„Ein Festival mit gehobenem Niveau“

  1. Ars Hungarica fand in Hermannstadt statt

Ausgabe Nr. 2555

 

Die Sängerin Palya Bea begeisterte die Zuschauer mit ihrem einzigartigen Stil. Foto: Werner FINK

Die 12. Auflage des Ars Hungarica Festivals fand vergangene Woche in Hermannstadt statt, wobei das reiche Kulturprogramm erneut für jedes Alter und jeden Geschmack acht Tage lang insgesamt 35 interessante Veranstaltungen beinhaltete. Einige Höhepunkte des Festivals waren u.a. die Konzerte der ungarischen Sängerin Palya Bea, von Koszorus Krisztina oder das Konzert von Falusi Mariann und Sárik Péter, das Tanzhaus und der Ball im Spiegelsaal. Eröffnet wurde das Festival mit der Vorstellung des deutsch-rumänischen Buches „Hermannstadt – meine Liebe/Sibiu – dragostea mea“, Übersetzungen eines Teils des Buches „Vissza néztem félutamból“ des ungarischen Bildhauers Borsos Miklós.

HZ-Chefredakteurin Beatrice Ungar, Werner Fink und Serfőző Emese (v.l.n.r.) stellen die deutsch-rumänische Fassung eines Teils des Buches „Visszanéztem félutamból“ des Künstlers Borsos Miklós vor.                  Foto: Fred NUSS

„Mein Vater, ein Szekler-Ungar, arbeitete – als Uhrmacher und Goldschmied – in vielen ungarischen Städten in seiner Zeit als Gehilfe, aber in Hermannstadt ist die Schönheit der Stadt, ihre Umgebung, ihr altertümlicher Zauber, das fleißige und verlässliche Volk der Sachsen dermaßen anziehend für ihn, dass er sich dort niederließ“, schreibt der ungarische Bildhauer, Medaillenkünstler und Grafiker Borsos Miklos in seinem Buch „Vissza néztem félutamból“ (Rückblick auf halbem Weg). In diesem Jahr wurde das Festival nämlich mit der Vorstellung der deutsch-rumänischen Fassung, desjenigen Teils des Buches eröffnet, in dem der Künstler seine in Hermannstadt verbrachte Kindheit beschreibt, wobei das Buch nun den Namen „Hermannstadt – meine Liebe/Sibiu, dragostea mea“ trägt. In diesem Teil beschreibt Borsos unter anderem auch, wie es dazu kommt, dass er die Laufbahn eines Künstlers einschlägt. Seine in Hermannstadt verbrachten Jahre spielten dabei scheinbar eine maßgebende Rolle. Borsos ist 1906 in Hermannstadt geboren, wobei er mit seiner Familie infolge des Ersten Weltkrieges nach Ungarn aussiedelt, wo er später als erfolgreicher Künstler zahlreiche Auszeichnungen erhält, wie den Kossuth-Preis, den Munhácsy Mihály-Preis u.a. und auch international bekannt und anerkannt wird. Gezeigt wurde im Rahmen der Veranstaltung ein Ausschnitt eines 1986 von dem Künstler selbst gedrehten Filmes, in dem er u.a. seine Heimatstadt Hermannstadt zeigt.

Levente Serfőző unterstrich im Rahmen der Eröffnung im Spiegelsaal, dass für eine Gemeinschaft Kulturveranstaltungen zwar wichtig aber nicht ausreichend seien. Man müsse täglich Schritte tun, um eine Entwicklung erreichen zu können. Ein Ziel sei, die ungarische Kultur auch den anderen hier lebenden Ethnien der Stadt, sowie aber auch Mischehen näher zu bringen. Als Ehrengast dabei war auch der ungarische Generalkonsul in Klausenburg, János Barabás, der die Wichtigkeit der kulturellen Zusammenarbeit, des gegenseitigen Kennenlernens und der gegenseitigen Akzeptanz im Hinblick auf das friedliche Zusammenleben von verschiedenen Nationalitäten unterstrich. Die Wichtigkeit der Unterstützung von Mischehen hob auch er hervor.

