„Ein Hologrammgewebe“

Neue Übersetzung eines Buches von Dagmar Dusil

Ausgabe Nr. 2553

 

Dagmar Dusil (2. v. r.) las aus dem jüngst übersetzten Buch, Ioana Ieronim (1. v. r.) und Valentin Leahu (2. v. l.) stellten es vor. Moderiert hat die Buchvorstellung Beatrice Ungar (1. v. l.).                         Foto: Fred NUSS

„Wie Spinnen weben die Menschen ihre Geheimnisse“ heißt es in dem Text „Bilder einer Kindheit“ aus Dagmar Dusils Prosaband „Wie die Jahre verletzen“, der 2012 im Johannis Reeg Verlag Bamberg erschienen ist. Der Titel der rumänischen Fassung, die vor kurzem im Tracus Arte-Verlag Bukarest herausgegeben worden ist, nimmt darauf Bezug. Er lautet „Cine păzește pânza de păianjen?“ (Wer bewacht das Spinnennetz?)

 

Das Buch wurde am Mittwoch der Vorwoche in der Humanitas-Buchhandlung in Hermannstadt vorgestellt. Es ist das dritte Buch der Autorin, das in rumänischer Fassung erscheint, nach „Privire înapoi pe fereastra bucătăriei“ (Blick zurück durchs Küchenfenster) und „Miniaturi sibiene“ (Hermannstädter Miniaturen).

Zunächst sprach Valentin Leahu (Cenaclul de la Păltiniș) über die Neuerscheinung, wobei er eine Parallele zog zu der Prosa der rumänischen Schriftstellerin Cella Serghi. Diese hatte in ihrem Roman „Pânza de păianjen“ (Das Spinnennetz) geschrieben: „Wir werden gezwungen, den Faden der Zeit aus uns selbst zu spinnen, wie die Spinne“.

Dagmar Dusil: Cine păzește pânza de păianjen. Rumänische Fassung von Karin Dragota-Sander/Redaktion Michael Astner. Tracus Arte Bukarest 2017, ISBN: 978-606-664-847-9

Insofern hat Leahu recht: Dagmar Dusil „spinnt“ ihre eindrücklichen Geschichten aus der Substanz ihrer (Kindheits)Erinnerungen aus einer sehr bewegten Zeit, der Zeit knapp vor Ende und nach dem Zweiten Weltkrieg, eine auch für die in Rumänien lebenden Angehörigen der deutschen Minderheit schlimmen Zeit, geht aber auch auf ihre Auswanderung nach Deutschland ein, bietet ausgefeilte Zeitsprünge mit Tiefgang an.

Die in Washington D. C. lebende Autorin Ioana Ieronim schreibt in dem Vorwort treffend: „Der vorliegende Band ist besonders einheitlich, die Texte ergänzen und beleuchten einander gegenseitig, so dass uns das Ende der Lektüre mit dem Eindruck eines kohärenten und lebendigen Universums zurücklässt, daraus wir zu lernen haben und das uns dazu anregt, so manches zu denken und zu überdenken. Es sind Geschichten über Erfahrung, die die Unschuld nicht ausschaltet, über die angeborene Weisheit, die Wiedergewinnung der Unschuld durch Leid, über Zerbrechlichkeit und Widerstand.“ Ieronim schlussfolgert: „Im Hologrammgewebe dieser vielfachen Ebenen finden wir hochkarätige Wahrheiten“. Diese zu entdecken lädt auch die rumänische Fassung des Bandes ein.

Beatrice UNGAR

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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