Wichtig ist ein „Wärmemantel“

Waldorfschule in Rothberg/Roșia feierte 20. Gründungsjubiläum

Ausgabe Nr. 2550

Toni Wirz (links) überreicht Annette Wiecken ein Geschenk. Foto: Werner FINK

Vergangenen Samstag wurden 20 Jahre seit der Gründung der Waldorfschule in Rothberg gefeiert. Nach der Vorstellungsrunde von ehemaligen und gegenwärtigen Schülern und des Lehrerteams, wurden die Anwesenden durch die Geschichte der Schule geführt, wobei Personen, die im Leben der Schule einmal eine wichtige Rolle gespielt haben oder immer noch spielen und sich für das Projekt weiterhin engagieren zu Wort gebeten wurden. „Wichtig ist, dass sich ein Wärmemantel um ein Projekt bildet, sonst kann es nicht lange existieren. Das ist mir klargeworden, es war mir klargeworden, als sich das gebildet hat”, verriet Annette Wiecken, Initiatorin des Projektes. Viel mehr als die bisher erzielten Erfolge beschäftigt Wiecken und die Projektbeteiligten ein weiteres Ziel: die Gründung einer Berufsschule.

 

Bereits die Eröffnung der Metallwerkstatt der Firma EcoArt im vergangenen Jahr, war als ein Schritt zur Gründung einer Berufsschule in Rothberg gedacht. Annette Wiecken und die anderen Projektbeteiligten hatten das Problem erkannt, dass die größte Not in Rothberg darin besteht, dass die Schüler nach Beendung der 8. Klasse nicht nach Hermannstadt gehen, um sich weiter fortzubilden. „Es gibt Jungs, die schaffen es aber es ist ganz schwierig, dass alle unsere Kinder nach der 8. Klasse nach Hermannstadt gehen, das ist nicht zu realisieren, und deshalb brauchen sie hier vor Ort eine Berufsschule“, erklärte Wiecken. Obwohl man bei diesem Vorhaben bereits Dinge erledigt habe, komme man nicht weiter. Die Probleme seien vielfältig. Eine Schule müsse etwa den Rang eines Lyzeums haben, um eine Berufsschule betreiben zu können. Annette Wiecken hat auf jeden Fall vor, auf diesem Feld weiter zu kämpfen.

Außer der bereits genannten Metallwerkstatt, gebe es schließlich eine Firma in Thalheim für Verarbeitung von Plastikmasse, was vor allem für die Mädchen sehr lukrativ wäre. „Wir hätten sofort eine volle Klasse“, betonte Wiecken.

Das Projekt der Waldorfschule in Rothberg startete 1997 als der Grundstein mit der ersten Alphabetisierungsklasse gelegt wurde. Ihr Gatte war damals in Rumänien Fachberater für Deutsch. Den ersten Kontakt zu Rothberg hatte Annette Wiecken als ihre Tochter Julia die Jahresarbeit vorbereitete und hierfür Pfarrer und Schriftsteller Eginald Schlattner ihnen das Unterdorf zeigte. „Herr Schlattner hatte uns gebeten, drei Mädchen für die Kapazitätsprüfung vorzubereiten. Es kamen aber auch andere. Es kamen zu viele, auch kleine“, sagte Wiecken. Mit diesen habe ihre Tochter praktische Aktivitäten gemacht wie Basteln, Malen, Sticken und sie habe Mathematik und auch Englisch unterrichtet. So habe das angefangen. „Das war der Impuls, der uns gesagt hat, hier sollte man Waldorfpädagogik machen“, erinnerte sich Wiecken.

Wichtig sei bei einem derartigen Projekt, dass sich ein „Wärmemantel“ um das Projekt herum bildet, bestehend aus Personen, die tatkräftig unterstützen. „Nicole Burghardt ist diejenige, die immer an uns denkt”, unterstrich Wiecken. „Lange Jahre ist sie mit der Stiftung des Gemeinderates Arlesheim verbunden gewesen und hat da immer für uns ein gutes Wort eingelegt”. Leonida Pop sei derjenige gewesen, der die Gründung über seine Beziehungen ermöglicht hatte. Gegenwärtig soll Pop ein ähnliches Projekt im Norden Rumäniens starten. Außerdem machen hier Waldorfschüler aus der Schweiz, aus Italien, aus Deutschland ihr Praktikum, wobei sie dieses Projekt ins Herz schließen.

Claudio Bernasconi kam erstmals 2005 nach Rothberg, wobei er die Sozialprojekte hier interessant fand. 2007 gründete er in Zürich den gemeinnützigen Verein „Schule für Romakinder“, dessen Hauptaufgabe die Unterstützung der Hans Spalinger-Waldorfschule in Rothberg ist. Vorstandsmitglied Toni Wirz überreichte im Rahmen der Feier seitens des Vereines bzw. der Spender und Spenderinnen ein Geschenk an Annette Wiecken.

„Annette Wiecken hat es geschafft, Kinder in die Schule zu bringen, die ansonsten verloren gewesen wären“, betonte auch die ehemalige stellvertretende Generalschulinspektorin, Kreisrätin Christine Manta-Klemens. Wiecken betonte, Manta-Klemes sei eine Mitunterstützerin des Projektes gewesen, indem sie denjenigen, die gute Initiativen hatten, „keine Steine in den Weg gelegt“ hat.

Ciprian (Klarinette) und Irina (Geige) Dancu begleiteten mit den Schülern den von Johanna Reber geleiteten Schulchor.                 Foto: Werner FINK

Anwesend waren auch der orthodoxe Ortspfarrer Sergiu Moga, der ehemalige Bürgermeister Valentin Aldea, in dessen Amtszeit das Grundstück für die Schule zur Verfügung gestellt wurde, der amtierende Bürgermeister Ioan David und der ehemalige Schuldirektor Alexandru Dumbravă. „Vor 20 Jahren war die Waldorfschule etwas, was eine institutionelle Lücke füllen konnte“, unterstrich Dumbravă. „Es war das Projekt, das Leben retten konnte, und wenn wir an das Bibelwort denken ‚Wer ein Leben rettet, rettet die ganze Menschenheit‘, können wir sagen, dass dieses Projekt zwar nicht die ganze Menschheit, aber einen Teil der Menschheit und Schicksale gerettet hat“. Dumbravă war Direktor in einer Zeit, da „die Zäune, die einige errichten wollten, aufgegeben werden mussten“. Die Waldorfschule und die Dorfschule seien mal stille Gegner, mal Konkurrenten, mal Freunde und Verbündete gewesen.

Dumbravă, der gegenwärtig Direktor des Lehrerfortbildungszentrums der Hermannstädter Schulbehörde (Casa Corpului Didactic) ist, erwähnte das positive Ergebnis von im vergangenen Jahr gestellten Anträgen zur Co-Finanzierung von Projekten aus EU-Mitteln. Infolge des positiven Ergebnisses erhalten nun die Kinder von der Waldorfschule und anderen Schulen der Gemeinde kostenlose Nachschulbetreuung, eine zusätzliche Mahlzeit und den Lehrern können Weiterbildungen angeboten werden. Über ein anderes Projekt sollen Lehrer aus benachteiligtem Umfeld motiviert werden. Dabei gehe es um Lehrer von 17 im Projekt vorgesehenen Schulen, die Gehaltszuschüsse bekommen sollen, um bei der Stange zu bleiben.

Werner FINK

 

 

 

 

Ciprian (Klarinette) und Irina (Geige) Dancu begleiteten mit den Schülern den von Johanna Reber geleiteten Schulchor.                

 

Foto: Werner FINK

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