Schreiben als Therapie

Lesung mit Karin Macke im Erasmus-Büchercafé

Ausgabe Nr. 2549

Die Lesung von Karin Macke (stehend) war gut besucht. Foto: die Verfasserin

Das Erasmus-Büchercafé ist ein Ort zum Lesen und Schreiben und am Dienstag, 26. September 2017 war es auch ein Ort zum Lesen und Schreiben über das Lesen und Schreiben. „Schreiben schreiben schreiben schreiben schreiben schreiben schreiben schreiben.“ So begann die Karin Macke ihre Lesung. Sie ist Autorin, Mitgründerin der Akademie für Text und Therapie Sprachraum und des Vereins grauenfruppe und vieles weitere. Sie will, dass Kinder und Erwachsene ihre Freude am Schreiben (wieder)entdecken. Man solle mit Worten spielen, sich trauen, Fehler zu machen, Neues auszuprobieren. „Viele denken, dass sie nicht schreiben können. Gerade von der Schule her, wo alles immer falsch oder richtig sein muss.“ Dabei habe Schreiben eine therapeutische Wirkung.

 

Darüber erzählt sie auch in ihren eigenen Texten. Wie sie vom Bleistift zur Schreibmaschine über den Laptop zurück zum Stift gewechselt ist. Von weiblichen Stimmen, die in einer von Männern dominierten Literaturwelt untergehen. Sie berichtet von ihren eigenen Erfahrungen. Von ihrer Kindheit in Wien und ihren Wurzeln in Hermannstadt. Davon, fremd im eigenen Land zu sein. Vom Schämen für seine Herkunft. Wie wichtig es ist, zu wissen, wo man herkommt und wo man hingehört.

Identität und Heimat waren Themen, die ihr gerade hier in Hermannstadt besonders nahe am Herzen lagen. Ihre Texte über das Fremdsein haben das Publikum am meisten mitgenommen. Fremdartigkeit wird durch die Perspektive eines Kindes dargestellt, sehr greifbar. Fast kann man den Schnee fühlen, das Klacken der Schreibmaschine hören und die Wurst schmecken.

Brilliant feministisch war ihre Version des Märchens Aschenputtel, die damit endet, dass Cinderella Kleid und Schuhe verkauft und sich auf eine Weltreise begibt (Eine Version, die die offiziell akzeptierte sein sollte). Macke las auch einen herrlichen Text über den katholischen Gottesdienst, der ihr als Kind „wahnsinnig erotisch“ vorgekommen sei.

Heute sei sie stolz auf ihr siebenbürgisches Erbe. Sie sieht sich weder als Österreicherin, noch Wienerin, noch Sächsin, sie sieht sich als Weltbürgerin. „Heimat ist da, wo ich mich aufhängen will“, sagt sie. Ein Wiener Sprichwort, bei dem ihr österreichischer Akzent durchkommt.

Hannah GLONING

 

 

 

 

 

 

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