Über die Herausforderungen des Erwachsenwerdens

Premiere mit „Avioane de hârtie“ von Studenten aufgeführt
Ausgabe Nr. 2550

Szenenfoto aus „Avioane de hârtie“                           Foto: Cynthia PINTER

Ein Basketballkorb, eine Halfpipe, ein paar Autoreifen. Das Bühnenbild: ein Spielplatz in einem Großstadtviertel. Jugendliche fahren auf Rollerblades über die Bühne. Einer schwingt gefährlich einen Baseballschläger. Das Publikum setzt sich langsam und lässt alles auf sich einwirken. Man ist mittendrin im Geschehen. „Avioane de hârtie“ heißt das neueste Theaterstück von Elise Wilk und am 27. September feierte es im Cavas-Saal der Lucian Blaga-Universität Hermannstadt Premiere. Inszeniert wurde „Papierflieger“ – wie es in der Übersetzung heißt – von Eugen Gyemant mit zwölf Student/innen der Abteilung Theater und Schauspiel der Lucian Blaga-Universität. Es entstanden binnen drei Monaten Probezeit zwei Varianten desselben Stücks mit zwei Besetzungen.

 

Zu Beginn des Theaterstücks lernt man die sechs Zehntklässler kennen. Es ist ihr erster Schultag. Der Neue heißt Miki und ist der typische Außenseiter, der von den coolen Kids Alex und Bobo direkt gehänselt wird. Alex ist der Liebling aller Mädchen. Er macht Schluss mit Lena, um mit Laura zusammen zu sein. Andra ist heimlich in ihn verliebt. Ein oder beide Elternteile arbeiten im Ausland, die Jugendlichen müssen bei Verwandten wohnen. Bobo hält die Wahnvorstellungen seiner Oma aus, Lena wird vom Freund ihrer Schwester missbraucht, Andra hält sich für zu dick und beschließt, das Haus nicht mehr zu verlassen. Am Ende des Schuljahrs zum Abschlussball weiß Andra nichts anzuziehen und bleibt wie immer zu Hause. Miki hingegen betritt schwarz gekleidet mit einer Pistole seines Onkels im Rucksack die Schule.

Zur Premiere am 27. September war die Autorin von „Avioane de hârtie“, Elise Wilk, dabei. „Jede Inszenierung ist anders“, erklärte die 36-jährige Kronstädterin. „Ich bin immer neugierig, wie verschieden die Interpretationen sein können. Ich fand die Inszenierung hier übrigens sehr gelungen“. „Papierflieger“ schrieb die Dramatikerin und Chefredakteurin der Karpatenrundschau im Jahr 2015. Das Stück ist der zweite Teil einer Trilogie für Jugendliche über Jugendliche. Der erste Teil heißt „Pisica Verde“ (Die grüne Katze) und wurde schon in verschiedenen Inszenierungen auf die Bühne gebracht. Der dritte Teil, „Crocodil“ (Krokodil) hat dieses Jahr den rumänischen Monodramenpreis gewonnen und wird demnächst in Bacău zu sehen sein.

Die jungen Talente der Schauspielhochschule stehen noch zu Beginn ihrer Bühnenkarriere, konnten aber viele Zuschauer von ihrem Talent überzeugen. Es dauerte bloß ein wenig, bis das Lampenfieber verflog, viele standen nämlich zum ersten Mal auf einer Bühne. Am 27. September spielten Alexandra Mihalache (Lena), Mădălina Ivașcu (Laura), Alis Nină (Andra), Radu Carp (Miki), Andrei Gâlcescu (Alex) und Vlad Răulea (Bobo). „Avioane de hârtie“ erzählt von den Problemen und Herausforderungen des Erwachsenwerdens und sollte von Jung und Alt gesehen werden. Die nächsten Vorstellungen finden am 28. und am 29. Oktober, jeweils um 20 Uhr, im Cavas-Saal statt.               Cynthia PINTER

 

 

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