Anschließend wurde eine Ausstellung der Grafikerin Rebekka Ivácson eröffnet, in der Teegefäße zu sehen waren, wobei die mit Teeblättern gefärbten Zeichnungen sogar dufteten. Kennenlernen konnten die Anwesenden Bräuche des Teetrinkens in Ländern wie Japan, China, Indien, Russland, Marokko, England und der Türkei. Dazu gab es eine Teeverkostung, wobei das Intermezzo Quartett das Ereignis musikalisch untermalte.

Am nächsten Tag gab es die interaktive Theatervorstellung für Jugendliche „Picknick auf einem japanischen Teppich” der Osonó Gesellschaft. In der Vorstellung geht es um Edi, der in Rumänien lebt, der sowohl ungarische als auch rumänische Freunde hat, die sich zwar kennen, einander aber nicht mögen. Edi entscheidet sich, beide Seiten zu seiner Geburtstagsfeier einzuladen. Er glaubt, wenn zu diesem Anlass alle zu Japanern werden, könnten sie alle zusammen feiern. Die interaktive Vorstellung soll übrigens das Ergebnis eines Workshops vor einigen Jahren gewesen sein, wo rumänische und ungarische Jugendliche ihre eigenen Geschichten und Erfahrungen erzählen durften.

Einen Zoltán Kodály -Abend gestalteten im Thalia-Saal die drei Schüler der „Liszt Ferenc”-Musikakademie in Budapest, Eszter Karasszon (Cello), Panni Hotzi (Klavier) und Judit Anna Kiss (Mezzosopran). In diesem Jahr sind nämlich 135 Jahre vergangen, seit der ungarische Komponist, Musikpädagoge und Musikethnologe geboren wurde.

Bei der Vernissage des Fotosalons des Weltverbandes der ungarischen Fotografen übergab der Verbandsvorsitzende Patrus Sándor (2.v.r.) der Vizebürgermeisterin Corina Bokor (Mitte) ein kleines Andenken. Dabei waren Serfőző Levente (1.v.l) links), Daniel Bălțat (2.v.l.) und Magdó István (1. v.r.). Foto: Werner FINK

Am selben Abend konnten die Festivalteilnehmer im Gong-Theater die 1976 geborene ungarische Sängerin Palya Bea (Beáta Palya) kennenlernen, die aus ihren Lebenserfahrungen inspirierte Lieder vortrug. In ihrer Musik vereint sie Elemente ungarischer, bulgarischer Volksmusik und Zigeunermusik sowie indischer Musik, Weltmusik und Jazz. Sie spielte übrigens im Film „Django, ein Leben für die Musik”, mit dem die Internationalen Filmfestspiele Berlin 2017 eröffnet wurde, die Rolle von Naguine Reinhardt, die Frau der Hauptgestalt, des legendären Sinti-Jazzmusikers Django Reinhardt. Im Film wird das Leben desselben zur Zeit der deutschen Besatzung in Paris beleuchtet. Bereits mit einem Lied aufgetreten war sie auch in dem Spielfilm „Transylvania“, von Tony Gatlif (2006,) dem Abschlussfilm der Filmfestspiele in Cannes. In Hermannstadt soll sie nicht zum ersten Mal gewesen sein, denn vor längerer Zeit habe sie mit ihrer ersten Liebe siebenbürgisch-sächsische Städte besichtigt. Am nächsten Tag gab Palya Bea noch ein Kinderkonzert, das wenigstens ebenso erfolgreich beim Publikum ankam, wie das andere am Tag davor.

Für Kinder hatten die Veranstalter übrigens auch dieses Mal reichlich gesorgt. U.a. gab es eine Vorstellung mit der Schauspielerin Enikő Blénessy vom Deutschen Staatstheater Temeswar, die mit dem ungarischen Kulturbüro in Hermannstadt auch die „Csodavár”-Kindervorstellungsreihe organisert.

