Nur die liegende Acht kommt in Frage

Eine One Man Show der Marke Gigi Căciuleanu auf der Bühne des Gong-Theaters
Ausgabe Nr. 2554

 

Szenenfoto mit Lari Giorgescu.                              
Foto: Cynthia PINTER

Eine Stahlpyramide, ein Würfel und ein silberner Fußball dienen als Bühnenbild. Auf der Bühne im „Gong“-Theater für Kinder und Jugendliche steht ein Mann. Er beginnt sich elegant zu bewegen. Es sind Tanzsequenzen, die er mehrmals wiederholt. „Eine kleine Nachtmusik“ heißt das Tanztheater von Gigi Căciuleanu, das am Sonntagabend (5. November) im „Gong“-Theater in Premiere aufgeführt wurde.

 

Der Schauspieler auf der Bühne heißt Lari Giorgescu und zieht, durch seine Art zu sprechen und sich zu bewegen, sofort das zahlreich erschienene Publikum in seinen Bann. Seine Monologe sind Metaphern, laut ausgesprochene Gedanken und zwischendurch sind Werke von Wolfgang Amadeus Mozart, u. a. „Don Giovanni“ und „Eine kleine Nachtmusik“, zu hören, zu denen Lari tanzt. Den Text, die Poesie hat Gigi Căciuleanu selber gedichtet. Wer ihn schon einmal sprechen gehört hat, weiß, dass der Mann voller Weisheiten steckt.

Gigi Căciuleanu, der übrigens nur einen französischen Wikipedia-Eintrag hat und keinen rumänischen, ist ein rumänischer in Frankreich lebender Tänzer und Choreograph, der in Hermannstadt 2011 mit dem Nationalballett von Chile „Noce Bach“ vorstellte, 2012 beim Theaterfestival mit „Carmina Burana“ zu Gast war und 2013 das Tanztheater „Mozart Steps“ mit den Schauspielern des Radu Stanca-Nationaltheaters inszenierte. Er bekam 2014 einen Stern auf dem „Walk of Fame” in der Harteneckgasse für seine Tätigkeit als Choreograf, Regisseur und Tänzer, Leiter des Nationalen Choreografie-Zentrums in Rennes und des Nationalballetts von Chile.

Über „Eine kleine Nachtmusik“ sagte Căciuleanu in einem Interview kurz nach der Premiere, die am 13. September innerhalb des George Enescu-Festivals stattgefunden hat: „Es ist sehr viel Kalkül in dem Stück. So wie hinter einer Musikpartitur sehr viel Kalkül, sehr viel Leidenschaft und Talent steckt“. Mathematik und Geometrie sind in den Bewegungen und Formen, die der Tänzer mit seinem Körper schafft, auf der Bühne zu erkennen. Dass hinter der so tranceartig mühelos scheinenden Eleganz solcher Abläufe körperliche Höchstleistung steckt, kann das Publikum ahnen – und am heftigen Atmen in den kurzen, stillen Pausen zwischen den Sequenzen dieses knapp einstündigen Abends auch hören. Seine Bewegungen haben auch etwas Spielerisches in sich, zum Beispiel beim Dribbeln mit dem Fußball. Als Lari sein durchschwitztes T-Shirt auszieht und seinen nassen Oberkörper zeigt, hat das auch etwas Erotisches.

Für Lari Giorgescu könnte diese Rolle der Höhepunkt seiner Karriere sein. Neben einem enormem körperlichen Einsatz verfügt der 30-Jährige über einen aussagekräftigen Gesichtsausdruck.

Sein Spiel mit dem Spiegel, mit Hüten, mit der Theaterkleidung aus Mozarts Werken, mit dem silbernen Fußball, macht die Bühne frei für die Interaktion mit den geometrischen Figuren des Bühnenbilds. Da fragt man sich als Zuschauer, woraus Bühnenbildner Vladimir Turturică diese riesige Pyramide gebaut hat, auf die Lari zuerst klettert und die er dann über seinen Kopf hebt.

Ziffern sind ein wichtiger Teil der Aufführung. Vor allem das Philosophieren über die liegende 8, das Unendlichzeichen, das aus zwei Kreisen besteht, brachten die Zuschauer zum Nachdenken.

„Eine kleine Nachtmusik“ ist die fünfte Tanzperformance von Gigi Căciuleanu mit Musik von Mozart. Sollte man die Performance, oder das „Happening“, wie es Gigi Căciuleanu nennt, benoten, so käme nur die Acht in Frage. Die liegende Acht.

Cynthia PINTER

 

 

 

 

Posted in Aktuelle Ausgabe, Tanz.