„Ein Jahrhundertereignis”

Gespräch mit Krimiautor Ralf Kramp

Ausgabe Nr. 2552

 

So richtig à la Sherlock Holmes mit Tweed-Jacke begrüßte Ralf Kramp das Publikum im Deutschen Kulturzentrum.   Foto: Ruxandra STĂNESCU

In der Eifel in Deutschland werden in der Krimiliteratur jährlich die meisten Menschen umgebracht, erzählte diesen Herbst der Krimiautor Ralf Kramp bei seiner Lesung im Deutschen Kulturzentrum Hermannstadt. Seit 25 Jahren schreibt der Autor Krimis und „schwarzhumorige Kurzgeschichten” mit der Handlung hauptsächlich in der Eifel. Außerdem betreibt Ralf Kramp zusammen mit seiner Ehefrau Monika ein „Kriminalhaus”, wo keiner umgebracht wird, sondern die Krimis im Mittelpunkt stehen. Über seine Arbeit sprach der Autor mit HZ-Redakteurin Ruxandra S t ă n e s c u.

 

Schreiben Sie Serien oder lieber eher Einzelromane?

Ich habe zwei Serien, denn es ist immer schön, sich von der einen oder anderen zu erholen, und zwischendurch gibt es immer wieder „stand alone”-Bücher, die nicht fortgeführt werden. Dann habe ich eine ganze Reihe von Kurzgeschichten – das sind sicher 200 Stück mittlerweile – die dann immer paar Jahre in Buchform zusammen veröffentlicht werden.

Leben in der Eifel noch genug Menschen, die „ermordet” werden können?

Das Schöne ist, dass mir die Ideen bislang auch nach 20 Jahren noch nicht ausgegangen sind, so habe ich Hoffnung für die Zukunft. Und die Eifel ist so ein inspirierender Ort, ich habe immer neue Ideen, wie man eine Kriminalgeschichte in diese Landschaft setzen kann.

Haben Sie ein Lieblingsbuch?

Eigentlich ist immer jeweils das letzte Buch, das man gerade auf den Markt gebracht hat, das Lieblingsbuch. In diesem Fall ist es „Abendlied”, das ist der siebte Fall für meinen Ermittler Herbie Feldmann, der einen unsichtbaren Begleiter hat. Es ist eine schwarzhumorige und ein bisschen schräge Geschichte. Es gibt dann eine schon viele Jahre alte Geschichte, da ermittelt ein Trio von Senioren. Das ist ein sehr ernster Roman, der liegt mir noch immer sehr am Herzen, denn ich denke, das ist schon fast so was wie Literatur, denn die Kriminalliteratur wird nur als Unterhaltung gesehen, aber da habe ich ein Thema gefunden, das ein bisschen tiefgründiger ist. Darauf bin ich ganz stolz, aber eigentlich mag ich alle meine Romane ganz gern.

Viele ihrer Hörbücher lesen Sie selber vor.

Es gibt auch Hörbücher, die von einem Schauspieler gelesen werden, aber ich bin in Deutschland sehr oft bei Lesungen angesprochen worden, ob ich meine Texte doch nicht auch selber irgendwie intoniere und dann habe ich gedacht, dass man das mal machen kann. Ich habe auch inzwischen festgestellt, dass ich mir mittlerweile als Vorleser mir einen Namen gemacht habe, denn ich mache zwischen 90 und 100 Lesungen im deutschsprachigem Raum.

Lesen Sie oft im Ausland?

Dass ich jetzt hier in Hermannstadt bin, ist ein Jahrhundertereignis. Ich bin oft in Belgien, in der Schweiz oder in Österreich, aber so ein fremdes Land habe ich selten erlebt.

Sie betreiben mit Ihrer Ehefrau Monika Kramp ein Kriminalhaus in der Eifel.

Wir haben ein altes Gebäude gekauft, das wir komplett zum Kriminalhaus umfunktioniert haben, das heißt, dass vom Keller bis auf den Aufboden alles auf das Thema Krimi eingestellt ist. Es gibt eine Buchhandlung, ein Café Sherlock, ein deutsches Krimi-Archiv. Mit über 30.000 Bänden haben wir die größte Krimibibliothek in Deutschland. Und das alles ist mitten in der Eifel, in dem kleinen Städtchen Hillesheim. Heute reisen Leute aus ganz Deutschland zu uns, um Krimi zu erleben.

Woran arbeiten Sie gerade?

Ich habe gerade einen neuen Roman fertig gestellt, jetzt geht es an die Ideenfindung für den nächsten Roman und ich glaube, im Frühjahr des nächsten Jahres könnte das was werden.

Informationen zu Ihren Büchern und zum Kriminalhaus findet man im Internet.

Ja, unter http://www.ralf kramp.de und http://www.kri minalhaus.de, aber auch viel auf Facebook, gerade jetzt, da ich in Hermannstadt bin, ist die Begeisterung sehr groß.

Woher nehmen Sie die Inspiration?

Von überall her, zum Beispiel haben mich die „Augen von Hermannstadt” sofort angesprochen. Solche Augen halb zu Schlitzen zugekniffen, die einen verfolgen, wenn man über die Straße geht, so etwas kann man sich gar nicht ausdenken. Mir wird bestimmt eine Geschichte dazu einfallen.

So wird Hermannstadt noch berühmter…

Ich werde die Erfahrung von dieser Reise in einem Text verarbeiten, da bin ich mir ganz sicher.

Vielen Dank für das Gespräch.

 

 

 

 

 

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