Koszika“, die beste Sängerin der Sibiu Jazz Competition 2016, glänzte noch einmal in Hermannstadt.              Foto: Werner FINK

Bewundert wurde auch die Rockband „No Sugar” aus Niklasmarkt/Gheorgheni, wobei die Band, mit Sängerin Livia Portik voran u.a. auch das eigene Lied „Hiszek benned” (Ich glaube an dich), mit dem sie 2016 den Wettbewerb „Legszebb Erdélyi Magyar Dal” (schönstes siebenbürgisch-ungarisches Lied) gewannen, zum besten gaben. Ein weiteres interessantes Konzert war der Auftritt der Sängerin Koszorus Krisztina oder „Koszika” und der Band „The Hotshots” im Music Pub. Die Hermannstädter müssen sie bereits gekannt haben, denn 2016 wurde sie im Rahmen der Sibiu Jazz Competition mit dem Preis „Beste Sängerin” ausgezeichnet. Die ungarischen Volksliedaufarbeitungen, darunter das Lied „Gyöngyvirágos”, das damals als das beliebteste der Jury und des Publikums galt, gab sie im Rahmen der Ars Hungarica jetzt wieder zum besten. Ihr bekanntes Lied „Closer” fehlte natürlich auch nicht vom Repertoire. Koszika war übrigens 2011 auch schon in der Sendung „Vocea României” des Senders PRO TV zu sehen. 2015 wurde sie bereits im Rahmen des Jazz Festivals in Neumarkt zur „besten Sängerin” erklärt. Weiterhin bekam sie 2016 den Preis „Best Vocal Solist” im Rahmen des Johnny Răducanu Jazz Festivals in Brăila. Außerdem wurde das Duo Koszorus Krisztina und Szász Csaba mit dem „Confirmation of the Year, Muzza Jazz Awards, 2017” ausgezeichnet. Ein weiteres gut besuchtes Konzert im Rahmen der Ars Hungarica war das Jazzkonzert von Falusi Mariann und Sárik Péter mit dem das Festival nun abgeschlossen wurde. Den auf internationaler Ebene erfolgreichen Sárik kannten die Hermannstädter bereits, denn hier konzertierte er schon öfters, u.a. gab er mit seinem Sárik Péter Trio das Konzert „x Beethoven” im September. Sárik scheint vor allem durch die Einbindung des Publikums beliebt zu sein und war dieses Mal gemeinsam mit Falusi Mariann nicht nur bei den Erwachsenen, sondern auch bei den Kindern erfolgreich, die den Auftritt förmlich genossen. Falusi Mariann kennt man übrigens auch als Mitglied der bei den Ungarn gut bekannten Band „Pa-Dö-Dő“.

Eine Reihe von Veranstaltungen wurden dem 200-jährigen Jubiläum seit der Geburt des ungarischen Dichters Arany János gewidmet. Zu diesem Thema gab es eine Vorstellung u.a. des Schauspielers Marosán Csaba. Arany János schrieb u.a. das Gedicht „Szent László”, in dem er die Legende des Heiligen Ladislau aufarbeitet. Dieser soll vor genau 940 Jahren den Thron bestiegen haben und vor 825 Jahren zum Heiligen erklärt worden. Scheinbar soll die Ladislau-Legende vor allem in Siebenbürgen sehr beliebt sein.

In einem Gespräch mit dem Hermannstädter Grafiker Stefan Orth, stellte der Kunsthistoriker Banner Zoltán sich sowie sein Buch „Képírás-képolvasás” vor. Banner verabschiedete sich indem er ebenfalls eine Arany János-Dichtung vortrug.

Im Rahmen des Ars Hungarica Festivals wurde nun auch die Fotoausstellung des Weltverbandes der ungarischen Fotografen im Beisein des Verbands-Präsidenten Patrus Sándor und des -Vizepräsidenten Magdó István sowie der Vizebürgermeisterin Corina Bokor eröffnet. Der Verband wurde 2002 ins Leben gerufen und zählt gegenwärtig 172 Mitglieder. In der Ausstellung sind 45 von insgesamt 80 ausgezeichneten Fotos des 17. Internationalen ungarischen Fotosalons zu sehen, wobei die Fotos in den Kategorien „Leben und Werk von Arany János“, „Ungarische Volksmusik“, „S’Örömre fel!“ (Hoch das Bier/ die Freude) sowie in der Hauptkategorie eingesendet wurden. Die Anwesenden begrüßte auch Fotograf Daniel Bălțat, der Leiter der „Image Art”-Fotografieschule in Hermannstadt.

Ars Hungarica sei das niveauvollste Festival, zu dem er je eingeladen wurde, meinte Demeter László von dem „Tortoma Verlag“ in Baraolt, der im Rahmen des Festivals verschiedene Bücher, die in diesem Verlag erschienen sind, vorstellte.

Werner FINK

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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