt.

Welche Werte möchten Sie den Schülern vermitteln?

Es ist mir wichtig, dass unsere Schüler lernen, was Zivilcourage bedeutet, Verantwortung zu übernehmen und zu ihren Entscheidungen zu stehen. Lernen, was es heißt, Regeln einzuhalten und nicht nur von den anderen zu erwarten, dass Regeln eingehalten werden. Lernen, ein zivilisiertes Verhalten an den Tag zu legen, in der Schule, wie im Alltag. Sie sollen hier zu mündigen Bürgern erzogen werden. Ich denke nicht, dass das nur nach Abschluss der Schule möglich ist. Das ist Aufgabe der Schule, unsere Schüler darauf vorzubereiten, verantwortungsbewusste junge Menschen zu werden.

Wie entspannen Sie sich nach einem harten Arbeitstag?

Ich lese sehr gerne, z. B. Hemingway und Böll. Gerade lese ich ein Buch, das mir sehr gut gefällt und das ich weiterempfehlen würde. Es ist von Matthias Nawrat und heißt „Die vielen Tode unseres Opas Jurek“. Außerdem sehe ich mir manchmal in der Freizeit Filme an; wenn schönes Wetter ist, fahre ich gerne Rad, sitze aber auch gerne mit Freunden zusammen.

Vielen Dank für das Gespräch!

 

 

 

 

 

 

 

 

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