Herkunft – Eine lebensprägende Mission

Paul Philippi nahm in Berlin den Georg Dehio-Preis entgegen

Ausgabe Nr. 2549

Gruppenbild mit Preisträgern und Veranstaltern: MDg i. R. Winfried Smaczny, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Kulturforums östliches Europa e.V., Jaroslav Ostrčilík, Dr. Paul Philippi, Maria Bering, Gruppenleiterin „Geschichte und Erinnerung“ bei der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, und Dr. Harald Roth, Direktor des Deutschen Kulturforums östliches Europa (v. l. n.r). Foto: © Deutsches Kulturforum östliches Europa Fotograf Mathias Marx

Klänge von Bachs Cello Suite Nummer eins erfüllen den Otto-Braun-Saal der deutschen Staatsbibliothek zu Berlin. Man versammelte sich, um Paul Philippi und Jaroslav Ostrčilík zu ehren. Seit 2003 verleiht das deutsche Kulturforum östliches Europa den Georg-Dehio-Kulturpreis an Personen und Institutionen, die „sich mit den Traditionen und Interferenzen deutscher Kultur und Geschichte im östlichen Europa bewahrend, zukunftsorientiert und im partnerschaftlichen Dialog mit den Nachbarn auseinandersetzen.” beschreibt das Kulturforum seine Leitidee. Der Preis ist dem in Reval geborenen Kunsthistoriker Georg Dehio gewidmet, dessen Errungenschaften in der modernen Denkmalpflege auch die Arbeit des Forums inspirierten. Die Tätigkeit des Kulturforums umfasst die Organisation von Veranstaltungen, wie Podiumsdiskussionen, Konzerten und Wanderausstellungen, sowie die Publikation von Kulturreiseführern und historischen Sachbüchern im eigenen Verlag.

 

Bei dieser achten Ausgabe zeichnete die Jury unter Vorsitz von Dr. Felix Ackermann den siebenbürgisch-sächsischen Theologen und Politiker Prof. Dr. Paul Philippi für sein politisches und kulturelles Schaffen in Siebenbürgen mit dem Georg Dehio-Kulturpreis aus. Der tschechische Autor, Journalist und Aktivist Ostrcilik erhielt den Förderpreis für sein Engagement in der Vermittlung von Erinnerungskultur an jüngere Generationen.

Oberhalb des Bühnengeschehens ist eine Abbildung der Hermannstädter evangelischen Stadtpfarrkirche und der davor befindlichen Statue an die Wand projiziert. Bischof Georg Daniel Teutsch, dessen Wirken als Politiker und Theologe aus der Geschichte Siebenbürgens kaum wegzudenken ist, scheint das Geschehen wohlwollend zu überblicken.

Zur Begrüßung sprachen der Direktor des Kulturforums Dr. Harald Roth und Maria Bering, Gruppenleiterin „Geschichte und Erinnerung” bei der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien. Als Bering aus der ereignisreichen Geschichte Siebenbürgens erzählt, wird im Publikum andächtig genickt.

Anschließend an die Überreichung der Preise, hält Dr. Christoph Bergner, früherer Bundesbeauftragter für Aussiedler und Minderheiten die Laudatio auf Philippi. Gleich zu Anfang betont er, dass es sich um eine anspruchsvolle Aufgabe handele, einen Mann mit umfangreichem Lebenswerk angemessen zu würdigen.

„Paul Philippi hat offenbar immer eine besondere persönliche Verpflichtung darin gesehen, ein Siebenbürger Sachse zu sein”, so Bergner.

Philippi, 1923 in Kronstadt geboren, wurde, wie so viele junge Sachsen mit zwanzig Jahren zur Waffen-SS eingezogen und kam nach amerikanischer Kriegsgefangenschaft ins westdeutsche Exil. Nach dem Studium der evangelischen Theologie, promovierte Philippi in Heidelberg, dort leitete er später das Diakoniewissenschaftliche Institut der Universität und machte sich mit zahlreichen Publikationen einen Namen. Der Wissenschaftler, der nie aufgehört hatte, sich mit Siebenbürgen zu beschäftigen, kehrte 1983 in seine Heimat zurück. Dies zu einer Zeit der kommunistischen Unterdrückung in Rumänien, zu der die meisten seiner Landsleute das Land verlassen wollten. Er lehrte an der Universität Hermannstadt und begann Ende 1989 als Mitbegründer des Demokratischen Forums der Deutschen in Rumänien, bei dem er bis heute den Ehrenvorsitz inne hat, sein politisches Wirken.

„Er hat die eigene Herkunft als besonderen Auftrag verstanden und eine lebensprägende Mission daraus werden lassen”, fährt Bergner in seiner Laudatio fort. Gleichzeitig betont er aber, dass die Auseinandersetzung mit siebenbürgischer Kulturgeschichte keinesfalls ein in sich geschlossenes Thema auf kleiner Ebene darstellt, sondern sich auch den Zukunftsfragen Europas widmet. Das plurikulturelle Siebenbürgen könne ja, so Berger, als „Modellfall für das zusammenwachsende Europa“ wirken.

Emeli GLASER

 

 

 

 

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